[Berlinale 2009] Film: Ricky

:::: gesehen am 7.2.2009 in der Urania

Frankreich, Italien 2009 – Regie: François Ozon – Darsteller: Alexandra Lamy, Sergi Lopez, Mélusine Mayance, Arthur Peyret – Sektion: Wettbewerb

Bei François Ozon spalten sich gern die Geister. So auch bei diesem Film. Mich erstaunt immer wieder, wenn es ein Film schafft, vereinzelte Buh-Rufe im Publikum auszulösen. Ganz so schlecht ist der Film aber nicht, vielmehr ist er durchgängig stringent und spannend erzählt, wenn auch das Ende nicht aus den Vollen schöpft und einen zunächst etwas alleine lässt.

Von der Handlung darf man nicht zu viel vorwegnehmen: Katie, eine gewöhnliche Fabrikarbeiterin und allein erziehende Mutter lernt auf ihrer Arbeit Paco kennen, mit dem sie ein außergewöhnliches Baby zeugt. Der Film basiert auf einer Geschichte der britischen Autorin Rose Tremain und François Ozon schreibt dazu:
„Die Erzählung ist sehr kurz und erinnerte mich von ihrer Stimmung her an ROSETTA, den Film der Brüder Dardenne. Die Protagonisten sind arme, unterprivilegierte Weiße, die in einer amerikanischen Wohnwagensiedlung leben. Wegen dieses Hintergrundes war ich mir zunächst nicht sicher, wie ich mich der Handlung nähern, sie zu meiner eigenen machen sollte. Und obwohl mir die Vorstellung gefiel, wie ein außergewöhnliches und erstaunliches Ereignis die ansonsten ganz hoffnungslose Existenz der Charaktere durcheinanderbringt, machte mir das fantastische Element auch Angst. Aber dann wurde mir klar, dass es nicht so sehr der Fantasy-Aspekt der Geschichte war, der mich berührte, sondern die Art und Weise, in der sie von Familie handelt, von unserem Platz in ihr, und wie ein neues Mitglied, sei es ein neuer Partner oder ein Kind, die ganze Balance durcheinanderbringen kann. Rose Tremains Texte besitzen eine Ironie, die meiner entspricht, und die wollte ich im Film bewahren. Wenn die Geschichte zu bizarr und unwirklich wird, kommen humorvolle und distanzierende Elemente hinein, die die Spannung abbauen und die Sache zum Laufen bringen.“
Was etwas irritiert an dem Film ist die Behandlung des zugrunde liegenden Themas der Mütterlichkeit, bzw. was Ozon zu diesem Thema am Ende des Film zu sagen hat. Ist die Mutter im Film durchgängig als recht selbstbewusster, durchsetzungsstarker und auch humorvoller Mensch inszeniert, kippt das am Ende. Dann stellt Ozon eine ziemlich überhöhte, fast mystisch wirkende Mutter im Einklang mit ihrer natürlichen Funktion als Mutter dar. Das ist eine sehr reaktionäre Reduktion von Weiblichkeit, die ihm sicher aus dem alten Feminismus-Lager eher übel genommen wird. Innerhalb der fantastischen Filmhandlung ist es aber wiederum ein legitimes Ende und funktionierendes Mittel, um diese vorherige, starke Pendeln zwischen Sozialrealismus und fantastischem Un-Realismus wieder zum Ruhen zu bekommen.

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