Miss Wunderlist? Here Are 20 Really Good To-Do List Alternatives

Ich bin neulich schon von Wunderlist wieder zurück zu RemembertheMilk, welches ich schon vor vielen Jahren nutzte, als ich mich das erste mal mit Getting Things Done beschäftigte. Hab heute Todoist und AnyDo getestet. Bleibe aber wohl bei RTM. Bei Todoist gefällt mir die Möglichkeit für Unter-Unter-Aufgaben, das Design auch, jedoch die kostenlose Basisversion lässt viele Funktionen, die ich mir in meinem Workflow angewöhnt habe, nicht zu. AnyDo gefällt mir das UI auch sehr gut. An den minimalistischen Umgang mit Aufgaben könnte ich mich gewöhnen und meinen angestammten Workflow müsste ich nicht zu sehr anpassen, jedoch: Sync zwischen Desktop und Mobile App ist nicht zuverlässig/schnell. Das ist natürlich problematisch.

Welche Todo-Listen Apps nutzt ihr?

Bekannte Gefühle, gemischte Gesichter

„Mit der Inszenierung eröffnete Christoph Marthaler im September die letzte Spielzeit an der Volksbühne unter der Intendanz von Frank Castorf, der im Sommer vom umstrittenen belgischen Museumsmann Chris Dercon abgelöst wird. In den Monaten vorher gab es viel Gezänk, ob Dercon der richtige Mann sei für diesen Job. Kritiker befürchten, er wolle die Volksbühne zur „Eventbude“ machen und die Bedeutung des festen Ensembles reduzieren. Natürlich klingt das alles nach, wenn Anna Viebrock einen patinierten Museumssaal auf die Bühne stellt, wenn die Darsteller luftpolsterfolienverpackt in großen Holzkisten auf die Bühne geschoben werden und wenn Irm Hermann, die mit Haltung und Handtäschchen in einer dieser Kisten sitzt, feststellt: „Ich hasse diese Wanderausstellungen.““

Quelle: Volksbühnen-Stück mit Friedrich-Luft-Preis ausgezeichnet – Kultur – Berliner Morgenpost

Das war vergangenen Sonntag ein schöner letzter Abend an der alten Volksbühne für mich, die mich in meiner Anfangzeit im Berlin der 1990er doch auch immer wieder sehr angezogen hat. Später dann die Kurzfilmfestival-Zeiten in der Volksbühne oder die eine oder andere Veranstaltung im Roten Salon. Ich bin gespannt was aus dem Haus wird.

Every Thing We Touch: A 24-Hour Inventory of Our Lives

„I’m an ethnographer who works in design, so I’ve spent most of my career traveling around the world looking at one specific subject at a time. For three months, I’d be totally occupied by TV remote controls or how people listen to music. Then I’d be thinking about how people consume mayonnaise, then deodorant, or banking. I would be traveling to different pockets of the world and just seeing a little portion of life; I’d interview someone and it would be exclusively about their banking services. One day I thought, “What if I looked at everything one person does in a day? What else would I learn? How can I see everything in context?” I wanted to look at life by people, instead of by topic. […] There was also a bit of nostalgia for the industrial design world. I’d noticed that my clients weren’t asking product questions anymore. Everyone seemed a little afraid to even say what they wanted to design. Clients who in 2003 or 2004 were saying “We need a strategy and information on user behavior to inform the design of a TV with a remote control,” were now asking me “What’s the future of entertainment?” Or my clients in the cosmetics industry would ask “What’s the future of beauty?” Obviously they’re doing the right thing by future proofing, but it seems like a big shift from knowing what you want to not being able to imagine everyday interactions with things. On top of that, so many products were being replaced by apps and becoming obsolete. So I asked myself: “Which ones are likely to disappear and which are likely to stay with us?“

Quelle: Dscout.com: The objects that define us – A People Nerds interview with Paula Zuccotti, author of „Every Thing We Touch“

Mehr zu dem Buchprojekt „Every Thing We Touch“ auf der Website von Paula Zuccotti.

