Film: Tödliche Fragen

:::: gesehen am 18.6.06 auf rbb

USA 1990 (Q & A – Question and answers), Regie: Sidney Lumet; Mit: Timothy Hutton, Armand Assante, Patrick O’Neal, Lee Richardson, Luis Guzmán, Nick Nolte

An Tagen wie diesen, an denen man ziemlich sicher am morgen schon weiss, was man am Abend sehen wird – nämlich Fußball – öffnet sich vielleicht das Hirn wieder für Narratives. Anders kann ich mir mein Interesse an diesem Film nicht erklären, der da noch kam nach dem Fußballspiel mit den französichen Altherrenfußballern, die nicht unbedingt älter sind, als manch ein Webmeister. Zinedine Zidane mag vielleicht so alt sein wie ich und etwas mehr Geld verdienen. Dafür mache ich aber wirklich eine jüngere Figur.

Egal, der Film war recht sehenswert. Nick Nolte als angealterter Polizist, der nicht zum ersten Mal im New Yorker Latinoviertel einen kleinen Drogendealer erschießt . Routiniert tarnt er den Mord als Notwehr und schüchtert die Zeugen ein. Solche Übergriffe zählen ebenso zu dem täglichen Geschäft des korrupten Cops wie Erpressungen und Falschaussagen. Der Polizist, von Nolte gespielt wie ein reudiger Straßenköter, ist eine gefürchtete Legende im Viertel, der Polizist irischer Herkunft macht keinen Hehl aus seinem Rassismus, er hält sich für den Hüter wahrer amerikanischer Tugenden und gilt unter den Kollegen als Vorbild. Dies macht ihn bis in die Polizeiführung hinein beliebt, die seine Eskapaden immer wieder deckt. Um wenigstens den Schein zu wahren, ordnet der Polizeichef eine interne Untersuchung an. Mit den Ermittlungen beauftragt er einen unerfahrenen, jungen Anwalt Al Reilly, einen ehemaligen Cop, dessen Vater bereits in New York auf Streife ging. Der Polizeichef ist auf dem Sprung in die Politik, und um jeglichen Ärger zu vermeiden, gibt er dem unbedarften, jungen Anwalt das Ergebnis der Untersuchung gleich mit auf den Weg: Notwehr. Der idealistische Anwalt nimmt den vermeintlichen Routinejob jedoch ernster als geplant, die Sache wächst ihm über den Kopf, Rat suchend wendet er sich an seinen väterlichen Freund, einen alternden Richter. Aber der unbestechlicher Kämpfer für Gerechtigkeit, rät ihm diesmal, die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen.

Fernsehzeitschrift schreibt: Lumet gelang ein packender Polizei-Thriller, der schonungslos verbrecherische Machenschaften innerhalb des Polizei-Apparates anprangert. Schon in seiner Jugend war Sidney Lumet nach eigener Aussage voller Misstrauen gegen die Polizei. Korruption und Machtmissbrauch waren das Thema mehrerer Filme von Lumet wie z.B. „Serpico“ oder „Prince of the City“. „Tödliche Fragen“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des Richters Edwin Torres. Er war der erste puertorikanische Bezirksstaatsanwalt in New York. Sidney Lumet über das Buch: „Eine Geschichte über Rassismus und wie dieser das Justizsystem durchzieht und beherrscht. Jeder – ob Ire, Italiener oder Puertorikaner – trifft seine Entscheidungen unter Berücksichtigung ethnischer Zugehörigkeit, bewusst oder unbewusst. Was ich in dem Film zeigen möchte, ist nicht, dass einer mehr oder weniger Rassismus in sich hat, sondern dass er kein freier Mensch ist.“ Sidney Lumet war selbst mit einer Mulattin verheiratet. Seine Tochter Jenny Lumet spielt hier eine Nebenrolle, Armand Assante erhielt für seine Leistung den Golden Globe.

Obwohl teilweise recht vorhersehbar inszeniert, doch sehr eigenwillige Sache. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass in Filmen mit dem Übergang von den 80ern zu den 90ern noch mehr ging. In den 80ern wurden mithilfe von Hollywoodfilmen regelrechte Kulturkämpfe politischer und gesellschaftlicher Art geführt. Feministische oder ethnische Gruppen, sowie Religion und Politik kämpften und protestierten verstärkt um eine korrekte Darstellung ihre Werte in us-amerkanischen Filmen. Man merkt dem Film eine gewisse PC-ness an, ständig werden da Rassismen untereinander verhandelt, aber ironisch, auf eine herrlich dreckige und gleichsam wieder unkorrekte Art.

Aber auch gut zu sehen, wie es da so aussah, als ich damals da war. Ein eigentlich modernes Großraumbüro zu sehen, indem nur mal irgendwo im Hintergrund ein einziger Computer im Bild zu sehen ist. Ja, so war das damals. Da stand der IBM noch hinten in der Ecke beim Xerox…

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