[Berlinale 2009] Film: Human Zoo

:::: gesehen am 5.2.2009 im Cinemaxx

Frankreich 2008 – Regie: Rie Rasmussen – Darsteller: Rie Rasmussen, Nikola Djuricko, Nick Corey, Vojin Cetkovic, Hiam Abbass, Said Amadis – Sektion: Panorama

Zur Eröffnung der Berlinale gestern in diesem Panoramafilm gewesen, war ja auch noch nicht so viel Auswahl. Ich fand den Film recht packend, teilweise gut, teilweise etwas maneriert. Es wird die Geschichte um das Mädchen Adria erzählt. Sie ist halb Serbin, halb Albanerin. Zum einen spielt der Film in der Vergangenheit, zur Zeit der schlimmsten Kämpfe im damals noch unumstritten serbischen Kosovo, zum anderen in der Gegenwart in Marseille. In ihrer Gegenwart in Frankreich lebt die junge Frau als illegale Einwanderin. Sie lernt einen jungen Amerikaner kennen, merkwürdige Liebesgeschichte, sehr überhöhte Sehnsuchtsinszenierungen. Flashbacks lassen uns immer wieder zurück an ihre Vergangenheit teilhaben. Schreckliche Greueltaten im Krieg, Luftangriffe auf Belgrad und die europäische Unterwelt spielen darin ebenso eine Rolle wie spontanes Verlangen, aus dem sich echte Liebe entwickeln könnte.

Es geht um die Identität einer weiblichen Hauptfigur, deren Sehnsucht nach romantischer Liebe innerhalb eines Kriegsszenarios besteht. Als „ein Produkt imaginärer Grenzen sinnlos gewordener Staaten“ sucht Adria ihr seelisches Gleichgewicht – und ihre Identität als Mensch und Frau, während sie zugleich doch in einem von Gewalt geprägten, vorwiegend von Männern aufrechterhaltenen Zoo gefangengehalten und ausgebildet wird. Es ist nicht ihr Spiel – aber sie lernt es gut.

Insgesamt alles packend und recht sexy (manchmal bissle oversexed) in Szene gesetzt. Was zunächst etwas abschreckt ist eine sich durchziehende Überhöhung der Geschehnisse. Kein stilistischer Realismus, sondern die Bemühung, große Kinobilder zu bauen. Auch der junge Amerikaner scheint mir etwas zu excited verkörpert, genau wie die sehnsuchtsvoll bis lüsternen Blicke der Hauptfigur, die sich durch den ganzen Film ziehen. Aber solch kleinen äusserlichen Macken tun dem packenden Gesamteindruck dieses recht harschen Films keine Harm.

Ansonsten: Die zur Verfügung stehenden Taxis am Potsdamer Platz standen um halb drei noch bis zur Staatsbibliothek. Wird eine rauschende Eröffnung gewesen sein.

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