Film: Comandante

:::: gesehen am 15.12.04 auf DVD

USA/Spanien 2003 – Regie: Oliver Stone – Kinostart: 13.1.05

Oliver Stone besucht Fidel Castro auf Kuba und in einem dreitägigen Interview-Marathon reden sie über Gott und die Welt. Auch wenn in dem Gespräch nicht viel Sensationelles zu erfahren ist, eines ist sicher: Oliver Stone hat in Castro einen Kumpel gefunden. Die Chemie zwischen altgedientem Politiker und altgedientem Regisseur scheint für beide aufzugehen, irgendwann landen sie sogar beim Alt-Herren Viagra-Witz und man fragt sich, warum die beiden nicht einfach beim Golfspielen gefilmt wurden. Diese Symphatie zwischen den beiden zu beobachten macht Spass, genau wie das Frage-und-Antwort-Spiel. Stilistisch ein schneller Sturm an Bildern. Das ist man von Stone gewöhnt, der gerne Archivmaterial zerlegt und Dokumentarisches fiktionalisiert statt zu analysieren. Die Verwendung historischen Bildmaterials dient ausschließlich der Illustration. Hinzu kommt dramatisierende Musikuntermalung und kaum ein Kuba-Klischee wird ausgelassen. „Comandante“ ist mehr Legendenbildung als politische Reflexion und will, wie Oliver Stone selbst versicherte, nicht mehr als ein intimes Porträt einer historischen Legende sein. Der US-Sender HBO, der Stone mit diesem Projekt beauftragte, lehnte es ab, den Film zu senden. Begründung: mangelnde Distanz. Spätestens wenn Stone anfängt zu referieren über die Repräsentationen der USA in aktuellen Hollywoodfilmen als starke Macht im Kampf gegen den Terror, beschleicht einen das Gefühl, dieses Porträt sei das Produkt eines Schuldgefühls nach dem 11. September, einer Schuld Amerikas am Elend der Welt, dem der Vietnam-Veteran Stone oftmals öffentlichen Ausdruck gab.

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