Ich komme gerade von einem Filmdreh

Keine Sorge! Nichts wichtiges, nur so. Mit Kurzfilm und LowBudget. Also, wo ich aus dem Alter eigentlich schon raus bin. Trotzdem, man kann das ja auch mal als Mottoparty nehmen. So viele interessante Leute, die irgendwie auch hoffen, jetzt in dem Moment von mir entdeckt zu werden, hab ich lange nicht mehr erleben dürfen – außer neulich im „Weekend“, aber das zählt nicht.

Es ging um eine Szene in einem Berliner Club.

Erstes Foto: Da der Typ unter der Discokugel, durch den bin ich da überhaupt reingeraten.

Kurzfilmdreh. Bin Extra.

Den ganzen Abend dachte ich, er sei der Regisseur, bis ich den echten Regisseur am Ende des Abends nur am Rande gesehen habe: Als alle dachten, jetzt ist gut, fertig, einpacken, wollte der eigentliche Regisseur noch eine Totale. Das ging natürlich nicht, weil für eine Totale brauchst du mehr als die paar Leute, die am Ende des Abends noch übrig bleiben. Das ging psychologisch aber auch nicht, weil der Typ „Regisseur“ den ganzen Abend nur irgendwie in der Ecke an irgendwelchen Monitoren saß und nüscht gesagt hat. Der Typ unter der Diskokugel aber, der hat immer rumgebrüllt und Anweisungen gegeben. Der hat Regie-Kompetenz.

Aber bis zur Totalen ist es oft ein langer Weg.

Kurz vor diesem ersten Foto war ich in Schöneberg mit J. indisch essen, nachdem wir uns über Skype-Chat quasi telefonisch verabredet hatten, eine Radtour zu machen. Davor noch war Gewitter und die Idee mit der Radtour – na ja. Egal. Ich hab auch schon mal besser Indisch gegessen. Aber der Gedanke auf Freibier auf einem Kurzfilm-Set in einem Club-Establishment keimte, war quasi schon entschieden, bevor wir den Gedanken dachten. War ja klar, wir sind ja offen für alles, was da so kommt.

Losgehen sollte es um 20h, Es war etwas nach 21h, als wir da ankamen, wir waren pünktlich. Innerhalb einer halben Stunde hatten J. und ich „Freundinnen“. Supersache! Die gaben sich dann auch den Abend über alle Mühe, unsere Freundinnen zu sein. Waren aber in Wirklichkeit Kommunikationsdesignerinnen. Memo: Bei Kommunikationsdesign-Studentinnen nie sagen „ach ist ja interessant, das endet dann in Werbung, oder?“

Den Rücken da auf dem Foto hab ich nicht kennen gelernt, glaube ich.

Zweistes Foto: Drehpause

Filmdreh.

Links im Bild der Typ mit der Kamera. Nicht wichtig! Nur insofern, wenn der das Ding nicht gerade auf dich hält, kannste machen waste willst. Wichtiger das Pärchen rechts im Bild: Liebespaar! In der Szene war es deren Aufgabe authentisch zu knutschen. Das haben die auch gemacht, immerzu auch wenn nicht gedreht wurde, genau und immer an der Stelle, die ihnen zugeordnet wurde. Nur nicht, als ich das gerade mal fotografieren wollte. Die beiden waren noch jung, wurden von der Straße weg gecastet. Gingen dann aber auch bald, das mit dem Knutschen hat sie wohl auf andere Gedanken gebracht. Gut für sie. Ich blieb noch da für die Poolszene.

Überhaupt, viele waren da, die eigentlich sehr bis viel zu jung waren.

Drittes Foto: Poolszene

Filmdreh: Jetzt kommt die Poolszene.

Da waren wir alle ganz hoffnungsfroh. Die eine Szene (die lang genug gedauert hat) war wohl so was von „im Kasten“, und dann wurd das Set am Pool eingerichtet. Getränke später durften wir Statisten dann auch aufs Set. Das Foto zeigt den ersten Eindruck: Frische Luft und ein Pool. Hurra! Alles war super, wunderbar!

