Berlinale IX

HAVA ANEY DEY
Indien/Frankreich – Regie: Partho Sen Gupta
:::: gesehen am 14.2.04 im Forum der Berlinale
Porträt einer indischen Jugend, die sich in der schnell wandelnden kapitalistischen Gesellschaft von Wohlstand träumt und zugleich der realen, alltäglichen Bedrohung durch den Konflikt der Atommächte Indien und Pakistan ausgesetzt ist. Stilistisch eher westlich geprägt problematisiert der Film eingepackt in eine Liebes- und Freundschaftsgeschichte sehr anschaulich den Zwiespalt Jugendlicher, einerseits die Alltags- und Konsumkultur des Westen reizvoll zu finden, andererseits aber der Heimatkultur den Rücken zu kehren auch keine Lösung darstellt. Die Frage nach der glücklichen Zukunft in der Immigration oder in der Heimat. Krasses, pessimistisches Ende: es kommt zum Atomkrieg zwischen Indien und Pakistan. Hat mir persönlich – wo ich so gar keine Ahnung von Indien habe (außer aus dem Kino) – eine weitere Perspektive des Landes gegeben.

THE GRAFFITI ARTIST
USA – Regie: Jimmy Bolton
:::: gesehen am 14.2.04 im Panorama der Berlinale
Die Geschichte zweier junger Graffitikünstler und ihrer Probleme. Gedreht im Bundesstaat Oregon, dem ersten Staat in den USA, in dem Graffitisprayer grundsätzlich mit Gefängnis bestraft werden. Freundschaft zwischen zwei Jungen, die kurz ins Homoerotische abrutscht und immer die Angst von der Polizei geschnappt zu werden. Stilistisch: in DV-Handkamera Low Key und kühl. Die Figuren bleiben im Sprayer-Ghetto der nächtlichen Industriegebiete. Das Ziel, Graffiti als eine Kunst darzustellen und die Jungs mit dem Film zu entkriminalisieren, hat der Filmemacher meiner Meinung verfeht.

Die Gewinner der Berlinale 2004 stehen fest. Von der langen Liste hab ich nur zwei gesehen, und auch nur welche, die Nebenpreise gewonnen haben. Ich frag mich, wo ich die letzten Tage eigentlich war? Andererseits bedeutet das, dass ich im kommenden Jahr noch einige schöne Filme sehen kann.

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