Globalisierung, Terrorismus und Gmail

Es war ein merkwürdiges Telefonat aus einer Telefonzelle heraus mit dem Redakteur, als ich einmal bei einer Berliner Tageszeitung vorstellig wurde, weil mir ein Bekannter den Tipp gegeben hatte, dass die während der Berlinale immer mal zusätzliche Leute suchen, die über Filme schreiben können. Für wen ich schon geschrieben hätte, wollte er wissen. Erste Erfahrungen hatte ich gemacht und schrieb regelmässig fürs Berliner Kinomagazin „Der Yorcker“, dass von der Yorck-Kino-GmbH herausgegeben wird. Eine herausfordende Blutgrätsche zwischen Filmkritik und PR für die Filme, die in den Kinos der Yorck-Kette laufen. Ich fand es äußerst verwunderlich, dass ein Redakteur einer Berliner Tageszeitung die Yorck-Kette nicht kannte und dachte „Der Yorcker“ sei eine interne Betriebszeitschrift, für die man so als Filmvorführtechniker auch mal was schreiben könnte. Das ist schon etwas her.

Nun, daran musste ich irgendwie denken, als ich was las, von einem Blogger, der sich über einen Old-Media-Chefredakteur aufregte, der scheinbar nur vage recherchiert hat und sich wunderte, dass es in der Deutschen Blogszene keine Weblogs gibt, die sich mit Globalisierung, Sozialabbau und Terrorismus auseinandersetzen. Redakteure sind nicht der allwissende Gott, sondern eigentlich so nett wie du und ich und lesen meist auch nur diagonal.

Aber dann mach ich mal den Anfang!
Terror, Globalisierung und Sozialabbau! Auch bei mir! Ich bin nicht mehr sicher!!! Denn seit heute habe ich ein Gmail-Account (ja, besser spät als nie). Huh, vorbei die Zeiten, als nur der Postbote lesen konnte, was ich für Liebesbotschaften meiner Liebsten per Postkarte sendete, damals, als es im Prenzlauer Berg noch keine Telefonanschlüsse in der Wohnung gab und man sich – frisch aus dem Westen zugezogen – erstmal daran gewöhnen musste, seine Verabredungen schriftlich per Post zu planen. Manchmal traf man sich auch zufällig in der Kaufhalle, die damals noch kein Kaisers war. Wenn?s dann aus war mit der Liebsten konnte man Briefe und Postkarten verbrennen. Und wo sind meine allerersten E-mails? Vielleicht noch auf einer alten Floppy-Disk auf dem Dachboden in der Schachtel neben dem 286er der damit noch was anfangen kann? Ja, der alltägliche Terror des technischen Fortschritts. In 20 Jahren könnte ich von überall auf dem Globus die Mails ab heute lesen. Nie mehr werde ich Mails löschen. Damit ist jetzt Schluss. Zusammen mit meinen beiden gmx-accounts habe ich jetzt 3GB Mailspeicher, und ich weiss noch nicht so recht wofür eigentlich. Zuletzt habe ich auf dem Dachboden in die Kiste mit Briefen und Postkarten gesucht, weil ich dachte, da könnte noch irgendwo Schokolade sein.

Okay, ich bin überfordert. Globalisierung und Terrorismus wird sich wohl auch in Zukunft bei mir hier nur zwischen den Zeilen als ein ganz tiefsitzender Weltschmerz finden. Sozialabbau? Nalogo! Gibt doch auch das Vorurteil, Blogger können nur arbeitslos oder in akademischen Berufen tätig sein (weil das bloggen sooooo viel Zeit in Anspruch nimmt…)

(Noch so ein selbstreferenzielles Posting, das länger gebraucht hätte, bis es gut wäre, aber trotzdem schon mal unfertig ins Netz geschlumpft wird zur Privat-Stasifizierung)

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