 

Film: Schilf – Alles was denkbar ist existiert, 2012

Alles was denkbar ist existiert, muss aber nicht zwangsläufig interessant sein.

Wenn Filmemacher nichts zu erzählen haben, machen sie gern „Alles-ist-nicht-wie-es-scheint“-Filme mit Trauminszenierungen oder ähnlichen Bewusstseinszuständen. Hier mal der Traum/Bewusstlosigkeit mit dem Thema Parallelwelten und Zeitreise verbunden. Schnell durchschaubar, dass alles nur ein Traum ist, daher ärgerlich. Umso ärgerlicher, weil ich solche Filme trotzdem immer zu Ende sehen muss, um zu wissen, ob das vielleicht alles tatsächlich nur ein Traum ist? Ich finde dann immer, solche Filme nehmen ihren Zuschauer nicht ernst, sondern tricksen einen gezielt und mit einem billigen Kunstgriff aus: „Haha, alles nur eine Traumfantasterei… Ätschi.“

Via: Mein Letterboxd Diary; Watched June 17, 2017 at 11:08PM

Film: Moonlight, 2016

Moonlight. Oscar-Gewinner 2017

Oh ja. Der hat mir auch gut gefallen. Funktionierte auch auf Video. Der soziale Zusammenhalt bei rauer Härte, die Coolness und zaghafte Zuneigung, die Härte und die Verletzbarkeit. Dass alles so herrlich in Gegensätzen changiert und flimmert, ohne eine tatsächliche Zuschreibung oder Festlegung zu wollen, fand ich gut. Grauzonen erzählen mehr als Schwarz-Weiss-Schubladen.

Via: Mein Letterboxd Diary; Watched June 17, 2017 at 07:59PM

Film: The Art of Getting By, 2011

„I have a real problem with motivation.“

Samstagmorgens gesehen zum Aufwachen. Typischer Coming-of-Age Film. Die Liebesqualen zweier Highschool-Seniors kurz vorm Abschluss. Sie ist ein Cliquenmädchen und hat schon diverse Erfahrungen gemacht. Er ist der künstlerische Außenseite, Jungfrau und wird wahrscheinliche seinen Schulabschluss nicht schaffen. Viele Klischees, Teenagerliebe und Leiden des jungen Werther. Alles sehr harmlos und mit Happy End. Also genau das richtige für einen schläfrigen Samstagmorgen.

Via: Mein Letterboxd Diary; Watched June 17, 2017 at 08:14AM

Heute hat sich durch Link-Empfehlungen von Kollegen zufällig das Thema E-Mail Newsletter als Tagesthema heraus kristallisiert. Komisch, wie sich Tage manchmal automatisch nach Themen clustern.

Revue – Get your thoughts into people’s inboxes
Ein Agregator/Tool, mit dem man seine eigenen Newsletter-Inhalte zusammenstellen kann. Ob man das möchte, dass noch mehr Leute E-Mail Newsletter schreiben, sei mal dahingestellt. Aber man könnte es auch verwenden, um sich z.B. wöchentlich selbst eine Linksammlung an gelesenen Artikeln für das eigene Archiv zuzuschicken.

The Really Good Guide to Email Design (+ Bonus Checklist) | Campaign Monitor 
Gebräuchliche Tipps für die optimale E-Mail Newsletter Gestaltung.

Really Good Emails – The Best Email Designs in the Universe (that came into my inbox)
Ein Katalog mit E-Mail Newsletter Designbeispielen, nach Kategorien sortiert.

Ich nehme mir vor, Links, Studien, PDFs und andere gebräuchliche Netzfundstücke wieder vermehrt hier im Blog zu sammeln, da ich Bookmarking-Tools nicht (mehr) nutze oder dort abgespeicherte Dinge oftmals nicht sinnvoll wiedergefunden habe. Wahrscheinlich werde ich sie hier im Blog auch nicht suchen oder finden. Aber vielleicht erinnere ich sie besser, wenn ich sie nicht einfach schnell-schnell in ein Bookmark-Tool schmeisse, sondern hier sammel. Wir werden sehen.

