[Berlinale 2008] Film: 3 días (Before The Fall)

:::: gesehen am 15.2.2008 im CinemaxX 7

Spanien 2007; Regie: F. Javier Gutiérrez; mit: Víctor Clavijo, Mariana Cordero, Eduard Fernández, Juan Galván, Elvira de Armiñán, Ana de las Cuevas, Daniel Casadellá; 93 min.

Ein Psychopate und ein Weltuntergang. Es bleiben noch drei Tage, bis ein riesiger Meteorit auf die Erde trifft. Ale – ein junger Tagelöhner – möchte im Angesicht der Apokalypse nur noch Schallplatten hören und sich betrinken. Seine Mutter zwingt ihn aber mit ihr zum Haus des Bruders zu fahren, wo dessen vier Kinder allein gelassen auf ihre Eltern warten. Im allgemeinen Chaos brechen Hochkriminelle aus den Gefängnissen aus, darunter auch ein kindermordender Psycho, dessen letztes Ziel eben jenes Haus ist, mit dem er eine dunkle Vergangenheit verbindet.

Vor dem Hintergrund der Apokalypse wird ein ziemlich gewalttätiger Psychothriller erzählt. Ale kämpft verzweifelt darum, dass der Psycho den vier Kindern nichts antut. Alle Facetten des Genres werden durchgespielt, jeder Schock- und Gruselmoment bis auf das Letzte ausgekostet. Doch was filmhandwerkliche gelungen ist, will sich trotzdem nicht zu einem plausiblem Ganzen vermengen. Die eigentliche Narration hinkt dem Spektakel hinterher. Stellen Sie sich vor, dass in 72 Stunden die Welt untergeht. Was würden Sie tun? Was würden Ihre Nachbarn tun? Was Ihre Angehörigen? Und der Rest der Welt? Die als Ausgangssituation interessante Vermengung eines Katastrophenfilms mit einem Psychothriller dient letztendlich aber nur dafür, dass am Ende der unterlegene Ale den Bösewicht mithilfe des Meteoriden zur Strecke bringen kann. Deux ex Machina. Insgesamt ist das alles ziemlich schwammig, erschöpft sich im Spektakel und hinterlässt den Gesamteindruck einer unreflektierten Mixtur aus Actionfilmelementen. Weltuntergangsszenarien und Psychopaten gibt es aber im Kino wie Sand am Meer. Die Konkurrenz ist da groß und die Kombination von beidem macht noch lange keinen guten Film. Der etwas oberflächig wirkende Ansatz des Films vertieft sich im Filmgespräch mit dem Regisseur nach dem Film. Es sei ein modernes Märchen, was er erzählen möchte. Sein Film habe wenig mit der Gesellschaft zu tun, sondern soll unterhalten. Das Gewaltdarstellungen in Märchen jedoch meist vielschichtig durchdrungen sind, sowohl tauglich für Kinder als auch für Erwachsene, und dass Märchenhandlungen zwischen den Zeilen noch unglaublich viel Menschheitsgeschichte transportieren, scheint vergessen worden zu sein. Eben so wie die Einsicht, dass im Märchen die Helden durch ihre Handlungen alternieren, es meist ein Happy End gibt und eher selten die unausweichliche Apokalypse. Also kein Märchen, sondern ein nur pessimistischer Actionthriller. Obwohl – wenn ich es mit recht überlege – ist das pessimistische Ende eigentlich das Beste am Film: Bösewicht ist besiegt, guter Held erhält als Bonus die hübsche Frau, aber trotzdem unausweichlicher Weltuntergang. Rums, Vorhang, Ende Gelände. Keine Moral und kein „wenn sie nicht gestorben wären…“

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