Heute schon die Friends & Follower gepoked?

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Nebenbei schaue ich seit einigen Tagen eine TV-Serie, die Ende des letzten Jahrtausends in den USA produziert wurde und von Geeks, Freaks, Cliquen, Freundschaft und natürlich dem Erwachsenwerden an einer amerikanischen Highschool in den 1980er Jahren handelt. Ich möchte mir dazu noch kein abschließendes Urteil erlauben, aber die Serie ist super. Zumal mir die Codes von Cliquen oft ein Geheimnis geblieben sind und die Regeln der Pflege von Freundschaften mir so ziemlich egal sind (oder ich einfach oft zu faul bin, diese angemessen zu pflegen (gleiches Problem in der Blogosphäre, ist ja alles ein großer Schulhof, aber egal)). Vermutlich finde ich solche Teenager-Serien deswegen auch immer so gut, weil da was stattfindet, was im richtigen Leben ein gewisses Defizit… Gilmore Girls schauen ja auch eher jene gerne, die ein leicht bis stark problematisches Verhältnis zu ihrer Mutter hatten – also alle… Egal, was wichtig ist: Mein Vater, der Vater der Liebsten und der Vater meiner Tochter – wir sind da ja alle eher so freundliche, harmoniebedürftige Einzelgänger, machen gern nur unser Ding. Vielleicht nicht unbeeinflusst aber gern von der Umwelt unbeeindruckt scheinend.

Von uns drei Vätern bin ich (noch) der mit den meisten Freunden. Die Gruppendynamik der Figuren in dieser TV-Serie ist interessant. Alles ist im Fluss. Das Freundschaftsgefüge ist nicht statisch sondern stark dynamisch. Ändert eine Figur etwas in ihren Interessen oder Ansichten bringt diese Änderung auch neue Facetten und Anordnungen in den Beziehungen der restlichen Freunde mit sich. Die Verflechtungen sind vielschichtig und die Entwicklungsprozesse der einzelnen Figuren dramaturgisch auf Dauer ausgelegt. Klar, isso bei seriellen Formaten, aber hier besonders charmant und mit Liebe zum Detail umgesetzt.

Heute hatte das Baby Besuch von dreieinhalb Leuten. Drei alte Bekannte, bzw. Freunde und eine Überraschung. Wenn wir im Norden von Berlin wohnen würden, könnten also beide zusammen eingeschult werden. So schön es ist, zu sehen, dass sich nicht nur im eigenen Leben viel ändert, sondern genauso auch im Freundeskreis, umso verwunderlicher ist es doch, dieses Gefühl des Weichengestelltwerdens. Das Spannungsfeld „Schulnoten, Sex und Drogen“ wird zu „Karriere, Baby und Heirat“. Vor ziemlich genau fünf Jahren wurde ich bei einem Bewerbungsgespräch gefragt, wo ich mich in fünf Jahren sehe. Wahrscheinlich sieht es jetzt hier so aus, wie es ist, weil ich mir das alles vor fünf Jahren noch gar nicht so ausmalen wollte. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, es ist alles mehr als okay. Kein Babykoller. Man hat wohl nur einfach noch nicht das Gefühl, die richtige Fahrspur wiedergefunden zu haben.

Was mich zurück kommen lässt auf den Gedanken, den diese TV-Serie da mit den Freunden hinterlassen hat. Was man nicht im Leben rafft, rafft man aus Medien. Dieses Web2.0-Ding simuliert ja gerne irgendwas mit Freundschaften. Das ist aber alles nur Projektion – klar, Kommunikationswissenschaft 1. Semester – fällt man aber trotzdem gerne drauf rein. Und bevor man sich versieht, klickt man nur noch auf sich selbst rum, beisst mit Facebook-Zombies um sich und vermeidet den echten Kontakt zu den wirklichen Freunden, Leuten, die ja auch manchmal erfrischend unbequem sein können, mit ihren Weltsichten, Lebensplanungen und Beziehungssorgen. Ist zwar ziemlich oldschool, aber ich muss mal wieder mit ein paar Leuten telefonieren und ausgehen.

Genug gegrübelt. Jetzt erstmal schnell weiter die Serie sehen.

Ich habe jetzt ein grafisches Gästebuch, bitte da was reinmalen!

In diesem Artikel steht, ein wenig davon drin, warum mir Spreeblick und Nerdcore nicht mehr geheuer sind und was an der Neuen Deutschen Blogosphäre überhaupt nervt.

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