 

„Konferenzräume sind der Ort, an dem Ideen sich besonders gerne begraben lassen.“ 

Creative Walks – Ideen. Schritt für Schritt.
 

„Walking opens up the free flow of ideas, and it is a simple and robust solution to the goals of increasing creativity and increasing physical activity.“

Studie: Give your Ideas Some Legs: The Positive Effect on Walking on Creative Thinking (PDF)
 

„Amid all the change and uncertainty of this moment, a set of core truths about our shared future are as relevant as ever. Transparency. Aspiration. Positive Impact. Tolerance. Empowerment. These truths are powerful – and positive – directions of travel sweeping through many advanced and emerging economies.“

 Truthful Consumerism – trendwatching.com
 

Five Essential Building Blocks of Compelling Stories:

  1. An Effective Character: Stories should contain a single, compelling character that is relatable to the audience and who is comfortable relaying speci c details, memories and experiences.
  2. Trajectory: Stories should chronicle something that happens—an experience, a journey, a transformation, a discovery—but they don’t need to be a linear, sequential recounting every time.
  3. Authenticity: Stories should show—rather than tell—the audience about the character’s transformation, using rich details and featuring the character’s own voice, devoid of jargon.
  4. Action-Oriented Emotions – Stories should convey emotions that move people to act, and marry these with clear, easy-to- nd pathways to get them to those desired actions.
  5. A Hook – Stories should capture the audience’s attention as quickly as possible, giving them a sense of whose story it is and what’s at stake.

Whitepaper: Stories Worth Telling – A Guide to Strategic and Sustainable Nonprofit Storytelling (PDF)
 

Mein erstes Schweigen

Warum fliegen, wenn man schreiten kann?

Letzte Woche rund um Himmelfahrt war ich für ein paar Tage alleine an der Ostsee zum Schweigen. Das kam etwas spontan. Ich hatte Urlaub genommen, die Liebste musste in der Woche jedoch arbeiten und gleichzeitig baten sich Oma und Opa an, die Kinder für ein paar Tage bei sich aufzunehmen. Also hatte ich plötzlich eine Woche zur freien Verfügung. Ich stand vor der Wahl: Last Minute in den Süden oder einfach mit dem VW Bus irgendwohin? Ein kurzes Stöbern in Last Minute Angeboten stresste mich so sehr, dass meine Entscheidung schnell gefallen war. Wozu soll ich denn eine Woche irgendwo in einer künstlichen Wellness-Simulation verbringen, wenn mir eigentlich der Sinn nach Ruhe und innerer Einkehr steht?

Da keine Zeit mehr war, ein Schweigekloster, ein Meditations-Retreat oder eine einsame Waldhütte in Nordschweden zu recherchieren, habe ich mich kurzerhand dazu entschieden, mir mein eigenes Schweige-Retreat zu bastelt. Ohne Indien-Kitsch und Zen-Meister. Schnell fand ich auf Google Maps eine etwas abgeschiedene Ecke auf Rügen, die mich interessierte. Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft auf der Halbinsel Wittow (ganz oben links auf Rügen) schien mir mit seinem bis fast nach Hiddensee reichendem Südbug und einem alten Flottenstützpunkt der Volksmarine sehr reizvoll. Und auch der letzte Campingplatz im letzten Ort (Dranske) auf der Route bestach durch direkte Lage an der Ostsee und versprach viel Ruhe, da als Campingplatz hauptsächlich für Wohnmobile ausgerichtet (viel Wind, keine Zelte) und kein Kinderspielplatz zu erkennen war. Mein Ort des Schweigens war also schnell bestimmt.

Doch wie geht Schweigen eigentlich? Dies waren meine selbst gesetzten Regeln für die kommenden Tage des Schweigens:

  1. Alles aus. Keine Ablenkung. Handy und vor allem Internet aus. Aber auch kein Radio oder so. Kein Buch, nichts lesen. Eben nichts.
  2. Regelmäßig meditieren (für mich fühlte sich 3x am Tag morgens, mittags und abends in Ordnung an).
  3. Wenn Gedanken kommen, einfach ziehen lassen.
  4. Wenn ich über etwas länger nachdenke, ggf. Tagebuch schreiben. Dann nur aufschreiben was mir durch den Kopf geht, nicht analysieren. Eher gucken, das was diese Person da denkt, was braucht die grade. Oder… Gedanken einfach abgeben und auf’s Meer schicken.
  5. Spazieren gehen oder Radfahren ist ok.
  6. Hören was ich höre. Sehen was ich sehe.

