Jan Plewka sang Rio Reiser

Mal sehen was das wird.

Die Wogen des Lebens spülen einen dann ja immer mal dort hin, wo man von alleine nicht hinschwimmen würde. Die Liebste wollte vorhin zu der Veranstaltung Jan Plewka singt Rio Reiser. Ich bin da mal mitgegangen, momentan kann ja alles, was Bewegung verspricht, nur die Geburt begünstigen. Dachte mir zwar noch, „Wer ist Jan Plewka? Warum singt der Rio Reiser? Und darf der das überhaupt?“, aber so eine Coverband hat ja meistens Schmiss. Kennt man ja, vom Schützenfest und so. Jan Plewka ist der Sänger und Mitbegründer der 90er-Band „Selig“ gewesen, die sich durch solche Sachen hervorgetan hat (also mehr so Poser-Rock-Pop, den ich schon damals Mist fand). Der darf also eigentlich Rio Reiser nicht singen. Aber heutzutage dürfen ja auch Kapitale Schweine Rio Reiser verwursten (hier der TV-Beitrag dazu auf youtube).

Egal. Ich hab wieder viel gelernt. Das Konzert war jetzt nicht so mein Ding. Bestuhltes Kesselhaus, durchwachsenes Publikumssegment. Aber das schöne an Berlin ist ja, dass auch die Normalos irgendwie ganz okay sind. Wenn sie stehen. Wir saßen. Als es los ging, sah das so aus, wie hier in diesem TV-Mitschnitt: Halt Dich an Deiner Liebe fest – Jan Plewka singt Rio Reiser (live, NDR) und ich fand, das hört sich nicht nach Rio Reiser an, sondern nach Selig. War ganz verwirrend und dieser Eindruck ließ den Abend über auch nicht nach. Nicht so schlimm, wenn da nicht auch noch die Bühneninszenierung gewesen wäre. Statt einfach nur Musik zu machen, wurde teilweise versucht „die Stimmung der Zeit“ (oder sowas) nachzustellen. Plewka im Rio-Reiser-Kostüm, die Band als lustige Musikanten im Entenmarsch durchs Publikum um Geld schnorrend (um Mißverständnissen vorzubeugen: die Konzerttickets waren nicht gerade kostenlos) und dann auch noch ganz schlimm – elektrisches Lagerfeuer und der Rauchhaus-Song wird mit Klampfe und Megaphon intoniert. Da bekam ich Gänsehaut, vor peinlicher Berührung. Mir wollte nicht so recht gelingen, den Musikanten zu glauben, dass sie hinter all dem stehen. Bei dem Versuch, während des Rausschmeissers, das Publikum per Polonese aus dem Saal zu führen, bemerkte Plewka selbst, „ich mach mich hier zum Affen…“ – so kann man es auch sagen.

Trotzdem interessant, ich will nicht meckern. Zwei süße, Bier mit Strohhalm trinkende Groupies waren extra aus dem Sauerland angereist. Sollte man zumindest glauben. Ich glaube, die waren bestellt. Aber ich kann mich auch täuschen. Nicht recht trauen jedoch wollte ich meinen Augen, dass auch dieser etwas verlebte, langhaarigen Macker, den ich sonst immer nur in den Clubs sehe (neulich auch im Tape Club wieder), da auch war. Der, von dem behauptet wird, dass sei ein ganz fieser Abzocker. Privat geht der also dann auch mal zu so einem netten Rio Reiser Abend. Nun, Spaß haben wir gehabt. Das Geld wäre in eine Best-of-Ton-Steine-Scherben-CD jedoch besser investiert gewesen. Die Liebste und ich waren uns einig, beim The BossHoss-Konzert war’s meilen-geiler. Da durfte man allerdings auch mehr Bier mit Strohhalmen trinken.

Hier nochmal bissle mehr, was Gänsehaut im Guten macht: Wir sind Helden – Halt Dich an Deiner Liebe fest (live) und zum Vergleich Ton Steine Scherben – Halt Dich an Deiner Liebe fest (30.05.1983 live in Offenbach).

Schlaft gut, ihr süßen Revoluzzer!

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