Filme der letzten 4 Tage

Ein langes Wochenende auf den Grenzland Filmtagen ist hinter mir. Ich bin müde und zufrieden mit unserer Arbeit. In den letzen Tagen natürlich auch so manchen Film gesehen:

DIE MITTE
Eine Doku-Comedy: Die Suche nach der Mitte Europas von Stanislaw Mucha war unser Eröffnugnsfilm. Das Publikum mochte den Film, ich hatte kleine Probleme mit der dramaturgischen Stringenz. Kinostart ist verschoben auf 27.5.04

HODDER RETTET DIE WELT
Den zweiten Festivaltag begonnen mit einem dänischen Kinderfilm von Henrik Ruben Grenz. Nette Geschichte um einen Jungen, dem im Traum eine Fee den Auftrag erteilt, die Welt zu retten. Am Ende fast geweint, weil alles wird dann auch gut.

NACHBARINNEN
Erster Film im Sonderprogramm. Eine Polin denkt, im Streit den Wirt der Kneipe, in der sie arbeitet, erschossen zu haben. Sie versteckt sich bei einer Nachbarin. Eine leichte lesbische Beziehung entwickelt sich zwischen den beiden, während die anderen Bewohner des Plattenbaus langsam Verdacht schöpfen. Als sich herausstellt, dass der Wirt gar nicht tot ist, sondern sich selber angeschossen hat, versucht die Nachbarin mit falschen Tatsachen die Polin weiterhin bei sich zu halten.

BUTTERFLY MAN
Am ersten Tag hatte ich mich abends in der Kneipe mit dem Produzenten unterhalten, wer weiss, ob ich dann den Film mir überhaupt angesehen hätte. Bißchen naiv/kitschige Geschichte um einen jungen Briten, der sich in Thailand in ein Mädchen verliebt und sich in die Fänge des thailändischen Sextourismus verstrickt, um am Ende, nach dem Tod des Mädchens zu ihrer Familie aufs Dorf zieht, um dort als Fischer für die Familie zu sorgen.

DER VORFÜHREFFEKT
Am Beginn des dritten Festivaltag die Huldigung der Arbeit unserer Filmvorführer mit dieser Doku von Carsten Knoop. Bei diesem 2. Sehen mehr auf die Reaktionen der Zuschauer geachtet. Dieses Musikstück „The Projetionist“ von ich weiss die Band nicht mehr, hätte ich gern.

WIR MÜSSEN ZUSAMMEN HALTEN
Tschechische Komödie von Jan Hrebejk (von 2000) in einer tschechischen Kleinstadt währen des 2. Weltkriegs. Ein kinderloses Ehepaar versteckt einen KZ-Flüchtling in einer Geheimkammervor den Deutschen. Der „gute Freund“ des Paars ist ein Sudetendeutscher, der mit den Nazis kooperiert und in die Frau verliebt ist. Der Film erzählt davon, was unnormale Situationen aus normalen Leuten machen können, voller unerwarteter Wendungen, die im Verlauf immer immer irrwitziger werden.

7 BRÜDER
Den Film hab ich ja vor einiger Zeit schon gesehen. Jetzt beim 2. Mal wieder ganz neue Facetten entdeckt.

UNTER SICH
Eigentlich eine Vertreibungsgeschichte – doch nicht ganz so, wie man es erwarten würde: Zwei verfeindete Familien werden nach dem 2. Weltkrieg aus ihrem Heimatdorf vertrieben. Es geht in den Westen und zunächst bleibt im neuen Dorf alles beim Alten – man streitet wie früher am Gartenzaun und kann doch ohne einander nicht sein. Das Eingewöhnen in die neuen Lebensumstände im Nachkriegspolen lässt die beiden Familien trotz des langjährigen Streits näher aneinander rücken. Der Film von 1967 des Regisseurs Sylwester Checinski erfreut sich bis heute in Polen enormer Popularität und war auch bei uns ausverkauft; er gilt als die unterhaltsamste polnische Komödie überhaupt und ich hab mich zwischendrin fast weggeschmissen. Schlitzohr-Komik mit ein bißchen Jaque Tati-Beobachtungen der Skurilitäten des Alltags.

Dann am vierten Festivaltag nach sehr, sehr wenig Schlaf erstmal das Experimentalfilmprogramm zum Aufwachen:

CHARLEMAGNE 2:PLITZER (Frankreich 2002 – von: Pip Chodorov – 22min)
6945 musikalische Noten, die im Konzert gespielt wurden, korrespondieren mit 6923 Einzelbildern, die während einer Performance von Charlemagne Palestine auf Super 8 aufgenommen wurden. Interessante, schnelle wechselnde Verschiebung der Blickperspektive von realabbildenden Bildmaterial, dass durch Verfremdungseffekte zum abstrakten Formenspiel wird.