Ein Campingplatz ist kein Schweigekloster. Das musste ich schnell feststellen. Tatsächlich war es dort für einen Campingplatz angenehm ruhig. Aber natürlich wusste niemand von meinem Plan, fünf Tage zu schweigen. Beim nächsten Mal muss ich unbedingt darauf achten, dass der Rahmen zu meinem Vorhaben passt. Ein Campingplatz ist eine Community mit eignen Regeln und Ritualen, die nicht unbedingt vergleichbar mit denen eines Schweigeklosters sind. Aber nun gut, ich schaffte es trotzdem, die Kommunikation mit meinen Mitcampern auf ein gelegentliches „Moin“ oder einfaches Kopfnicken zu reduzieren und atmete die kontinuierlichen Radio- und Fernsehgeräusche aus dem Vorzelt meiner Platznachbarn einfach weg. Wenn mir die beständige Emsigkeit der Wohnmobilsenioren einmal zu bunt wurde, ging ich einfach 5 Minuten den Strand runter und setzte mich dort in den Sand. Da war es dann – bis auf Wellengeräusche und gelegentlich eine Möwe – beinahe ruhig und ich konnte stundenlang sitzen und der Dinge harren, die da kommen mögen, wenn mein Hirn denn einmal zur Ruhe kommt.

Ich stellte mir vor, in den fünf Tagen einmal all diese ständigen Gedanken-Loops aus Berufs- und Familienalltag wegstecken zu können und mich möglichst viel dem Moment zu widmen. Einfach nur sitzen, sehen und hören. Keine zeitlichen Zwänge. Keine Abhängigkeiten. Ein klar umrissenes Ziel hatte ich mir nicht gesetzt. In der Tourismusbranche heisst das wohl allgemein „Seele baumeln lassen“. Genau das aber gestaltet sich ja für viele heutzutage immer schwieriger.

Der erste Tag, die Hinfahrt mit dem VW Bus am Sonntag war schon sehr angenehm. Gegen 12 Uhr brach ich in Berlin auf. Auf der Autobahn nach Norden stellte ich den Tempomat auf 100 km/h, drehte die Fenster runter und schwieg im Fahrtwind. Erst an der Campingplatz-Rezeption unterbrach ich mein Schweigen, suchte mir eine kleine Parzelle auf dem Campingplatz aus und rangierte den Bus auf eine möglichst perfekte Position mit Meerblick und wenig Sichtfläche auf die anderen Campingplatzbewohner. Die restlichen Tage nahm ich mir vor, nichts zu machen. Also außer meditieren, wandern, sitzen, kucken, wieder meditieren, schlafen, Füße in die Ostsee, Tee kochen, im VW Bus-Innenraum rumoptimieren, Essen machen, Rad fahren, noch mehr am Strand sitzen und noch mehr meditieren.

Was passiert, wenn man mehrere Tage hintereinander schweigt? Nun, wenn ich ehrlich bin, habe ich mir das alles etwas spektakulärer vorgestellt. Es passiert eigentlich nicht viel. Das erste, was sich wieder einmal bestätigt hat war, wie schwer es mir fällt, aufkommende Gedanken einfach ziehen zu lassen. Das kenne ich vom Wandern, wo mein Kopf oft zwischen tiefer Gedankenversunkenheit und dem einfachen Genuss der Landschaft pendelt. So auch am zweiten Tag, den ich mit einer Tageswanderung am Strand, im Nationalpark und im alten Marinestützpunkt ausfüllte. Am Abend kam ich langsam zur Ruhe. Es war vollkommen windstill. Keine Wellen, fast vollkommene Ruhe. Es war, als ob dort vor mir die Ostsee mir vorschlagen wollte, was ein erstrebenswerter Zustand für mich sein könnte: Ein stabiler, ruhiger Grundzustand, mit klarer, ungestörter Aufmerksamkeit, in dem das kleinste Detail und die geringste Veränderung eine Sensation darstellen kann. Das glatte Meer, ein gelegentlicher Vogelflug und der geringe Geräuschpegel waren für mich eine absolute Sensation.