Dann ist erstmal lange nichts passiert – außer so das Ding mit der Mottoparty: Statisten und Statistinnen lernen sich kennen und man übt knutschen und trinkt die Requisite leer. Das fanden natürlich alle sehr hinreißend, sodass dann – als es mal wieder „Background Action“ hieß – die eigentliche Party kurz unterbrochen wurde, zur Zweckparty: also dem Filmdreh. Um danach wieder in die echten Situationen zu switchen. Coole Sache eigentlich. Ist ein bisschen wie Virtuelle Realität, so dieses Switchen zwischen Second Life und dem, was sich mein Schreibtisch nennt (aber egal). Unsere „Freundinnen“ kannten Second Life nur aus dem Feuilleton, aber immerhin hatte die eine der beiden Kommunikationsdesignerinnen in den letzten Wochen ein eigenes Blog eingerichtet. WordPress. Da wollte die andere dann wissen, was sie den da reinschreiben würde. usw.

Zu dem Moment stellte sich mir die Frage: Wer ist eigentlich die Hauptdarstellerin? Die, die immer im Bild ist, oder die 19-jährige aus der Nähe von Koblenz, die von den warmen Freibier langsam aber sicher der Sache nicht mehr so gewachsen war.

Viertes Foto: immer noch Poolszene.
Filmdreh. Immernoch.

Hier wurde die Frage, ob der Hauptdarsteller überhaupt an diesem Abend noch von der Hauptdarstellerin in den Pool geschmissen wird zum Runnig-Gag. Zum Side-Kick wurd die glücklich angetrunkene 19-jährige mit ihrer 17-jährigen Freundin aus Brandenburg („ich brauch 2 Stunden mit dem Zug“), die beide eigentlich auf die süßen Briten aus dem Hostel einen Block weiter standen, aber das auch zum Zeitpunkt noch nicht so wussten (glaub ich jetzt), trotzdem den Plan hatten vor 0:00 noch ins Matrix zu kommen, weil wegen Rabatt. Matrix, ja war ich schon mal, muss man nicht hin, schon gar nicht wenn man 17 ist an einem Mittwoch. Aber was soll man machen, die Läden selektieren sich ihr Publikum. Davon profitiert man ja dann auch am Ende, wenn man sich orientieren kann, dass das Matrix für einen selber dann eben nix ist.

Ich glaube, ich poste das alles besser nicht. Denn jetzt ging dann das mit dem Kotzen los. Ich wette, die 17jährige und die 19jährige haben durch diesen Abend so was wie Frauenfreundschaft noch mal für sich neu geerdet: auf dem Klo Haare halten, Wasser reichen, Taxi finden, doch nicht ins Matrix gehen. Berlins Filmszene crazy finden – die ganze Packung. Überhaupt, die britische Boygroup, von denen die 19-jährige kurz vor der Ohnmacht noch einen geküsst hat.

Ich fand das alles super! Mein Chef war auch da, hab mich kurz mit ihm ausgesprochen/ vertragen. Mit der Kapitulation auch nicht so weit bei mir. Mach ich jetzt die Sache doch. Nagut. Mißverständnis.

Fünftes Foto: Kameramänner!

Immer noch Poolszene

Kameramänner sind die coolen Säue am Set. Hier er zum Beispiel: Mal gerade aus Polen eingeflogen, ranzt den britischen, 19-jährigen Hostel-Touristen hinter ihm einfach mal ein „Shut up, please“ zu – und die waren ohne Widerspruch leise, obwohl sie sich schon bequem an set-fremden Club-Getränken bedient hatten und stramm unterwegs waren. Da an dem Moment war ich aber nur froh, dass die 17-jährige ihre 19-jährige Freundin aus Koblenz wohl soweit im Griff hatte, ein Taxi nach Hause zu nehmen. Vielleicht sind sie auch noch ins Matrix, aber ich glaube nicht. 17-jährige können ganz schön reif sein, Mannomann!

Ende: Nö. (ich glaub, das wird wiederholt)

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