[Berlinale 2007] Film: Elvis Pelvis

:: gesehen am 13.2.2007 im CineStar8

Großbritannien, Frankreich, 2007, 95 min – Regie: Kevin Aduaka – Darsteller: Kadeem Pearse, Tony Cealy, Laura Crowe, Mark Oliver, Geoffrey Burton

Jedes Jahr werden da im Forum auch so Filme gezeigt, die mit wackeliger Handkamera in schwarzweiss gaaaanz, ganz tief in Psychen und verletzen Seelen eindringen. Dieser ist auch so einer. Ich langweile mich da drin immer ziemlich, weil ich finde, mindestens seit Cassavetes oder zuletzt seit „Sue – eine Frau alleine in New York“ sind viele dieser Stilnachahmer nichtmal nahe drangekommen. Aber interessant genug, um nicht rauszugehen fand ich in dann schon (es gab allerdings in der Zeitschine auch keine Alternative).

Als Derek ein kleiner Junge ist, nennt sein Vater ihn Elvis. Zum Geburtstag bekommt er den weißen Anzug und die Locken geglättet. In seinem Zimmer hängen Plakate von Jimi Hendrix, und Derek spielt Cowboy, aber im Wohnzimmer läuft die Musik des King. Schließlich hält er es nicht mehr aus und der Vater muss sterben. Als junger Mann nennt Derek sich selbst Jimi, trägt eine wilde Lockenperücke und sucht sich einen neuen Vater. Als auch dieser stirbt, stellt Derek dem Toten die Frage, die sein wirklicher Vater nie beantwortet hat: Warum Elvis?
Elvis Pelvis erzählt die Geschichte von Idolen, die nicht sterben dürfen, und von Menschen, die diese Idole nicht überleben können. „Ready or Not – Here I Come“ – die Suche nach der Identität ist ein Versteckspiel, ein Maskenball. Und weil die Frage nach der Identität eine existenzielle ist, wird aus dem Spiel schnell tödlicher Ernst: Familie, Wohnung, Stadt und Seele werden zum klaustrophobischen Schauplatz eines Showdowns, in dem es keine Gewinner geben kann. Elvis Pelvis hat die Intensität einer Heimsuchung. Der Film porträtiert Menschen, die das Gefängnis ihrer Imagination nie verlassen können, der Weltverlust ist totalitär. Gejagt von der Sehnsucht nach sich selbst und den Geistern der Black American Heroes streunt Derek durch die Stadt. Und seine Suche gilt nicht mehr abstrakten Idolen, er sucht nach Erlösung, nach dem einen Augenblick, in dem alles in Ordnung ist.
(Berlinale Katalog)

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