Am dritten Tag, nach einer relativ kalten Nacht, war es schwül und mein Kopf wollte produktiv sein. Ich bastelte den halben Tag Kleinkram im VW Bus rum und optimierte im Kopf mögliche Ordnungssystematiken für zukünftige Reisen mit der Familie. Meine Nachbarn, seniorige Dauercamper, hatten Besuch. In deren Gespräche gingen es um die gegenseitigen Erfahrungen mit der Smartphone-Nutzung. Beim ersten Bierchen wurde dann ausgiebig über Online-Shopping und Online-Banking diskutiert. Alle Vor- und Nachteile von Ebay, Amazon und Paypal wurden zur Genüge erörtert. Am Nachmittag verbrachte ich alleine mit meiner Badeshorts am Campingplatz-Strand. Eine Stunde im Wasser hin und her gelaufen, immer noch kaum Wind oder Wellen. Erstaunlich wie lange Möwen auf einem Felsen ausharren können. Ich probierte das auch aus, es wurde ein Wettverharren mit der Möwe und was soll ich sagen – ich kann länger. Verhangener Sonnenuntergang mit pfirsichfarbenem Himmel. Am Strand baute versunken ein Mädchen einen dieser Steintürme, sie trug einen Pullover in gleicher Farbe wie der Himmel. Ich glaube, sie hat das gar nicht mal gemerkt. Kurz nach meiner Nachtmeditation nahm der Wind stark zu und es begann zu regnen. Ich entschied mich, statt im Aufstelldach des VW Bus, die Rückbank umzuklappen und unten zu schlafen. Ein tolles, heimeliges Gefühl. Der starke Wind und der Regen verwandelten den VW Bus in eine Babywiege.

Der vierte Tag startete immer noch bewölkt und sehr windig. Aber ich hatte das erste Mal nicht in der Nacht gefroren. Ich entschied mich für eine Tageswanderung nordöstlich die Küste entlang im Naturschutzgebiet Nordwestufer Wittow und Kreptitzer Heide. Mal führte der Weg oben an der Steilküste entlang, mal unten am Strand. Nett. Ungefähr auf Höhe Möwenort längere Meditation am Strand. Dann klarte der Himmel auf und ich ging die Strecke am Strand zurück dem Sonnenuntergang entgegen. Ich ließ mir Zeit, um Strandgut zu begutachte und zu sammeln und bewunderte Uferschwalbenschwärme. Nach Einbruch der Dunkelheit – ich bastelte noch etwas mit dem Strandgut im Bus – war plötzlich die Autobatterie leer. Zum Basteln hatte ich das Innenraumlicht des VW Bus angeschaltet. Sonst nutzte ich eine Solar-Lampe, die aber nicht so hell scheint. Durch die leere Autobatterie kam ich im Kopf auf einen ganz blöden Film, stresste mich in eine leichte Panik hinein. Ich hatte noch nichts gegessen und ich befürchtete, dass das Auto nicht wieder anspringen könnte und ich müsse den ganzen Sommer da alleine unter Rentnern… Eine Dose Erdnüsse stillte den Frust aufs Erste.

