„Underground“ von Kazuko Watanabe

Bis gestern war das Multimedia-Theaterstück „Underground“ nach dem Buch von Haruki Murakami im noch nicht eröffneten U-Bahnhof am Reichstag zu sehen. Es war sehr ärgerlich! Ich bin an sich sehr geduldig und habe gutes Sitzfleisch, wenn es darauf ankommt, szenischen Vorgängen zuzusehen und abzuwarten, was sich im künstlerischen Eindruck entwickelt. Oft bin ich auch schon zufrieden, wenn bloß ein interessanter Gedanke sich aus dem Gesehenen und eigenen Assoziationen ergibt, oder bloß ein einziger schöner Augenblick geschaffen wurde. Aber so wie gestern habe ich mich lange nicht mehr in einer theaterartigen Veranstaltung gelangweilt.

Das Buch und das daraus entstandene Stück beschäftigt sich mit dem Giftgasanschlag in der U-Bahn von Tokio. Ein gutes Thema, und ein U-Bahnhof scheint der geeignete Ort dafür. Wenn man ihn mit etwas hätte füllen können. Hauptsächlich wurde inhaltlich versucht anhand von dokumentarischen und fiktionalisierten Einzelschicksalen den Anschlag nachzuvollziehen. Das Ensemble – für den Raum zu wenige etwa 30 Leute, hauptsächlich Schauspielschüler der Udk und das Jugendtheater der Volksbühne, dazu ein paar Profis – hatten die schwierige Aufgabe die gesamte Fläche des U-Bahnsteigs zu bespielen. Das Publikum saß erhöht drumherum. Bei der Größe des Raums muss man schon „laut“ und gut schauspielen, damit eine Bühnenpräsenz die Distanz zum Publikum überbrückt. Es müssten pointierte Orte geschaffen werden, Stationen in denen Schauspiel Raum erobert. Stattdessen war fast durchgängig der gesamte Raum beleuchtet (die Lichtinszenierung auch nicht sonderlich originell oder atmosphärisch) und meistens liefen die Laiendarsteller auf dem Bahnsteig hin und her, dazwischen Interviewtexte von Einzelnen, die per Video noch auf die Wände gebeamt wurden. Über die Videobeams liefen dazu noch Originalmaterial vom Anschlag und vorproduzierte Interviewschnipsel mit Schauspielern. Alles viel zu ziellos und wenig pointiertes Illustrationstheater, ein zäher Brei ohne dass sich auf der Bühne und im Kopf spannende Assoziationen ergeben hätten.

Wenn man dann noch merkt, dass die im Programm angegebenen großen Namen entweder gar nicht mitspielen, oder nur in den vorproduzierten Videoszenen vorkommen, fühlt man sich wirklich verarscht. So fette kulturelle Förderung für ein gähnendlangweiliges, unsinspiriertes Projekt.

Ansonsten aber ein feines Wochenende mit leckerm Essen, nettem Besuch, der Geburtstagsparty von E. im „Lee Harvey Oswald“, Seifenkistenrennen und mehreren Gesprächen, darüber warum ich ein Weblog führe und ob das nicht ein bißchen krank sei.

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