Dolls

Japan 2002 – Regie: Takeshi Kitano – Darsteller: Kyoko Fukada, Miho Kanno, Chieko Matsubara, u.a.
:::: gesehen am 6.11. in Hackesche Höfe OmU

In seinem neuen Film erzählt der japanische Regisseur Takeshi Kitano drei romantische Tragödien. Drei Paare, drei Schicksale:
Ein junges Paar will heiraten, er kommt nicht zur Hochzeit, sie wird dadurch verrückt. Er nimmt sich ihr aber trotzdem an, beide wandern verloren – zusammengebunden mit einem roten Seil durch Landschaften und Jahreszeiten, auf der Suche nach etwas, was sie verloren haben.
Ein Gangsterboss, der früher als armer Fabrikarbeiter seine Freundin auf einer Parkbank sitzen lässt, um es alleine zu probieren, kommt nach Jahren zurück in den Park, wo er sie auffindet. All die Jahre ist sie jeden Samstag gekommen, um auf ihn zu warten. Sie erkennt ihn nicht, interessiert sich aber für ihn. Doch Gangsterbosse werden halt erschossen.
Eine Popsängerin gerät in einen Autounfall, der ihr Gesicht verunstaltet. Ihr größter Fan sticht sich die Augen aus, um ihr nun zu begegnen.

Bild für Bild müsste man DOLLS beschreiben und lobpreisen. Eine staunenswerte Vision folgt der nächsten: jede einzelne befremdlich schön und klar, sich allmählich mit Emotionen und dramatischen Spannungen aufladend. (SZ München)

Und es würde trotzdem schwer fallen, alles zu beschreiben, was der Film zeigt. Unterstützt von Kostümen des Modedesigners Yojhi Yamamoto inszeniert Kitano symbolträchtige, poetische Bildwelten über Abhängigkeiten aus Liebe, denen man noch gedanklich nachhängt, wenn schon etwas anderes im Film passiert. Die Episoden sind ineinander verwoben, Zeitsprünge machen die Orientierung nicht leichter. Ich musste höllisch aufpassen, um mit zu bekommen, worum es sich jeweils handelt. Wie scheinbar willenlose Puppen wirken die Frauen, Opfer der Handlungen der Männer, und doch geht es um die Bindung aneinander, die eben Opfer bedeuten. Auch von den Jungs.

Ein Film den man sich besser nicht mit seinem/r LebenspartnerIn ansehen sollte. Es könnte sein, dass man danach in der Kneipe sitzt und tunlichst vermeidet, das Gespräch auf die eigene Beziehung zu lenken. Büchse der Pandora, eben. Lieber nicht öffnen. Aber deswegen um so besseres Kino. Klasse Bilder, wenn auch teilweise schon ein bischen überinszeniert für meinen Geschmack. Und wieder das Gefühl, nicht genug in japanischer Kultur drin zu stecken, um alles entschlüsseln zu können.

War mit A. von meinem letzten Job im Kino, und sie meinte auch, dass sie an einigen Stellen dachte, dass es ganz gut sei, dass sie den Film nicht mit ihrem Freund gesehen hat. Und um gleich mal hier so eventueller Eifersucht der Liebsten vorweg zu greifen: Der Film zeigt einfach mal so ganz grobe Strukturen an Einzelschicksalen auf, verdichtet die mit starker Bildsprache, einige Dinge werden dann sehr emotional. Das soll nicht heissen, dass wir beide vielleicht doch sehr gut über uns hätten reden können… ;-)

Und sonst wars nett mit A. Ich war eigentlich nur verwirrt darüber, was sie sich vornimmt, für Drogenerfahrungen zu machen. Und nach dem teuren Rotwein bin ich froh, jetzt noch ein ehrliches Schultheiss zu trinken.

Deutsche Homepage des Films

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