[Berlinale 2007] Film: Teeth

:: gesehen am 11.2.2007 im Cinemaxx7

USA, 2006, 88 min – Regie: Mitchell Lichtenstein – Darsteller: Jess Weixler, John Hensley, Josh Pais, Hale Appleman, Vivienne Benesch, Lenny von Dohlen, Ashley Springer

Man mische die verklemmte Spießigkeit amerikanischer Jugendlicher aus High School Komödien mit Sex- und Gore Elementen und lasse malerisch die schleichende Radioaktivität eines Atomkraftwerkes darauf einwirken und man hat einen allemal unterhaltsamen, wenn auch nicht überraschenden, amerikanischen Independentfilm.

Regisseur Mitchell Lichtenstein erzählt in seinem erst kürzlich auf dem Sundance Filmfestvial uraufgeführtem Film von einer Teenagerin, die alles tut, um ihre aufkeimende Sexualität zu unterdrücken bis sie eines Tages feststellen muss, dass ihre Vagina mit Zähnen ausgestattet ist und sie der lebende Beweis des Mythos von der Vagina dentata ist. Nach und nach findet die junge Frau gefallen an ihrer neuen Waffe und rächt sich an der Männlichkeit.

Mitchell Lichtenstein, der Sohn des berühmten Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein schreibt dazu: In den vielen Kulturen, in denen der Mythos von der Vagina dentata existiert, ist der Kern der Geschichte immer derselbe: Ein Held muss die Frau mit der Vagina dentata bezwingen. Ich wollte diese Geschichte umkehren und den unschuldigen Teenager Dawn zur Heldin machen. Darum ist mein Film so etwas wie eine weibliche Rachefantasie mit einem scheinbar ganz normalen jungen Mädchen, das entdeckt, dass es übermenschliche Kräfte besitzt.

Promt kommt im Publikumsgespräch dann auch die Frage aus einer Ecke des Saals, ob der Regisseur wirklich fände, dass Gewalt das richtige Mittel sei, sich gegen die männliche Unterdrückung von Frauen zu wehren. Zum Glück ruft das halbe Cinemaxx zurück, „It’s just a movie!“ Und zum Glück auch kein Seminar über Camila Paglia, der im Abspann des Films gedankt wird (was natürlich nur ich bemerkt habe…). Viel interessanter hätte ich ja die Frage gefunden, wie es sich eigentlich so lebt, als Sohn eines berühmten Pop-Art-Künstlers, aus dessen Schatten man im eigenen ästhetischen Schaffen nicht wirklich heraustritt. Aber ich hab mich mal wieder nicht getraut und meine gute Erziehung verbietet solche Fragen in der Öffentlichkeit. Einerseits habe ich mich gut amüsiert, andererseits frage ich mich, wie man ernsthaft im Jahr 2007 noch so einen postmodernen Schnickschnack im Kino betreiben kann. Dann doch vielleicht lieber das Zitat als reiner stilistischer Selbstzweck, ohne etwas Eigenständiges sein zu wollen.

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