Der Neue

Bollywood Leiche

Heute war ein neuer Filmvorführer da. Ich durfte ihn „einarbeiten“. Das sieht bei uns so aus, dass er mitrennt, wenn Stress ist, im Weg steht, wenn weniger Stress ist, er die Arbeit macht und man selbst daneben steht und möglichst viel Tipps und Tricks und überhaupt die Sache mit dem Nähkästchen erzählt. Und dann alles nochmal machen lassen, damit es dann auch irgendwann sitzt.

Ich selbst bin da ja im Kino im Herbst als Aushilfsvorführer eingestiegen. Jetzt darf ich schon schulen. Das ist an sich okay, hab ich nur dass Gefühl, dass ich dem sicher nur falsche und unsinnige Sachen beibringe. Der arme Kerl. Ach Quatsch, muss er durch und er schaut ja auch bei den anderen zu. Das geht über ein paar Schichten so – natürlich unbezahlt – bis er das Gefühl hat alles zu können… Naja, und dann kommen die ersten Schichten und es gibt wieder Pannen-Kettenreaktionen. Isso.

Früher – also vor ein paar Monaten – hat die Geschäftsleitung bestimmt, dass nur die beiden Chefvorführer neue Mitarbeiter schulen dürfen. Jetzt ist das alles anders. Der eine Chefvorführer kommt wohl bald nicht mehr, es heisst, er habe sich in Fürstenwalde oder so ein eigenes Kino angeschafft. Und der andere Chefvorführer ist z.Zt. nicht da, wegen OpenAirKino des Chefs – da muss halt auch einer die Knöpfe drücken.

Wie dem auch sei, ich mag es ja dem Neuen was beizubringen. Das relativiert, man muss abstrahieren, mal inne halten und erklären, warum bestimmte Dinge so und nicht anders. Merkt man immer, was man alles schon kann und wo die Routine sich normalerweise versteckt.

Die vier jungen Inder, die sich den Bollywood-Gangsterfilm in der letzten Vorstellung angesehen haben, fanden den Film nicht so super, haben sie mir erzählt. Meinten aber, ich sei daran nicht Schuld gewesen. So gehört sich das! Relativieren zwischen Film und Vorführer! Neulich hatte ich eine Zuschauerin, die sich lange mit mir darüber unterhalten wollte, dass sie der Meinung war, gerade einen Film von DVD gesehen zu haben, während ich ihr sagte, dass wäre eine lupenreine, japanische 35mm-Kopie gewesen. Sie blieb aber standhaft in ihrer Meinung, bis der Film zurückgespult war – dann habe ich sie die 20kg Filmkopie zurück ins Filmlager schleppen lassen.

PS: Apropos NEU!
Ich hab da rechts am Rand mal was eingebaut, um das alles mit dem Baby etwas zu ent-theoretisieren, um mit der Entwicklung Schritt zu halten und zeitlich auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Geht ja doch alles schneller, als einem lieb ist alles.

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: