Umwerfend! Schnee im Winter! Wer hätte das gedacht?

10.1.2010

Daisy war ja nun kein deutsches Katastrophenereignis. Jedoch am Samstagabend beim gemütlichen Essen mit Freunden der Gedanke, dass die mediale Hysterie um „Daisy“ ja auch davon erzählt, dass in einer heutigen Welt der Vereinzelung die Sehnsucht nach gemeinsamen Erlebnissen besonders groß ist. Die letzte Fußball WM ist nur ein Beispiel für ein solches nationales Zusammengehörigkeitsgefühl. Wetter und Katastrophen können ja sehr gut als unverfänglichen Smalltalk dienen. Und in der Steigerung, wenn man beides zusammen auch noch gemeinsam an eigener Haut erlebt hat, könnte dadurch auch eine Sehnsucht nach Zugehörigkeit befriedigt werden. Außerdem muss man bei Schneechaos vielleicht nicht das Haus verlassen, die Schulen könnten schneefrei haben und man hat endlich mal wieder ein Thema, um drei-vier Sätze mehr als „Mahlzeit“ mit dem Arbeitskollegen aus der Buchhaltung zu wechseln. Das sind alles wichtige Bedürfnisse, das kann man schon verstehen. Trotzdem: Irgendwann werden wir von falschen Katastrophenmeldungen so überreizt sein, dass wir die echte Apokalypse verschlafen werden.

Vielleicht. Vielleicht hat auch RTL eine gewissen Mitschuld an der Medienhysterie, um den heute auf dem Sender ausgestrahlten Sonntagabendkatastrophenfilm (The Day After Tomorrow) zu pushen. Vielleicht haben viele auch einfach nur über die letzten 10 Monate verlernt, was Winter ist. Telefonnummern muss man sich ja heutzutage auch nicht mehr merken.

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