Film: Mann unter Feuer

:::: gesehen am 2.3.08 auf Pro7

USA 2004; Regie: Tony Scott; mit: Denzel Washington, Dakota Fanning, Marc Anthony, Christopher Walken

Anne Will hat mit Judith Holofernes und anderen Familienpolitik-Expertinnen in meinem Fernseher gesessen und über Familienpolitik gesprochen. Ich mag da ja sonst nicht so gern bei zusehen, wenn die das machen. Ist echt nicht so meine Art. Das erinnert mich immer an das alte Pro-und-Contra-Spiel von früher aus der Schule, wo der Sozialkundelehrer immer irgendwann nach Stoffeinführung meinte: „So, jetzt teile ich die Klasse mal in drei Gruppen. Die einen sind dafür, die anderen dagegen und ihr da hinten, ihr dürft nachher entscheiden, welche der beiden Gruppen mehr recht hat als die andere.“ So ist das immer auch im Fernsehen. Egal ob Meyer lieber Beckmann Will oder doch besser Ed von Schleck sein sollte.

Aber real gelebte Familienpolitik ist ja hier seit Kurzem bei uns in der WG ein ganz heißes Thema. „Glühendes Eisen“ möchte man fast metaphorisieren. Da schaut man natürlich dann doch mal gern das eine oder andere Kopfschütteln im Fernsehen an, auch wenn man richtig vermutet, auch zu diesem Thema wird das Agenda-Setting im TV wieder nicht viel bringen, denn es ist, wie es ist: So wie wir das jetzt hier für uns mal der Gesellschaft vorleben, ist das eh am besten. War trotzdem interessant, und am Ende hat dann die Holofernes das Schlusswort ergriffen. Das sei alles Quatsch mit der Trennung des Kümmerns, beide Eltern sollten ihre Jobs machen können und auf das Kind aufpassen können, dass würde die Familie am geilsten rocken, das solle die Politik und die Wirtschaft mal zustande bringen und überhaupt sei das so wie bei ihr und vielleicht noch bei den tristessedeluxe’s zu Hause sowieso am besten. Sag ich ja.

Wir können ja nicht alle in Mexiko leben, reich sein, Putzkräfte, Babysitter und Bodyguards leisten, so wie in dem Film, in dessen Weltsicht ich nach der von Anne Will noch geschlüpft bin: Denzel Washington, ein ehemaliger, schwarzer CIA-Killer mit Vergangenheitstrauma, verschlägt es nach Mexiko City zu Freund Christopher Walken. Da in der Stadt gerade eine organisierte Entführungs- und Erpressungswelle rollt, organisiert Walken für Washington einen neuen Job als Bodyguard einer kleinen, blonden Prinzessin. Aus Widerwillen wird Freundschaft zwischen Schützer und Opfer. Das Mädchen wird entführt und Washington greift zu ausufernden Selbsthilfemaßnahmen: Blutrache an einem korrupten Wirrwarr in Mexiko City.

Erst im Talk Familienpolitik unter Feuer, dann im Film der harte Heldenkerl unter Beschuss. Trotz schon für 2004 etwas aus der Mode gekommener Videoclipmätzchen, doch ein passabler Rache- und Selbstjustizthriller, um sich nach den zaghaften Versuchen der Anne Will, alt eingefrorene Familienrollen aufzubrechen, schön wieder die Geschlechterrollen-Stereotypen erden zu lassen. Die Ausgangsidee fand ich durchaus interessant, einen ausgebrannten Ex-CIA-Agenten als Bodyguard Identitätskrise und Trinksucht durch die Nähe zu einem kleinen Mädchen überwinden zu lassen – und Washington trägt seine nicht sonderlich facettenreiche Darstellung mit gewohnter Souveränität. Aber dass das zu schützende „Objekt“ ein kleines Mädchen ist, lässt in seinen Konsequenzen den Film letztlich nicht konsequent genug wirken: Er verharrt zwischen „Vater“-Tochter-Drama und durchaus brutalen Entführungs- und Racheschemata. Die spätere Selbsjustiz des gerechten Killers ist durch die emotionale Bindung motiviert, der Weichspülgang wertkonservativer Familienfilme ist aber des Regisseurs Sache sicher nicht. Der schwer lineare Verlauft des Films hätte gestrafft werden können. Das auch deswegen, weil die gesamten Charaktere merkwürdig im Vordergrund stecken bleiben und nur mit den nötigsten Stereotypen gefüllt werden. Alles ein merkwürdig mittelmäßiges Ding.

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