E.K.G. Expositus (die öffentlichen und die künstlerischen Medien)

Deutschland 2003 – von: Michael Brynntrup – 101 min.
:::: gesehen am 8.3.04 / Pressevorführung im Xenon

Filmisches Selbstporträt des Berliner Experimentalfimers und Multimedia-Künstler, was ich eigentlich schon auf der Berlinale sehen wollte, aber irgendwie verpasst hatte.

Katalog Berlinale:
„Das Immanuel-Kant-Krankenhaus in Berlin-Neukölln um Mitternacht. Ein Patient wird gerade eingeliefert. TV-Journalisten sind vor Ort. – Der Anfang einer Geschichte, die sich selbst erzählt. Zu Beginn des Films wird eine dramatische Geschichte suggeriert, die sich im Verlauf des Films zu einer Reflexion über das Geschichtenerzählen entwickelt. Das Filme- und Bildermachen selbst rückt in den Blick. Der Umgang mit Bildern wird auf mehreren medialen Narrations-Ebenen thematisiert, visualisiert und dokumentiert: von der Entstehung (Dreharbeiten) bis hin zur TV-Berichterstattung zu just eben diesem Film, den der Zuschauer jetzt und im ?Original‘ live im Kino sieht. EKG untersucht die Nachhaltigkeit (bzw. Vorläufigkeit) von Erwartungshaltungen in Film und Fernsehen. EKG ist ein dramatischer Film und ein experimentelles Spiel.“

Michael Brynntrup über den Film:
Das Projekt E.K.G. Expositus hatte ich schon seit einigen Jahren vor, seit ich die einzelnen Filme gemacht hatte, die darin als Kurzfilme in voller Länge auftauchen. Sie standen für mich in einem sehr engen Zusammenhang: es ging mir um Untersuchungen des Bildes, um Fragen an das Bild. Unter ganz unterschiedlichen Aspekten nehmen alle drei Kurzfilme darauf Bezug. Das eine ist der Dokumentarfilm Aide Mémoire, eine klassische Interviewsituation. Dann Herzsofort. Setzung II, eine quasi materialbezogene Untersuchung des Bildes und seiner Reproduktionsmöglichkeiten. Und Loverfilm, der fragt, wie das Bild weiterlebt, was von so einem Bild übrig bleibt, wann und unter welchen Umständen es zum Dokument wird, zur Geschichte. Und dann gibt es nicht nur Fragen an das Bild, sondern auch Fragen an den Zuschauer. Das wird besonders im Loverfilm deutlich, in dem er direkt angesprochen und sozusagen zum Kollaborateur seines eigenen Voyeurismus gemacht wird. Jeder von ihnen hat öffentliche Resonanz erzeugt. Ich war überrascht darüber, dass Radio- und Fernsehsender sich gemeldet haben, um über Kurzfilme zu berichten. Und dann hatte ich die Fernsehteams bei mir hier zu Besuch und dachte, das passt eigentlich genau zum Thema der Untersuchung des Bildes: Wenn ich die Medien, die mich besuchen, im Gegenschuss wieder selbst filme oder inszeniere.

Mischung aus Selbstbeschau, filmischem Tagebuch und bildtheoretischer Reflexion. Der Narzißmus geht nicht auf die Nerven, sondern ist ironisierend gebrochen. Im „Loverfilm“ – eine Chronologie der Männer in Brynntrups Leben – glaube ich, A. kurz gesehen zu haben. Muss ich ihn mal drauf ansprechen.

Kinostart: 15.4.04

|Homepage von Michael Brynntrup

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