[Berlinale 2008] Film: Regarde-moi

:::: gesehen am 11.2.2008 im Delphi

Frankreich 2007; Regie: Audrey Estrougo; mit: Emilie de Preissac, Eye Haidara, Terry Nimajimbe, Paco Boublard, Salomé Stévenin; 97 min.

Ein offenbar autobiografisch gefärbter Film aus der Pariser Vorstadt Colombes. Die 25-jährige Regisseurin Audrey Estrougo zog im Alter von 13 Jahren in die Pariser Außenbezirke. Ihr Spielfilmdebüt hat die Abhängigkeiten und die unausweichliche Sozialkontrolle der Vorstadt zum Thema. Es beginnt wie ein harmloser Coming-of-Age Film. Da gibt es das soziale Ghetto, Jungs- und Mädchencliquen und desolate Familien. Die jungen Darsteller stehen in voller Blüte – allerorten sprüht es Testosteron und Östrogen. Im Zentrum der Handlung steht der junge Fußballer Jo. Es ist sein letzter Tag, er wurde für die Jugendmannschaft von Arsenal London entdeckt. Jos Freund Yannick hat damit zu tun, seine Flamme Melissa zurückzuerobern, und Mouss bringt sich in Form, um Daphne zu beeindrucken. Auch Fatimata und Julie, die eine schwarz, die andere weiß, sind verliebt, und beide haben es auf Jo abgesehen. Es bleiben ihnen 24 Stunden, eine Entscheidung herbeizuführen.

Soweit gibt das reine Handlungsgeschehen nicht mehr her, als man vielleicht aus Gute Zeiten, schlechte Zeiten oder typischen Teenager-Filmen gewohnt ist. Doch der Film wendet einen interessanten Kunstgriff an. Zur Hälfte des Films wird die Perspektive gewechselt und die 24 Stunden werden erneut erzählt. Was aus der ersten Perspektive – aus der Sicht der Jungen – teilweise fragmentarisch oder unverständlich war, wird nun komplementiert mit der weiblichen Perspektive. Diese Entschlüsselung der Perspektiven ergibt ein Ganzes der Narration, ein Drinnen und ein Draußen, ein vor der Tür und ein hinter der Tür, ein unten auf der Straße und ein oben in der Wohnung.

An sich sehr sehenswerter Film. Gestört hat mich die qualitative Spanne im Schauspiel. Die HauptdarstellerInnen besonders fein in Gestik und intensiv im Ausdruck werden durch teilweises Overacting der Nebendarsteller verwässert. Da trifft die Geste der Komödie aufs Drama, nicht gerade dem Drama förderlich.

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