Berlinale VI

Heute waren es zwei Liebesfilme am Abend:

MON BAT LIU (Lost in Time)
Hongkong/VR China – Regie: Derek Yee
:::: gesehen am 11.2.04 im Panorama der Berlinale
Nach dem tödlichen Unfall ihres Verlobten versucht die junge Widwe, sich und den Sohn ihres Verlobten aus erster Ehe mit dem Fahren eines Kleinbustaxis über Wasser zu halten. Doch es gibt viel Konkurrenz. Dai Fai, der den Unfall ihres Verlobten beobachtet hatte, versucht ihr zu helfen. Er zeigt ihr, wie man sich mit dem Bus im Verkehr durchsetzt, freundet sich mit dem Jungen an und hilft, wo er kann. Die Frau ist so sehr in finanzieller Not, dass sie kurz davor ist das Kind ab zu geben. Dai Fai, dessen eigene Frau ihn mit seinem Kind verlassen hat, weil er unzuverlässig war, krempelt sein Leben um. Zusammen bilden sie eine neue Familie.
Sehr sanfter Film. Ich weiss nicht was es ist, aber immer wenn sich Familien im Film wieder vertragen und alles, obwohl es so schlimm scheint, wieder gut wird, muss ich heulen. Blöde Harmoniesucht!

BEFORE SUNSET
USA – Regie: Richard Linklater
:::: gesehen am 11.2.04 im Wettbewerb der Berlinale
Mein erster Wettbewerbsfilm in diesem Jahr. Bisher hab ich ja nur Sachen vom Panorama und vom Forum gesehen. Aber der Film musste sein: Die Fortsetzung von Linklaters Independent-Erfolg „Before Sunrise“ – einer Liebesgeschichte zwischen zwei Reisenden, die sich zufällig in Wien begegneten. Neun Jahre später treffen Jesse (Ethan Hawke) und Céline (Julie Delpy) in Paris erneut aufeinander. „Before Sunrise“ habe ich damals auf meine ersten Berlinale gesehen und fand ihn wunderbar. Danach hab ich ihn nochmal im Kino gesehen und fand ihn nicht mehr so klasse. Trotzdem jetzt die Fortsetzung, mit dem Wunsch, vielleicht selber zurück zu blicken, sich zu erinnern. In diesem Film ist jetzt Erzählzeit gleich erzählte Zeit – also 80 Minuten Gespräch zwischen den beiden, während sie durch Paris spazieren. Der Amerikaner Jesse hat ein Buch über das Liebeserlebnis in Wien geschrieben und ist auf Lesereise in Europa. Céline wohnt in Paris und ist wegen des Buches in die Buchhandlung, in der Jesse Journalisten Rede und Antwort steht (merkwürdiges Dejá Vu: Hab gestern Nacht die Pressekonferenz zum Film im Fernsehen gesehen: Die Journalisten haben den Schauspielern fast die selben Fragen gestellt…) Jesse hat nicht viel Zeit, sonst verpasst er sein Flugzeug. 80 Minuten also, in denen beide zurückblicken, wie sich die Zeit und sie selber verändert haben, wie das Erlebnis von vor 9 Jahren sie geprägt hat. Das Ende des Films ist offen. Der Film endet in ihrer Wohnung, wie es weiter gehen wird – ob er sein Flugzeug nimmt, oder bei ihr bleibt – wird wohl erst im dritten Teil geklärt. Ich hatte ein bißchen Angst, die Fortsetzung würde zu sehr auf dem ersten Film aufbauen. Tat er aber nicht. Stattdessen ist vieles von der naiven Romantik verloren gegangen, die Figuren sind erwachsener geworden, stehen im eigenen Leben aber hängen auch den Erinnerungen nach, die sich so wie vor 9 Jahren nicht wiederholen lassen.

Und sonst: Da unten im Tal ist so ein Laden mit gebrauchten Fahrrädern. Im Schaufenster stand ein Hollandrad, dass mich schon seit Tagen anlächelte, immer wenn ich auf dem Weg zur U-Bahn dran vorbeikam. Neulich war da ein Interessent, der mit dem Fahrrad probegefahren ist. Das tat mir ein bißchen weh. Heute steht es wieder im Schaufenster. Vielleicht sollte ich’s jetzt einfach kaufen. Mein Fahhrad ist ja, seitdem ich damit im November Nachst gegen eine Baum gefahren bin, nicht mehr funktionstüchtig.

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