Film: Der Schweigende Stern

:::: gesehen am 27.6.2004 auf Video

(a.k.a. Der Planet des Todes; Milczaca gwiazda; Raumschiff Venus antwortet nicht) Sciencefiction, DDR/Polen 1960 – Regie: Kurt Maetzig – Drehbuch: Jan Fethke u.a. (nach dem Roman „Die Astronauten“ von Stanislaw Lem) – mit: Yoko Tani, Oldrich Lukes, Ignacy Machowski, Julius Ongewe, Michail N. Postnikow, Kurt Rackelmann, Günther Simon, Tang Hua-Ta, Lucyna Winnicka – ca. 95min.

Ein Raumschiff mit internationaler Besatzung, bestehend aus sieben Männern und der japanischen Ärztin Sumiko, unternimmt 1970 eine Expedition zur Venus. Man hatte erst jetzt herausgefunden, daß eine 1908 in der Wüste Gobi niedergegangene kosmische Spule von diesem Planeten stammt. Auf Funksprüche aber antwortete die Venus bisher nicht. Auf dem Weg gelingt es, den Inhalt der Spule zu entschlüsseln. Er besagt, daß die Venusbewohner 1908 einen Angriff auf die Erde planten. Obwohl es nicht dazu kam, erwartet die Mannschaft bei ihrer Landung nichts Gutes. Sie entdecken keine Lebewesen, nur technische Anlagen, die im Selbstlauf funktionieren. Eine gigantische Vernichtungsmaschinerie, die außer Kontrolle geraten sein muß, sich offensichtlich gegen ihre Erbauer gerichtet hat und noch immer riesige atomare Strahlung freisetzt. Das Raumschiff gerät in Gefahr, drei Besatzungsmitglieder opfern sich, damit die anderen zur Erde zurück können – mit der Botschaft, daß von der Venus keine Aggression mehr droht. (Filmbeschreibung aus dem Archiv der DEFA-Stiftung)

„Der Schweigende Stern“ ist der erste Sci-Fi Film aus der DDR und ein für seine Zeit herausragender Prestigefilm der DEFA in Koproduktion mit Polen. Regie führte Kurt Maetzig, Mitbegründer der DEFA Wochenschau „Der Augenzeuge“ und später Spielfilmregisseur. Am Anfang das Vorspiel auf der Erde und der Flug zur Venus ziehen sich ein wenig in die Länge und etwas lange, pseudowissenschaftliche Dialoge geben dem Film den „science“-touch, doch mit der Landung auf der Venus wird es noch richtig spannend. Vor allem die Ausstattung ist nett gemacht, phantasievoll selbstgebastelt, hubsch nostalgisch und fügt sich zusammen mit den Tricksequenzen in eine gutgemachte Gesamtillusion. Maetzigs Film beeindruckte das damalige Publikum mit vielfältigen technischen Finessen, verblüffenden Farbeffekten und außergewöhnlich „unirdischen“ Konstruktionen. Er wurde sogar mit einer um ca. 12 Minuten gekürzten und leicht bearbeiteten Version mit dem Titel „First Spaceship on Venus“ auch in den USA vermarktet.

Eine gewisser ideologische Pathos ist zwar vorhanden, ähnlich wie ich ihn schon aus frühen Dokumentarfilmen von Maetzig kannte. Diese Färbung wird aber nicht zu plumper Propaganda, sondern bleibt eine Kalte-Krieg-Kritk am atomaren Wettrüsten mit einem utopischen Weltbild in dem Menschen aller Nationen Hand in Hand zu Forschungszwecken in den Weltraum fliegen. Die international gemischte, gleichberechtigtre Crew des Raumschiffs ist eine Seltenheit für Sci-Fi-Filme aus der Zeit (wobei die Rollen der Frauen hier so richtig gleichberechtigt noch nicht ist, aber immerhin darf eine junge, japanische Ärztin mit Hiroshima-Trauma mitfliegen). Auch der Roboter ist realistischer als seine westlichen Kollegen: ein kleines, ferngesteurtes Kettenfahrzeug mit Antenne, sprachgesteuert, das während des Fluges noch eine Art Gefühlschip eingesetzt bekommt und Schach spielen kann.

kleine persönliche Notiz am Rande: Beinahe hätte ich ja mal den Herrn Maetzig bei sich zu Hause in Mecklenburg besucht im Rahmen von Referatsvorbereitungern über den „Augenzeugen“. Fleissige Publizistikkommolitoninnen aus der Referatsgruppe – immer der heissen Story auf der Spur – hatten sich mit Kuchen zu einem Interview bei ihm eingeladen. Nachdem ich aber die verhältnismässig platte Seminareinführung des Dozenten zu Filmtheorien hinter mir hatte, war klar, mit dem wenigsten Aufwand kommst du hier auch mit einer eins raus, und ich bin dann nicht mitgefahren. Ich bereue diese Entscheidung jetzt nicht zum ersten Mal.

|DVD Kritik mit einigen schönen Screenshots (wie der hier drunter) aus dem Film
|Seite mit einigen gescannten Originalwerbefotos zum Film
|DEFA Stiftung
|Progress Film ist der Verleiher
|imdb zum Film

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