[Berlinale 2008] Film: Kirschblüten – Hanami

:::: gesehen am 12.2.2008 in der Urania

Deutschland 2007; Regie: Doris Dörrie; mit: Elmar Wepper, Hannelore Elsner, Aya Irizuki, Nadja Uhl, Maximilian Brückner, Birgit Minichmayr; 122 min

Der neue Film von Doris Dörrie im Wettbewerb. Sentimental? Ja. Aber verdammt, kann die Frau gute Filme machen! Ein deutscher Lost in Translation, möchte ich fast behaupten. Nicht ganz so hipp, aber dafür um so herzlicher.
Die Geschichte einer aufopfernden Liebe und eine poetische Reise in das Innere des Seins: Nur Trudi weiß, dass ihr Mann Rudi Krebs im Endstadium hat. Als der Arzt eine letzte gemeinsame Unternehmung vorschlägt, überredet Trudi ihren Mann, mit ihr die Kinder und Enkel in Berlin zu besuchen. Doch die sind viel zu sehr mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, um sich um die beiden zu kümmern. Nachdem sie noch die Aufführung eines Butoh-Tänzers besucht haben, reisen Trudi und Rudi in ein Hotel an die Ostsee. Dort stirbt plötzlich Trudi – Rudi ist völlig aus der Bahn geworfen. Er weiß nicht, wie das Leben weitergehen soll. Bis er sich auf den Weg nach Japan macht, um dort den jüngsten Sohn, Karl, zu besuchen. (Berlinale Programm)
Frau Elsner mal nicht als alternde Diva, sondern sehr überzeugend in der Rolle einer treu sorgenden Hausfrau aus der bayerischen Provinz. Dass die Figur eine kleine, versteckte Sehnsucht hat, reicht Frau Elsner, um der Rolle eine ungemein sympathische Profiltiefe zu geben. Und Elmar Wepper mal nicht hau-drauf-komisch, sondern pointiert tragigkomisch. Herrlich die sinnliche Wandlung von einem sturen Sachbearbeiter zum Lost-in-Translation-Reisenden. Die Trauer und die Fremde lassen ihn seine Liebe zu Trudi neu erleben. Manchmal muss man weit reisen, um das Naheliegende zu sehen.

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