Die tödliche Doris – Kino

Dieses lustige Logo ist von der tödlichen Doris, wo ich gerstern abend war im Hamburger Bahnhof. Nein, nicht tödliche Dosis im Hamburger Bahnhof, wie eine Bekannte heute verstand, sondern bei der Buchpräsentation des 4. Bandes der Edition zur Kreuzberger Künstlergruppe der 80er Jahre, die vom Martin Schmitz Verlag herausgegeben wird.

Es ist schon komisch, was so an einem vorüber zog in den 80ern, ohne dass man da was von mitbekommen hätte. Ich habe eigentlich von der tödlichen Doris nur so am Rande mal den Namen gelesen, und dann nur im musikalischen Zusammenhang. Aber die haben nicht nur Musik gemacht, sondern Texte, Bilder, Installationen und eben auch Filme. Alles im subkulturellen Kontext. Jetzt erst mit dem 4. Band der Edition über die Filme der tödlichen Doris wird also auch mal der Herr Filmwissenschaftler wach, naja.

Gestern haben also Françoise Cactus (Stereo Total) und Wolfgang Müller (Die tödliche Doris) einige Filme und das Buch „Die Tödliche Doris – Kino/Cinema“ vorgestellt. Was ein sehr symphatischer Abend war. Eigenlich wollte ich nicht mehr aus dem Haus, die Liebste wollte noch was arbeiten aber mein Mitbewohner ist mitgekommen. Gezeigt wurden die Filme:

Die Gesamtheit allen Lebens und alles Darüberhinausgehende (Berlin 1987) – Der letzte Film der Gruppe: Ein ganz kurzer Szenentrenner (aus 44 Einzelbildern), der eigentlich für Hobbyfilmer in Läden verkauft wurde. Aufbauend aus den Einzelbildern entstanden großformatige Gemälde, die dann im Katalog abgedruckt wieder zum Daumenkino wurden.

Edith Müller putzt ein Fenster (Berlin 1983) – Die Mutter von Wolfgang und Max Müller putzt ein Fenster, während auf der Tonspur singen die Mutter und Thomas Müller das Stück „Über-Mutti“.

fliegt schnell – laut summend (Berlin 1981) – Ein kleinwüchsiger Mann im langen Mantel durcheilt die winterliche Stadt. Im Off erklingen seine Gedanken, modelliert in bizarr-romantischen Gedichten. Schließlich kommt er in einem Wäldchen an, entpuppt sich in der verschneiten Landschaft, wird groß und tanzt nackt und gestenreich im Schnee. Die Befreiung hält nicht lange an, und er kehrt im selben Körper heim. Fast kitschig, aber klasse ästhetischer Ausdruck.

Städtefilm München (München 1983) – Veranstalter, bei denen die tödliche Doris auftrat wurden gebeten, einen kurzen Film über die jeweilige Stadt zu drehen, in der der Auftritt stattfinden sollte. Die einzelnen Filme wurden seinerzeit nur jeweils einmal in der jeweiligen Stadt gezeigt. Der Städtefilm München ist von Doris Kuhn. Sechs Minuten Schwarzfilm und auf der Tonspur ist ein Telefonat mit Doris Kuhn zu hören, warum auf dem Film, den sie eingeschickt, nichts zu sehen ist. Sehr lustiger Film.

Der Fotomatonreparateur (Berlin 1983) – Mehrere, neben diversen Fotoautomaten gefundene Passbildstreifen zeigen immer wieder den selben Mann vor unterschiedlichen Hintergründen. Es handelt sich offentsichtlich um weggeworfene Probe- und Testaufnahmen des für die Reperatur der Automaten verantwortlichen Mechanikers. Wem das bekannt vorkommt: Ja, die Idee wurde später dann wohl im Film „Die fabelhafte Welt der Amelié“ eingebaut…

Tanz im Quadrat (Berlin 1984) – Das heute bekannte Stück von „Stereo Total“ ist eigentlich von der tödlichen Doris. Der Film ist ein kurzer Teaser zu dem Stück: Die Erotiktänzerin Valerie Caris Ruhnke tanzt mit Reinhard Wilhelmi in der Küche von Wolfgang Müller auf einer Holzleiter zu dem Stück.

Tapete (Berlin 1983) – In langsamen Schwenks fährt die Kamera diverse Tapeten aus einem Musterkatalog ab. Eine Pappmaske vor der Kamera macht das aus dem Film ein Breitleinwandfilm, der speziell für die Leinwand im Berliner Delphi-Kino konzipiert wurde. Als Tapetenfilm zu einer Ausstellung „Der Hang zum Gesamtkunstwerk“.

Im Winter sollen alle Filme der tödlichen Doris nochmal irgendwo in Berlin gezeigt werden. Jetzt gerade laufen einige Filme in Hamburg im Lichtmess Kino. Und am Donnerstag, 6. November 2003 um 20 Uhr nochmal in der Kinemathek Karlsruhe.

Ja. Und das Buch “Die Tödliche Doris – Kino” – 128 Seiten, deutsch/englisch, farbig, gebunden, Euro 24.50 – ISBN 3-927795-37-2 und noch ganz viele Infos und andere Dinge von der tödlichen Doris kann man beim Martin Schmitz Verlag finden.

Auf der Homepage von Die tödliche Doris gibt es auch noch Filme zum Download und die Musik als kostenlose MP3 Dateien.

Danach bin ich noch zu Leuten Biertrinken ins Möbel Olfe gefahren. Danach habe ich am Kottbusser Tor beim Türken Pommes gegessen (eigentlich beim Jugoslawen, der sich Charlie nennt). Und zuhause habe ich dann noch schnell den w.bloggar heruntergeladen.

Heute war ich zwischendurch bei meinem alten Job, habe mein Zeugnis bekommen, mit A. beim Bäcker gewesen (sie meint, sie findet das immer noch komisch, dass ich da jetzt weg bin – hab mich locker mit ihr für nächste Woche verabredet), und weiter recherchiert, weil nächste Woche ist ja mein neuer Chef wieder in der Stadt. Muss man dann ja was vorzeigen können.

Und jetzt muss ich mal noch irgendwie das Wochenende einklingen lassen. Wieder nichts vorbereitet.

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