re:publica 2008: Wer schreibt, der bleibt


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Die Bedeutung eines Events oder die Popularität einer Person wird gerne an der Masse ihrer medialen Repräsentationen gemessen. Je mehr über irgendwas berichtet wird, je mehr diese Berichte von Leuten wahrgenommen werden, je mehr wird darüber berichtet, je mehr Leute nehmen das wahr. In meiner Wahrnehmung wird gerade viel über die re:publica geschrieben. Vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil ich mich dafür interessiere. Den knapp tausend Teilnehmern der re:publica geht das ähnlich, deswegen tun die publizieren, konsumieren, publizieren, konsumieren… Wenn man sich so umschaut, was das mit dem Publishen über die re:publica so auf sich hat – zum Beispiel im Pressespiegel und Blogspiegel auf dem Republikawiki – hat ix nicht unrecht, wenn er das gestern unter dem Begriff „informationsdünnschiss“ subsummiert:
die 900 die hier sind konsumieren alles auf einmal: sie hören und gucken sich die veranstaltung an, lesen und sehen was andere darüber schreiben oder foto- oder videografieren. wer kein gerät zum publizieren dabei hat, wird hier als behinderter angesehen. publish or stay home. oder so.

und genau diese kommunikationsmetaebene, von einer veranstaltung zu berichten über die fast tausend andere ebenfalls berichten und dabei unmengen an daten zu produzieren, genau das ist hier auf der republica das thema. (wirres.net zur re:publica08: informationsdünnschiss)
Das ist ja auch alles lustig und spannend, aber warum publischt jeder Hund? Weil er es kann. Neben einigen relevanteren, gesellschaftlichen Themen auf der Konferenz geht es aber hauptsächlich um ein Phänomen: Die Faszination darüber, was passiert, wenn Konsument gleichzeitig Produzent ist und mediale Inhalte ins Internet packt. Das ist aber eher schon ein alter Hut, wird nur langsam immer populärer sich damit zu beschäftigen. Klar. Oder hab ich da was nicht mitbekommen? Ich bin selber Teil dieser Faszination und finde sie doch sehr verwunderlich, denn im Kern geht es eigentlich nicht um Demokratisierung der Medien oder den Unterschied zwischen Journalisten und Bloggern – es geht um selbstgebastelte Medienpädagogik. Viele Blogger lernen mit dem Bloggen das erste mal, was es bedeutet, sich und seine Meinung, Lebenshaltung etc. öffentlich zu thematisieren. Leute, die noch nie irgendetwas veröffentlich haben, werden als Blogger zu Verleger, Redakteur und Autor in einem. Das ist eigentlich sowas wie der Offene Kanal fürs Internet. Medien-Selbermacher. Merke: die meisten Blogger-Typen sind eher nedrig unterwegs, vielleicht auch introvertiert oder im anderen Extrem professionelle Rampensäue. Auf so einer Konferenz – ich nenne es Internet-Festival – treffen die sich nun alle und loopen sich um sich selbst. Jeder followt jedem, doch wer hat die Lead? Wenn man mal im Ansatz journalistisch gearbeitet hat, ist einem das schnelle Arbeiten als Berichterstatter von irgendwelchen Veranstaltungen durchaus bekannt. Blogger wundert das noch. Auf so einem Event wie der re:publica erst recht. Das ist aber eigentlich medialer Alltag. Mich wundert ehrlich ein wenig diese merkwürdige Aufregung. Ich selber kenne das von Filmfestivals – klar – aber beim Filmfestvial geht es doch wenigstens nicht nur darum, dass ich da jetzt bin und einen Film sehe, irgendwie, oder?

Mir fehlt wohl einfach in dem re:publica-Rauschen mal der eine oder andere reflektiertere Beitrag. Wenn ich z.B. die rp08 SMS-Wand und die rp08-twitterer auf meinen Instant-Messanger schalte, erhalte ich ein Trommelfeuer an Banalität. Vielleicht liegt’s auch nur daran, dass ich noch gar nicht da sein konnte und alles aus der Ferne konsumieren musste. Vielleicht täusche ich mich auch und jemand mag Leseempfehlungen in den Kommentaren abgeben? Gerne Beiträge, in denen sich nicht nur an der Oberfläche über die Inhalte einzelner Workshops und Vorträge beschäftgit wird. Das Geplapper versendet sich halt doch sehr schnell.

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