Film: Nicht böse sein!

::: gesehen am 22.4.2007 auf achtungberlin.de

Dtl. 2007 – Dokumentarfilm von Gines Olivares und Wolfgang Reinke

Drei Männer in einer Wohngemeinschaft, 54 m2 in Berlin Kreuzberg. Sie schlafen in Küche, Bad und halbem Zimmer. Junkies, Ex-Knackis und Alkoholiker zwischen Hartz IV, dem nächsten Schuß, Wodka und Bier – der Albtraum jeder bürgerlichen Nachbarschaft. Andi träumt von einer eigenen Wohnung, Dieter muss für 100 Tage in den Bau und Wolfgang schreibt Gedichte. In der klaustrophobischen Enge dieser Gemeinschaft benebelter Geister wirken Glück und Liebe wie Schatten einer längst vergangenen Zeit. Während es in dem Dreck, dem Chaos und der Verzweiflung zu rührenden Momenten kommt, brechen die Konflikte zunehmend stärker durch: die Stromrechnung, die Miete, die geklauten Pullis. Doch Andi bringt das scheinbar paradoxe ihrer Situation auf den Punkt: „Kein Mensch lebt doch gern alleine!“

Sehr nah beobachtet, solide Porträtstudie in einem interessanten Milieu. Was mich am meisten beeindruckt hat, die menschliche Nähe, mit der die Filmemacher mit ihren Protagonisten umgehen. Beim Thema „unter Bettler und Pennern“ kann es leicht passieren, dass eine Doku ins Voyeuristische abfällt. Auch in diesem Film kann man sich eines ähnlichen Vorwurfs manchmal nicht verwehren, dann aber wieder wird die Stimmung aufgefangen durch Humor, durch Sehnsüchte, Emotionen und Liebenswürdigkeiten. Die Bewohner der Unterschichts-WG werden zu Menschen, nicht zu soziografischen Elementen.

Aber auch hier wieder auffallend: Gesellschaftlicher Ausstieg durch Drogensucht mit gleichzeitiger Sehnsucht nach Bürgerlichkeit und Anerkennung.

Ich glaube, es liegt was in der Luft, dass mich in letzter Zeit immer diese Double-Binds auffallend interessieren?

Über die Homepage zum Film habe ich noch was anderes interessantes gefunden: b-ware.tv – ein Netwerk-Label-Media-Camp-Film-Club für den „b-sonderen film“ (in Berlin und Bremen!). Eben in Newsletter eingetragen, mal schauen, was da so passiert.

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