Am nächsten Morgen am fünften Tag – Vatertag und letzter ganze Tag meines Schweigens – bin ich sehr früh wach geworden. Konnte nicht mehr einschlafen, es schien mir aber auch noch zu früh, um endlich zu testen, ob der Dieselmotor trotz der leeren Autobatterie anspringt. Morgenspaziergang mit leerem Magen am Strand. Sehr windig. Der Wind nervte und die Kälte und überhaupt schien mir, dass ich alles falsch gemacht hatte. Ich hatte den falschen Ort für mein Schweigen ausgesucht, ich fühlte mich ständig beobachtet von den Wohnmobil-Rentnern, ich hab viel zu viel unternommen, ich war gar nicht bei mir, ich hatte Hunger und alles war blöd. Nach Kaffee und Müsli war es schon besser. Der Motor des VW Bus sprang auch an. Alles gut. Ich wunderte mich, über mich selbst und die selbstverursachte Panik. Der Wind nervte aber immer noch und mir war kalt. Also nahm ich kurzentschlossen mein Fahrrad, um auf die andere Seite der Halbinsel Wittow zu gelangen, wo ich mir weniger Wind erhoffte. Nach ein paar Metern merkte ich, das ich ja Rückenwind habe und nach ein paar weiteren Metern über die Feldwege von Wittow war mein Frust verschwunden. Der Himmel klarte auf und nach einer Dreiviertelstunde war ich auf der anderen Seite der Halbinsel. Es war zwar immer noch kalt, aber direkt am Strand fand ich eine windstille Ecke und wärmte Körper und Geist auf. Erst nach drei Stunden sitzen und aufs Meer starren trieb es mich weiter. Ich hatte Hunger und fuhr nördlich die Küste zum Kap Arkona hoch. Top Idee zu Himmelfahrt. Die Touristenmassen belustigten mich aber eher, als dass sie mich wie sonst nervten. Ich hätte sogar Lust auf ein bisschen Small Talk gehabt. Ich unterbrach mein Schweigen aber nur, um mir in einem Fischrestaurant etwas zu bestellen. Dann ging meine Radtour weiter am Nordufer der Steilküste entlang zurück nach Hause, unterbrochen von mehreren kurzen meditativen Pausen. Ich war froh, dass ich meinen Frust aus der Nacht und vom Morgen in einen schönen Tag verwandeln konnte. Am Abend begann ich, die Abreise vorzubereiten. Es gab buntes Resteessen durcheinander. Sehr langer, tiefer Schlaf. Beinahe hab ich die Check-Out Zeit vom Campingplatz verpennt.

Die Rückfahrt über war ich weniger ruhig als auf der Hinfahrt. Tempomat auf 120 km/h, weil ein wenig eilig und gemischte Gefühle. Einerseits große Vorfreude auf die Liebste und die Familie, gepaart mit Sorge, ob ich die Tage eigentlich „richtig“ genutzt habe. Das folgende Wochenende und über den Lauf der nächsten Tage zeigte sich aber dann doch, dass ich wahrscheinlich alles richtig gemacht habe.

Zusammenfassend waren die fünf Tage Schweigen für mich eine gute Übung, um Gedanken ziehen zu lassen. Nach wenigen Tagen habe ich direkt gemerkt, wenn Grübelkram hoch kroch. Statt mich in Gedanken zu verstricken konnte ich das bewusster weg steuern und abgeben. Dann faszinierte mich schnell die Feinjustierung meiner Beobachtungsgabe, die sich durch das Schweigen einstellte. Kleinste Details wurden auf einmal zu etwas Besonderem. Im Rückblick würde ich sogar soweit gehen zu sagen, dass alle Details und Geschehnisse einen gewissen Sinn in sich bergen. Eine Gesamtinszenierung, die die Entwicklung meiner Innenwelt spiegelt. Voll kitschig und natürlich von mir konstruiert. Aber ich kann nun besser verstehen, wie es dazu kam, dass Menschen sich einst Götter und Mythen ausdachten, um sich die Welt zu erklären. Das Gehirn sortiert und konstruiert sich Erklärungsmuster aus den Zufällen, die es beobachtet, wie es das gerade braucht. Das merkt man an sich selber, wenn man schweigt. Und letztendlich haben mir die paar Tage Ruhe auch wieder mehr Liebe und mehr Aufmerksamkeit mir gegenüber, gegenüber der Familie und gegenüber Mitmenschen gegeben. Ich würde nicht sagen, dass ich im Reinen mit mir bin. Aber ich finde, ich bin ganz ok.

Hier ein paar Fotos von meinem Schweigen. Tatsächlich nichts Besonderes, aber in dem jeweiligen Moment hat jedes Bild vollkommen Sinn für mich gemacht.

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