ich erzähl mal 2 von meinem Lesermüll

Das ist mir ja noch nie passiert! Und das gleich zwei mal in einer Woche: persönliches Feedback von Menschen, die das Internet benutzten, es aber nicht irgendwie anders verstehen. Als erstes gab es eine E-mail von einer Deutschstämmigen aus Brasilien, die dort im Bereich Landwirtschaft tätig ist (hab ich schnell ergooglt). Bei einer google-Recherche ihrerseits war sie wohl auf meine persönliche Bewerbungs/Portfolio-Site gestoßen, denn sie war auf der Suche nach Filmfestivals die ihrem Dokumentarfilm einen Preis verleihen würden (so konkret war die Suchanfrage schon). Sie stieß auf meiner Seite auf eine ungepflegte Linkliste mit Filmfestivals. Fand nicht das richtige, klickte auf „Kontakt“ und schrieb:


Sehr geehrte Damen und Herren,
ich moechte bitte nachfragen, ob bei den Filmfestivals auch Dokumentarfilme aus Brasilien akzeptiert werden. Im speziellen ein Kurzdokumentar ueber die Agrarsituation im Nordosten Brasiliens und ein ausgeuebtes Attentat (versuchter Mordanschlag auf 4 Kleinbauern).
Gibt es Moeglichkeiten fuer Preisverleihungen.
Koennten Sie mir bitte evtl. auch andere Adressen oder Stellen mitteilen?
Im voraus herzlichen Dank fuer Ihre Muehe.
Mit freundlichen Gruessen

Gut. Da hilft man doch gern. Ich antwortete kurz, dass ich schon wissen müsse, an welchen Filmfestivals sie interessiert ist, dann könne ich mit meiner Expertise sicher weiterhelfen. Ansonsten schlug ich ihr vor, doch einfach den Links zu den Festivals auf meiner Linkliste zu folgen, dort würde man meist auch über die inhaltliche Ausrichtung der Festivals informiert werden. Antwort:

Bitte entschuldigen Sie, ich dachte im site gelesen zu haben, dass es Filmfestivals gaebe.

Dem ist sicher so! Warm dran.

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Und eben rief mich ein Herr auf dem Mobilapparillo an, der mir neulich in der Zugriffstatistik schon auffiel, weil er nach Madonnas Mother – Fucker T-shirt suchte. Ich habe auf meiner Homepage irgendwo einen Text zu Madonna und Judith Butlers „Das Unbehagen der Geschlechter“ stehen. Typisches, locker aufgepopptes Gender-Thema für die damalige Prüfung bei meiner Soziologieprofessorin. Da schreib ich hochtheoretisch über die Rollenwechsel und -klischées, mit denen Madonna eben so spielt und erwähne auch das T-Shirt, was sie auf der Welttournee 2001 im letzten Teil ihrer Show trug, vorne bedruckt mit „Mother“, auf der Rückseite ist „Fucker“ zu lesen.

Jedenfalls um dieses T-shirt geht es ihm:

Er: „Ich kenne mich mit dem Internet nicht so aus und fällt mir auch alles ein bißchen schwer und da bin ich auf Ihre Seite gestoßen, wo sie von dem T-shirt schreiben und daneben stand „Kontakt“ und da habe ich mir gedacht, dass ich Sie da mal anrufe.“
Ich: „Weswegen jetzt genau?“
Er: „Na wegen dem T-shirt. Ob sie mir da einen hilfreichen Rat geben können?“
Ich: „???“
Er: „Na weil, ich dachte, wenn Sie das T-shirt kennen, wissen sie vielleicht auch, wo ich das herbekommen kann.“
Ich: „Bei dem Text über Madonna, wo ich das T-shirt erwähne handelt es sich um einen rein theoretischen Text. Ich verkaufe keine T-shirts und weis auch nicht, wo man das herbekommt“
Er: „Ach so, aber ich dachte…“
Ich: „Haben sie den schon mal nach T-shirt shops gesucht?“
Er: „Ach so und dann noch Madonna eingeben?“
Ich: „Erstmal einen Laden finden, der T-shirts verkauft, könnte helfen. Oder vielleicht auch e-bay?“
Er: „Ja, stimmt das könnte eine Idee sein.“
Ich (angestachelt): „Es gibt auch Madonna Fanclubs, die sicher auch T-shirts verkaufen.“
Er: „Ach ja klar, Fanclub.“
Ich: „Genau wie bei Fußballclubs, die verkaufen schließlich auch allerhand Zeug.“
Er: „Stimmt, die Fußballclubs kenne ich. Das ist ja eine gute Idee.“
Ich: „Na dann viel Glück!“

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Ich möchte mich nicht lustig machen über diese Leute, indem ich hier davon berichte. Ich bin nur immer mal wieder bass erstaunt, wenn man so hautnah erlebt, wie anders manche Mitmenschen denken und handeln. Manchmal bekomme ich dann auch Angst, wenn ich überlege, dass die ja auch alle irgendwo hin müssen und da unten in ihren Blechkisten sitzen und die Straßen unsicher machen. Oh je, ja jetzt auch bald wieder Wahlen. So viele, die alles, was da so gesagt wird 1:1 nehmen, jeglicher gedanklicher Transferleistungen unfähig.

Na egal, ich schau mal besser nach den Öffnungszeiten des nächstgelegenen Recyclinghofs. Hat ja jeder so seinen Lesermüll.

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