WHAT´S UP (Deutschland 1995 – von: Jacob Kirchheim – 2´42)
Abstrakte Linolsequenzen, Quadrate, Kreise, Rhythmen. Im Ton: Beat, syntehtisches Knistern, Soundfragmente.

SONNE, MOND UND ANTWERPEN (D/B 1995 – von: Ute Aurand – 3min)
Die Sonne geht unter, der Mond geht auf, dazwischen das Wasser bemalt, orange und blau.

FISCHFREILASSUNG (Deutschland 1995 – von: Dagie Brundert – 3min)
Ein in uralter Substanz selbstentwickelter Super-8-Farbfilm. Der alte, an das Aquarium gewöhnte Goldfisch wird für einen beschaulichen Lebensabend in einen See freigelassen; das FBI trinkt danach Sekt.

BRUDER & SCHWESTER IM SCHNEE (Deutschland 1994 – von Dagie Brundert – 3min)
Bruder und Schwester spielen im See, dazu die Musik, schön.

SYLVESTER 94/95 KRUZBERG ECKE FÜRBRINGER STRASSE (Deutschland 1995 – von Dagie Brundert – 3min)
Sylvestercountdown vom Balkon im Zeitraffer von 60 bis 0.

DAMAGE TRILOGIE (Schweiz 2001/02 – von: David Pfluger – 6min)
Klassiker der Filmschäden: Kratzer (emulsionsseitig und trägerseitig) und Sprungschrammen.

GANG OF FOUR (Frankreich 1982 – von: Carlo Werner – 6min)
Clip aus assoziativen Bildern zu einem Lied der Band „Gang of Four“

SUPER 8 GEGEN 16 (Frankreich 1990 – von: Odile Mainemare – 2min)
Gedreht auf Super 8, tranformiert auf 16mm – mehrere Super-8-Streifen werden auf einem 16-mm-Träger collagiert, gewohnte Bilder werden verfremdet.

UNFILMTROISFILMSEN (Frankreich 1992 – von: Odile Mainemare – 5min)
Drei kinematographische Blicke auf eine Jalousie

ALICIA IN WONDERLAND (Niederlande 2002 – von: Francien van Everdingen – 3min)
Bunte Rekonstruktion eines Innenraums. Muster beißen sich, Tapeten bewegen sich, Möbel schweben.

Gemerkt, dass ich wohl eher auf längere Experimentalfilme stehe, wo genug Zeit ist, sich drauf ein zu lassen, gedanklich herum zu streifen.

EIN SOMMER MIT DEN BURGGESPENSTERN
Schon fast traditionell schaue ich mir auf dem Festival am Sonntag den Kinderfilm an. Die sind leicht zu folgen, nicht so problematisch und genau das richtige nach Schlafmangel. Der hier war nicht so das Richtige für mich: Auf einer mittelalterlichen Burg wird ein Film gedreht. Die Tochter des Regisseurs erlebt zusammen mit einem am Ort lebenden Jungen so kleine Abenteur und locker aneinander gereihte Geschichten mit Gespernstern. Es fehlte mir ein bißchen der dramaturgische Zusammenhang. Waren eher aneinander gereihte Kurzgeschichten.

DIE RACHE
Diese Verfilmung von Andrzej Wajda (Polen 2002) einer satirischen Theaterkomödie aus dem 19. Jhd. handelt von zwei adeligen Herren, die jeder die Hälfte eines Schlosses bewohnen und deren Interessen kollidieren. Während Milczek seine Sohn mit der Witwe Podstolina verheiraten will, hat sichsein Rivale Raptusiewicz dieselbe Dame für sich ausgeschaut. Der Sohn liebt die Nichte des Nachbarn. Als schillernde Verbindungsfigur fungiert Roman Polanski als Papkin. Eine historische Kostümkomödie, bei der ich kein einziges mal lachen konnte.

Und weil ich das immer so schnell vergesse: Den Kamerapreis hat der norwegische Film „Jonny Vang“ gewonnen. Publikumspreis Spielfilm ging an „Devot“, Publikumspreis Dok-Film ging an „25 Ehepaare und ein Dreier“, Publikumspreis Kurzspielfilm ging an „I´ll wait for the next one“.

Nach nur vier Tagen in einer dieser kleinen Städte, in der Polizeikontrollen durchgeführt werden, weil drei Polen, die wir als Gäste zu einem Film eingeladen hatten, aus Langeweile in ihrem Auto mehrmals durch die Stadt fuhren, und das einem aufmerksamen Bürger aufgefallen ist, kommt mir die große Stadt wieder sehr groß und aufregend vor. Wegen der Bodenhaftung am Abend dann im „Logo“ gewesen mit der Liebsten, die eventuell hier künftig lieber „Neubauschnitte“ genannt werden möchte.

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