Datumsangaben reizen mich eher weniger

23.11.2009
(FU Berlin, Silberlaube, Straße L)

Dort wo einst die Cafeteria war sind jetzt Seminarräume. Die Cafeteria ist nicht mehr. Geblieben sind ein paar wenige Tische und Stühle im Eingangsbereich der Mensa. Durchgangsstation. Schokocroissant und Kaffee auf die Schnelle. „Für’n normalen Kaffee nehm‘ Sie nicht die großen Pappbecher“, werde ich von der Mensakraft angeherrscht. Die seien nur für Café Creme und für heisse Schokolade. Ich entgegnete, ich hätte Café Creme gedrückt, aber Creme wäre wohl alle in ihrem Kackautomaten. Der gewohnte berlinerische Schlagabtausch mit den Mensakräften ist geblieben. Neu ist in der Mensa, dass man 2,90 Euro nicht mehr bar bezahlen kann. Nur mit Geldkarte. Steht ja auch draußen dran am Eingang. Ging dann aber natürlich doch in bar.

Es ist ein merkwürdiges Gefühl nach sechs Jahren mal wieder in die Uni zu kommen. Eigentlich hat sich nichts geändert, nur die Erinnerung ist verblasst, das Asbest saniert und die Gesichter der heruntergekommen Armutsakademiker, die ungeduldig auf das Mittagessen wartend schon um dreiviertel zwölf vor der Mensa ihre Kreise ziehen, sind trauriger geworden.

Rechnergestützter Multiple Choice Test. Nur so Mittel emphatisch, wenn ich fremde traurige Menschen sehe, aber sehr involviert, wenn jemand verletzt wird. Die depressiven Momente eines Gedankenarbeiters habe ich im Griff, genau wie meinen Alkoholkonsum und meine Internetsucht. Zahlen an sich find ich jetzt nicht sonderlich spannend, auch kann ich nicht behaupten, dass Datumsangaben mich reizen. 60 Minuten voller ausgeklügelter Fragen in prächtiger Redundanz, die eine kleine, erste Annäherung an meine Gefühlscluster versuchten. Eventuell folgen noch zwei weitere Termine. Heute war ich Proband für neurologische Emotionsforschung. Ich brauch das Geld. Hier kann man sich dafür anmelden.

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