Trainspotting

Immer wieder hetzte ich Zügen hinterher. Abends die letzte U-Bahn, tagsüber fast immer auch die U-Bahn, und wenn mal eine Reise ansteht, dann hetzt ich immer zum Bahnhof. Immer ganz knapp, gerade noch geschafft, puh. Oft schaue ich ihnen hinterher.

Heute Abend schon wieder. Nicht um selber zu reisen, nein, die Liebste fuhr. Dabei hat sie es doch rechtzeitig angekündigt, „ich nehm den um 18:40h vom Ostbahnhof.“ Klare Ansage. Und wieder war ich zu spät. Der Zug fuhr gerade an, als ich die Treppe hoch stürmte. Dabei hatte ich noch was für sie, lecker Lebkuchenherz vom „Lecker Back“ für die lange Fahrt. Konnte ich nur noch winken und zum Trost selber Lebkuchen essen.

Aber was ist das mit den Zügen? Warum kann ich nich 1 Stunde vorher da sein, noch einen Kaffee trinken, eine Zeitschrift kaufen und Leuten beim Hetzten zusehen? Eigentlich könnte man ja sogar ein Jahr vorrausplanen. Wenn der neue Fahrplan rauskommt, einfach her mit dem neuen Kalender und in Ruhe unterm Weihnachstbaum die Zugfahrten für’s kommende Jahr eintragen. Alles so wichige Sachen – Geburtstage, Urlaub, Jubileen, Abgabetermine für das Zeug, Arztbesuche – und auch Züge sollten da drin stehen. Ein Flugzeug habe ich noch nie verpasst.

Vielleicht kommt das noch von früher her. Aus dem Kinderzimmer. Lag ich immer auf dem rotem Teppich rum und habe der Modelleisenbahn zugesehen. Eigentlich wollte ich immer einen Modellhubschrauber haben, so wie Patrik Pacard. Oder ein Kettcar. Stattdessen gab’s die Modelleisenbahn und Rollschuhe. Daher muss es kommen, dass mit der Hektik, wenn’s um Züge geht. Ich schau mit auch gerne zum Einschlafen die Zugfahrten durch Deutschland im Fernsehen an.

Einen Farbfernseher habe ich mir übrigens früher auch vergeblich gewünscht, damals als ich immer nur eine Stunde pro Tag fernsehen durfte. „Farbfehrnseer“ habe ich auf den Wunschzettel geschrieben. Meine Eltern konterten mit, „bekommst du erst, wenn du weisst, wie man das schreibt.“ Habe ich nachgeschlagen und trotzdem nicht bekommen. Den Fernsehmangel habe ich dann mit dem Studium der Film- und Fernsehwissenschaft kompensiert. Den Hubschrauber habe ich immer noch nicht verkraftet, denn ich arbeite noch an den Zügen. Neulich hat mein Fernseher am Bett die Farbe verloren. Eigentlich ist nur grün ausgefallen. Habe zuerst gedacht, ich wäre bekifft. Vor Begeisterung musste ich erstmal alle Sender durchtesten. Bei Musikvideos fällt’s nicht so auf. Bei der freenet-Werbung am stärksten. Gestern abend kam irgendwo noch „2001 im Weltraum“ – interessanter Effekt da die Stargate-Sequenz mit nochmal verfremdeter Farbe. Jetzt habe ich die Farbe ganz rausgedreht („ist cooler“ meinte die Liebste) – nur die Zugreisen durch Deutschland zum Einschlafen sind in schwarzweiss nicht mehr so prickelnd.

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