Lost in Translation

USA 2003 – Regie & Buch: Sofia Coppola – Darsteller: Anna Faris, Scarlett Johansson, Bill Murray, u.a.
:::: gesehen am 8.1.04 im Cinestar Potsdamer Platz (OV)

Hat sich gelohnt, dass ich mir die Zeit noch totgeschlagen habe am ausgestorbenen Potsdamer Platz (siehe hier). Und fast bin ich damit auch der Empfehlung vom Herr Pahl nachgekommen: Originalversion, große Leinwand und kein Schenkelklopferpublikum. War zwar auch in der 23:15 Vorstellung recht voll, aber viele ruhige Leute, Einzelgänger und freundliche Menschen.

Zum Film: Bill Murray spielt einen etwas gealterten Schauspieler, der in Tokyo einen Werbespot für Whiskey dreht. Im Hotel begegnet er Charlotte (Scarlett Johansson), einer jungen, frisch verheirateten Frau, die ihren Mann, einen Fotografen, begleitet. Was als eine zufällige Begegnung beginnt, entwickelt sich zu einer Freundschaft und schließlich fast zu einer Liebesbeziehung.
Der Film ist zum Glück keine Schenkelklopfer-Komödie, sondern mit sehr feinem Humor inzeniert, lässt ganz viel Platz für Murrays feine Nuancen im komischen Spiel. Aber nicht nur die Schauspieler sind lieb. Auch wie Sofia Coppola ihre Tokoy-Bilder den Handlungssimmungen anpasst ist schön. Und worum geht?s eigentlich? Jeder will gefunden werden. Murray – lakonisch sein Selbst in Whiskey ertränkend – hat es eigentlich fast schon aufgegeben, seine Midlife-Crises zu bekämpfen. Die junge Charlotte sucht noch. Zwei Seelenlose treffen sich in einer Hotelbar, um einen Ausbruch zu wagen – in die Nacht, ins Leben, zu sich. Das hab ich schon mal gesehen. Mehrfach sogar, wenn ich mir’s recht überlege. Trotzdem immer wieder schön. Für die „Toronto Film Critics Association“ war’s der Beste Film 2003. Soweit würde ich nicht gehen, aber wenigstens werd ich jetzt gut schlafen können.

Nachtrag: Die Meinungen gehen auseinander. Urs Richter findet den Film z.B. „unfassbar dümmlich“

„(…) Sofia Coppola, Tochter vom großen, dicken FF, will uns durch solches Lächeln becircen. Von zwei Fremden erzählt sie, die in fremder Welt für kurze Momente ganz beieinander sind. Und dabei ahnen: die sind das Wertvollste, was sie sich schenken können. Es hätte ein hübscher Film werden können. Hätte Sofia Coppola nicht eine derart selbstverliebte Popmusik- und Zeitgeist- und Bildkitschroutine runtergeleiert. Und wäre sie dabei nicht so feige gewesen, die Verlorenheit und Sehnsucht ihrer beiden Charaktere nie – nicht ein einziges Mal – ernst zu nehmen.
Bill Murray als schlurfige Midlifekrise und Scarlett Johansson als verspätetes Lolitaversprechen absolvieren einen bonbonbunten Szenenreigen zwischen Neonexpressionismus, Japanfolklore, Strippbars, Hoteldepression, Komasaufen, Bettgeflüster, Karaokelärm – und just immer dann, wenn sie einmal zur Ruhe kommen, wenn sie sich etwas sagen müssten, wenn wir neugierig werden, wie denn die Szene nun ausgespielt wird – dann kommt der Schnitt auf die nächste Japanpostkarte. (…)“
(Quelle: filmtext.com)

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