Film: Mababangong bangungot (Perfumed Nightmare)

:::: gesehen am 18.1.2008 auf dem festvial for film and video art asian hot shots berlin

Philippinen (1976/77), R: Kidlat Tahimik, 93 min, OmdU

Das war ja dann wohl ein Fehlalarm, als die Hebamme am Donnerstag behauptete, das sie damit rechne, innerhalb der nächsten zwei Tage würde es losgehen. Jetzt ist Sonntagabend und wir sind immer noch Kinder. Die letzten Tage eine positive Nervösität, wie vor einer großen Reise. Inzwischen wieder auf dem Weg zurück zu Ausgeglichenheit und so etwas wie innerer Ruhe. Das war am Freitag alles anders, Arbeit half auch nicht wirklich. Also der Griff zu einem alten, hausbewährtem Rezept: Irgendeinen Film schauen, möglichst unvorbereitet ins Kino gehen, um den Kopf ruhig zu stellen. Die Entscheidung wurde zunächst aus zeitlichen Gründen gefällt, aber auch die kurze Inhaltsbeschreibung versprach, genug verkünstelte Kinolast:

„Perfumed Nightmare“ ist ein halbbiografischer Film von Kidlat Tahimik. In die magisch-realistische Anlage des Dokudramas mischen sich ironische Sozialkritik mit Widerhaken, verschrobene Phantasien, bizarrer Humor, symbolische Metaphern und asiatisch-mythologisches Elemente.
( Festivalprogramm)

Nicht so’n Schischi-Hollywood, sondern was, wo man hinsehen und mitdenken muss. Abgesehen davon, dass in dem Film auch eine Geburt vorkommt, insgesamt genau richtig, um abzudämpfen, was da kommen mag, wann es will…

Wie es so ist mit halb-autobiografischem Kunstkino, man kann schlecht erzählen, was man da eigentlich angesehen hat. Flickert halt assoziativ vor sich hin mit mehr oder weniger wirksamen Hooks. Wenn’s gut ist, nimmt’s einen mit auf eine persönliche Reise ins Sonstwohin. Mich hat es mitgenommen. Der Film lief 1997 auf der Berlinale im Forum des jungen Films, hat da auch den Kritikerpreis gewonnen. Ich selbst fand schön, mal Bilder aus aus der Zeit, wo ich noch klein war, von den Philippinen zu sehen. Auch die Ironie mit dem der cultural gap zwischen der Kindheit und Jugend in einem philippinischem Dorf und der Sehnsucht nach der Modernität eines fernen Amerika. Zur Hälfte des Films gelingt dem Protagonisten dann auch als erster seines Dorfes, in den Westen zu fliegen. Sehr kreative Stückelung von Film- und Medienmaterialien, Welten, Riten, Gedanken und Stilen. Die alten US-Army Jeeps wurden von den Philippinen ähnlich kreativ zu Neuwagen und Trägermedium für Gesellschaftswandel umfunktioniert.

Wenn ich mal groß bin, will ich diese interessanten Texte zu dem Film lesen und verstehen:

  • Journal of Religion and Film: „Perfumed Nightmare and Negative Experiences of Contrast: Third Cinema as Filmic Interpretation of Schillebeeck“ von Antonio Sison, Vol. 6 No. 1 April 2002
  • „Perfumed Nightmare“, aus: „Cross-Cultural Film Guide“, von: Patricia Aufderheide, 1992
  • Perfumed Nightmare on Film Forno Blog
  • „Almost 30 years later, Kidlat Tahimik’s „Perfumed Nightmare“ remains an unlikely masterpiece“, von Max Goldberg, 18. Mai 2006
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