Typisch weiblich

Eine Bekannte hat mir neulich eine e-mail geschickt mit der Bitte, in mich zu gehen und meinen persönlichen Erfahrungsschatz das Weibliche betreffend anzuzapfen und meine Beobachtungsgabe spielen zu lassen, sie bräuchte das für eine Recherche.

Wissend, dass jene Bekannte eine Person ist, von der ich an sich einiges halte, war ich zunächst verwirrt, weil gerade jene Stereotypen, die einem da als erstes einfallen ja wohl nicht das sind, woran sie gerade arbeitet. Aber man weiss ja nie so genau, wie sich die Dinge ändern – raus aus der Uni in die Arbeitswelt – da geht man an Themen vielleicht auch anders ran, als wie im Soziologiesemniar. Und eigentlich will ich mich weigern, ihr zu antworten, weil ich das Gefühl habe, die Frage nach dem „Weiblichen“ und dem „Männlichen“ an sich ist wieder rückläufig. In den 90ern schien es mir mal so, dass sich die Genderdebatte aus den 80ern so weit rumgesprochen hatte, dass jeder etwas damit anfangen konnte. Zumindest mit dem Einverständnis, dass sich Menschen in Abhängigkeit von ihrer Umwelt entwickeln und so bestimmte Verhaltensweisen tradiert werden, die aber nicht zwingend etwas mit dem biologischen Geschlecht zu tun haben, sondern als eine Art Performanz des Geschlechts funktionieren. In der Populärkultur hat sich das z.B. im Androgyn-Chic gezeigt, oder dass in Daily-Talkshows gern dramaturgisch auf den größten gemeinsamen Nenner „jeder wie er will“ hin gearbeitet wurde.

Zusammengehend mit dem Dekonstruktivismus der Postmoderne lag es der Genderdebatte auch daran, genau diese Geschlechtsstereotypen als kulturell geprägt aufzuzeigen – also veränderbar und nicht vom biologischen Geschlecht determiniert – mit dem Ziel eine neue Ebene der Emanzipation von Frau, Mann, Mensch zu erreichen. Inzwischen wird einem das Thema wieder vermehrt rückläufig untergejubelt, glaube ich festzustellen – hin zur Verfestigung von Geschlechtsstereotypen die auf einen klaren Unterschied zwischen Mann und Frau aus sind. Es kann auch sein, dass das Ganze stark mit der stärker im Vordergrund stehenden Gen Debatte zusammenhängt. In letzter Zeit ist ja ganz oft dann doch angeblich irgendein Gen dafür verantwortlich, wie sich Menschen entwickeln, wo man vorher dachte, das Unterschiede oder Entwicklungen seien stärker kulturell/gesellschaftlich geprägt. Daher vielleicht auch diese Renaissance mit den Unterschieden zwischen Mann und Frau. Wieviel am Gender ist biologisch determiniert und wieviel kulturell? Wird wohl zwischen den Zeilen neu verhandelt. Die Rolle der Frau in der Gen Debatte wäre auch mal ein Thema, jetzt für die dunkeln, kalten Abende am wohligen Küchentisch.

Ich bin mir nicht sicher, ob und was ich auf die e-mail meiner Bekannten antworten soll. Das Problem ist ja, dass wir natürlich immer noch von diesen Stereotypen umgeben sind und ja auch schwer aus unserer Haut heraus kommen. Es ist ja nicht so, dass schnell schwupsdich die Stereotypen dekonstruiert sind und alle Menschen gleich. Vielleicht kann man das auch mal aus einem positivem Licht sehen? So nach dem Motto, ist doch auch gut, wenn Männer Sinn für Fußball, Technik und einfache Freuden haben. Und Frauen? Shoppen, Labern, Probleme machen? Das kann´s ja nicht sein. Vielleicht ist es falsch, dass an bestimmte Themenbereichen festzumachen, sondern vielleicht sind´s auch unterschiedliche Hirnfunktionen, wie: Frauen = komplex / Männer = einfach. Wobei man dann ja aber wieder beim biologischen Determinismus wäre. Hm. Oder so: Frauen = familiäre Harmonie / Männer = Revier verteidigen. Das ist dann aber doch wieder kulturgeschichtlich geprägt, oder?

Persönlich sehe ich natürlich Unterschiede, nur liegen die auf den 2. Blick dann doch wieder überall anders verteilt, sodass man da lieber keine Verallgemeinerungen machen möchte. Vielleicht ist der Unterschied – wenn ich´s so überlege – dadurch geprägt, dass Frauen tendenziell zum Multitasking besser geeignet sind als Männer, wodurch sich eine unterschiedliche Sicht auf die Welt entwickelt. Frauen wirken (dann für Männer) manchmal nicht bei der Sache, weil der Wahrnehmungsrahmen weiter gezogen ist. Männer hingegen sich vielleicht stärker jeweils auf einen kleineren Teil der Wahrnehmung konzentrieren, wobei dann aber aus Sicht der Frauen, alles zu einfach, grobschnitzig und gefühlsarm ist bei den Jungs. Keine Ahnung. Ich finde das Thema aber eigentlich auch zu blöd, um eine wirklich gute Antwort zu geben.

Auf der Party, wo ich am Freitag war (die ganz viel Spass gemacht hat), meinte einer, mit dem ich mich darüber unterhalten habe, Frauen würden gerne Probleme ansprechen, deren eigentliche Lösung ihnen dann gar nicht mehr so wichtig ist. Ein anderer sagte zu einem anderen Thema, „Egal, belesen ist sie ja auch, aber ihre Turnschuhe sind sexy.“

Auf der Party, wo ich am Samstag war (die mir nicht so viel Spass gemacht hat), habe ich mich eigentlich nur mit der Liebsten unterhalten und Bier getrunken. Aber beim Beobachten der Leute feststellen können, dass sehr merkwürdige geschlechtliche Unterschiede beim Tanzen bestehen. Tanzen um sich sexy zu geben – männlich und weiblich ausgeprägt. Und man springt auch drauf an: Bei einigen Jungs schaue ich dann eher betreten/genervt weg und bei Frauen kann das dann schon reizvoll sein.

Und auf dem Umzug wo ich vorhin war, mussten wieder die Männer die Waschmaschine schleppen.

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