The Five Obstructions

Originaltitel: De Fem Benspænd – Ein Film von Jørgen Leth und Lars von Trier – Dänemark 2001-2003, 90 Min.
:::: gesehen am 8.6.04, Pressevorführung Hackesche Höfe

Lars von Trier fordert seinen Leher und Mentor Jørgen Leth heraus zu einem filmischen Duell. 1967 drehte Jørgen Leth den 12-minütigen Kurzfilm „The Perfect Human“ (1967), ein Dokument über menschliches Verhalten – ein Film, den von Trier bewundert und den er mehr als 20 Mal gesehen hat, wie er sagt. Im Jahr 2000 forderte Lars von Trier Jørgen Leth auf, diesen Film in fünf Versionen neu zu drehen – aber jedes Mal würde von Trier Einschränkungen und Beschränkungen und Vorgaben festlegen, um Leth zu zwingen, die Geschichte und die Charaktere des ursprünglichen Films zu überdenken. Dabei ist Lars von Triers Ziel scheinbar die Dekonstruktion der eigenen Verehrung für den älteren Filmemacher und seines Films. Jørgen Leth schafft es jedoch trotz der gemeinen Begrenzungen immer wieder überzeugende Remakes seines Films zu schaffen. Gemeinsam schauen sich die Regiseure die jeweiligen Ergebnisse an und einigen sich danach, welche nächste Hürde Leth zu überwinden hat. Sie stellen die konventionelle Dokumentation und Produktion vor neue Herausforderungen. Beide Regisseure sind besessen davon, zum Kern des Filmemachens, zu den grundlegenden Elementen von Einfachheit von Bild und Ton vorzudringen. Indem er vorgibt, der naive Anthropologe zu sein, akzeptiert Leth die gerissenen Herausforderungen, die ihm der hinterhältige und raffinierte von Trier vorgibt. Es ist ein Spiel voller Fallen und gemeiner Wendungen. Ein Film über einen Filmemacher, der nicht nur einen seiner ersten Filme wieder aufnimmt sondern ihn auch erneut dreht.

Wenn es ums Filmemachen geht, geht es auch um den Filmemacher. Hier wird die Handung des Remaking auch zu einer psychoanalytischen Therapie. Es geht zum einen um Vatermord: Lars von Trier fordert seinen Lehrer, den er verehrt und für ihn persönlich wichtigen Film gemacht hat, aufs hinterhältigste hinaus. Er versucht seinen Vater zu töten, denjenigen Regisseur, der in seinen Augen den perfekten Film geschaffen hat, denjenigen, der mit der Mutter schläft, die von Trier selber begehrt. Leider nur sind die Neuverfilmungen trotz der Beschränkungen gute Filme, der Vater siegt und der Sohn muss den Schwanz einziehen. Und es geht um die Selbstbeschau: Leth unterwirft sich wie in einer Psychoanalyse dem Analytiker von Trier um mehr über sich zu erfahren, sein Ego und seine Art, Filme zu machen zu ergründen.

Ein ‚obstruktives Spiel‘ ist ein Begriff aus der Fußball-Terminologie. Jørgen Leth hat einmal einen Film über den großen dänischen Fußballer Michael Laudrup gemacht. Er war ein Virtuose unvorhergesehener Bewegungen. Er provozierte den Gegner, er spielte hart, aber vermied es stets elegant, selber zu fallen oder verletzt zu werden. Michael Laudrup ist Leths Rollenmodell. Umgekehrt provoziert Jørgen Leth Lars von Trier, all seine schmutzigen Tricks anzuwenden, um ihm das Leben schwer zu machen.

Es ist ein merkwürdiges Spiel, was die beiden in diesem Film treiben. Versessen, nur das Filmemachen im Sinn, sehen wir die zwei Regisseure in einem dokumentarischen Making Of der fünf Remakes gemischt mit Teilen des Originalfilms. Das ist zuweilen unterhaltsam, zuweilen aber vielleicht auch nur was für eingefleischte Cineasten. Ich fand den Film sehr faszinierend, weiss aber nicht, ob ich ihm jedermann ohne Einschränkungen empfehlen kann.

Deutscher Start: 8. Juli 2004

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: