Film: The Twelve Chairs

:::: gesehen am 26.62004 auf Video

(Die Zwölf Stühle) – USA 1970 – Regie: Mel Brooks – mit: Ron Moody, Frank Langella, Dom DeLuise, Andreas Voutsinas, Diana Coupland, Mel Brooks, u.a. – 93min.

Eine schon mehrfach verfilmte Geschichte der erfolgreichen Satire „Dvenadtsat Stulyev“ von Yevgeni Petrov und Ilya Ilf. 1927 nach der Revolution beichtet ein altes russisches Mütterchen auf dem Sterbebett ihr Geheimnis. Den Familienschmuck hat sie im Zuge der bolschewistischen Revolution im Polster eines von 12 Stühlen versteckt. Die Aussicht auf das viele Geld verdirbt den Charakter. Der Dorfpfarrer und ihr Schwiegersohn geben sich eine turbulente Jagd nach dem längst für die Kolchose umgemünzten Juwelenschatz.

Zufällig bin ich auf das Video in der Bibliothek gestoßen. Auf der letzten Berlinale hatte „Zwölf Stühle“ von Ulrike Ottinger Premiere, der mir gut gefallen hatte. Dass Mel Brooks ebenfalls diesen Stoff verarbeitet hat, wusste ich nicht und dachte eine kleine skurrile Perle gefunden zu haben. Es ist sein zweiter Film – entstanden zwischen „Blazing Saddles“, der für viele sein witzigsten Film ist, und „The Producer“, der für viele Kritikern als Brooks bester Film gilt. „The Twelve Chairs“ ist aber kein typischer Mel Brooks Film – keine Parodie auf Filmgenres oder andere Kunstformen. Mel Brooks Version des Stoffs kombiniert zitierte Hollywoodklischees vom Mütterchen Rußland mit jüdischem Wortwitz und anarchistischen Slapstickeinlagen. Dabei ist ein gutes Stück des Humors schon in der Vorlage als Parabel über Geiz angelegt, was dem Film eine gewisse „Menschlichkeit“ gibt, die in anderen Brooks Filmen nicht so zu finden ist. Später hat sich gezeigt das Brooks nicht gerade ein Meister des subtielen Humors ist, hier versucht er eine andere Gangart. Versuch macht klug, wirklich gelungen scheint es nicht. Über manche Teile zieht sich der Film und versucht Tempo alleine mit Körperkomik zu schaffen. Andere Teile der Handlung sind nur kurz angeschnitten und reihen sich aneinander zu einem Hetzlauf die Vorlage, ohne scheinbar Sinn zu machen.

Das Problem, was ich mit dem Film hatte, begründet sich auf jeden Fall im dirketen Vergleich mit dem noch frischen Eindruck von Ulrike Ottingers Version. Von der Filmlänge mehr als doppelt so lang kann sich bei Ottinger sehr viel mehr Komik in den einzelnen Stationen der Jagd nach den Stühlen durch das Land entfalten. Auch Ottingers Mischung aus Fiktionalität (Schauspieler in historischen Kostümen) und Reisedokumentarismus (heutige Orte) gab der Handlung eine äußerst spannende Subkomik. Das fehlt natürlich bei Brooks. Aber ganz so wild „silly“ wie in „Spaceballs“ oder „Young Frankenstein“ geht es hier auch nicht zu. Es scheint einfach ein nicht uninteressanter Teil aus dem Frühwerk von Brooks zu sein, wo er sich noch ausprobieren musste und konnte.

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