Testscreening des Films mit dem Arbeitstitel: Ironman – lauf um dein Leben


:::: gesehen am 18.7.2007 Cinemaxx Potsdamer Platz

Deutschland 2007 – Regie: Adnan G. Köse

Testscreening Fragebogen

Ich war eben das erste mal bei so einem Test-Screening für einen Kinofilm vor Normalo-Publikum. Anders als bei Pressevorführungen, wo dann nur selbsternannten Filmexperten drinsitzen, also Testlauf vor echten Menschen, wie du und ich. Was ich nach Pressevorführungen immer unangenehm fand – die Frage der PR-Tante, wie einem der Film gefallen hat (das fragt man als PR-Tante einen Filmkritiker doch nicht direkt nach dem Film, oder?) – ist hier Sinn der Veranstaltung. Nicht nur den Fragebogen hab ich ausgefüllt, nein ich wurde von Frau Ines mit dem Klemmbrett auch vorab angesprochen, ob ich nicht auch an der Gruppendiskussion teilnehmen wollte. Klaro wollte ich, weiss ich ja, dass dafür sicher noch ein Sondergeschenk rausspringt und überhaupt so als eigenes Feldforschungsprojekt für Berufsbilder mit irgendwas mit Film, warum nicht gleich in den engeren Kreis vorstoßen.

Scheinbar wussten alle außer ich, was getestet werden sollte. Eine Sportlerbiografie, die anfängt wie eine dieser typischen, pubertären Drogenkomödien, dann schnell den Bogen findet zum Drogen-Drama mit Vaterkonflikten und Problemen des Erwachsenwerdens. Drogenabstieg – klar. Und dann die Erlösung im Leistungssport. Vorlage zu dieser „vom Junkie zum Ironman“- Story ist die Lebensgeschichte von Andreas Niedrig, von dem ich persönlich bisher noch nichts gehört hatte, der mich nach dem Film aber auch weiterhin nicht sonderlich interessiert. Aber das ist mein Problem.

Ästhetisch wird versucht, alles schön in die 1980er Jahre zu verlegen, was nicht immer vollkommen gelingt und manchmal ein bisschen wie ein Puppenstuben Ruhrgebiet der 80er ausschaut. Schauspiel ist super, unbenommen. Handlung auch okay, ich persönlich fands zu lang. Schnellere Schnitte und lautere Musik wäre besser. Überhaupt die Musik! Das ist ja so eine Mode, eine vergangene Zeit dann mit für die Zeit typische Musik – na egal. Dafür das es vor den 90ern spielt war zu viel Musik aus den 90ern drin. Aber das wird sich sicher noch finden, alles wahrscheinlich ja auch noch im Rechte-Clearing-Verfahren und so. Und in der Endmischung ist dann im Ton sicher auch noch mehr Wumms.

Der Film ist tendenziell nicht schlecht. Dramaturgisch wirkt er etwas konstruiert, da waren wir uns in der Gesprächsrunde später eher einig. Einige hätten lieber mehr über den Drogenentzug erfahren, andere fanden die Auflösung „wahre Geschichte“ dann nur einen Schulterzucken wert und ich fand den Film zu lang und wollte eine Auflösung des Vaterkonflikts. Womit ich vollkommen missverstanden wurde, denn gleich wurde ich von der Gruppe korrigiert, dass doch so ein Hollywood-Showdown da fehl am Platz sei, ich hab es dann sein lassen, eine Einführung in Dramaturgische Grundstrukturen zu geben und habe mich gefreut, dass ich mir die fiktionale Lösung eines Vaterkonflikts auch ohne Feuerwerk vorstellen kann.

Ich hab nur grob ergooglt, dass der Film ab Herbst 2008 in die Kinos kommen soll. Produziert wird der Film von den Kölner Firmen Enigma Film und Odeon Film, die Rolle des Andreas Niedrig spielt Max Riemelt. Ebenfalls dabei: Uwe Ochsenknecht, Axel Stein (ziemlich gut übrigens!!! Kein Comedy-Scheiß), Ismail Deniz, u.a. – der Sportler Andreas Niedrig selbst, steuerte nicht nur zusammen mit Jörg Schmitt-Kilian die Buchvorlage bei. Der Titel ist Arbeitstitel und wird ganz bestimmt noch geändert, denn nicht viele haben die Hand gehoben auf die Frage, ob man den Filmtitel gut fand. Ich würd ihn ja „Cool Daddy – find deinen Weg!“ nennen, aber das finden die hübschen Marktforscherinnen sicher nicht so lustig.

Und hier noch eine Webseite über die Dreharbeiten in Dinslaken, die imdb zum Film, und von der Produktion Enigma Film erste Infos zum Film.

Schaler Beigeschmack: Ich fühle mich nach Marktforschung immer so reduziert und unverstanden. Nächstes mal gerne wieder.

PS: Als Sondergeschenk für das Gruppengespräch gab’s einen Gutschein für freien Eintritt zum Film Projekt GOLD, der am 30.7.2007 startet. Ist über Handball. Interessiert das wen brennend?, dann bitte Gründe in die Kommentare, schick ich dann zu (oder vielleicht machen wir einfach Scans für alle und die merken das nicht).

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