Archiv der Kategorie Internet & Social Media
Wolkenbruch.
Alles gute kommt aus der Wolke. Klimaanlage im Büro kaputt bei 30°. Auf dem Heimweg mit dem Rad dann die ersehnte Abkühlung durch’s Gewitter. Extra getrödelt, damit der Wolkenbruch mich noch erwischt. Zu Hause im Internet dann das Ende der Werbeveranstaltung von Apple verfolgt. Keine Innovation, es wird ein Clouddienste gepusht. Leider noch kein Streaming von Musik. Ist aber egal: Im strömenden Regen sind meine Kopfhörer eh kaputt gegangen.
Bewusst für Sprossen im Mittagessen entschieden.
E-Mail an Mutter mit dem Stand der Dinge geschrieben. Auch inzwischen so eine Tätigkeit, die ich gerne vor mich her schiebe und die als Atavismus aus den Anfängen des Internets anmutet. E-Mail-Freundschaften überhaupt.
Wikipedia, Kulturerbe, Post-Privacy-Amsel
Beim Expertengespräch “Warum muss Wikipedia Weltkulturerbe werden?” gewesen und ehrlich gesagt immer noch nicht überzeugt, ob ich unbedingt die Petition, dass ja, unterzeichnen möchte. War ein gut zusammen gesetztes Podium, ich fand es informativ und gleichzeitig unterhaltsam. Warum jedoch Zweifel, kann ich ganz klar sagen: Ich sehe es als eine wirklich gelungene PR-Idee. Die Bewerbung zum Kulturerbe als Vehikel, um Themen im Kontext digitale Kultur/Wissen auf einen anderen Level zu heben, auch international – super Plattform. Und ja, emotional würde ich sofort zustimmen, wenn irgendwas für mich im Netz relevant ist und gleichzeitig den Status des Siegels “Weltkulturerbe” verdient, dann die Marke “Wikipedia”. Aber da ich ja jetzt andauernd mit PR zu tun habe, tue ich mich irgendwie schwer, darauf emotional zu reagieren und einfach so zu unterzeichnen. Vielleicht weil mich der Ansatz der Petition eher funktionalisiert im Sinne von generischem Agenda-Setting, als dass ich einen konkreten Nutzen für mich persönlich sehe.
Andereseits like und facebookconnecte ich dann auch wieder aus emotionalem Impuls so einen Kurzweil wie gut gemachte Bierwerbung auf YouTube. Es ist eine merkwürdige Zeit, in der wir da agieren.
Disclaimer: Die Macher der Bierwerbung kenne ich persönlich nicht, mit zwei Mitarbeitern des Wikimedia e.V. bin ich befreundet.
Viel wichtiger für heute ist aber, was mir einer der Podiumsteilnehmer lebhaft schilderte, dass eine Amsel heute ein Ei gelegt hat und deshalb seit 31.5. auf seiner Seite per Webcam ins Netz gedingst wird:
Auf meiner Fensterbank brütet eine Amsel.
Eigentlich wollte ich sie nur beobachten ohne sie zu stören,
aber jetzt ist es eine Post-Privacy-Amsel.Dienstag, 31.05.: Erstes Ei, danach im 24Std.-Takt bis zu 5, wahrscheinlich eher 3
Freitag, 10.06.: Frühester Termin Schlüpfen (Schlüpfen dauert bis zu 2 Tage)
Montag, 13.06.: Durchschnittlicher Termin Schlüpfen
Sonntag, 19.06.: Spätester Termin Schlüpfen
Donnerstag 07.07: Die jungen können spätestens jetzt langsam fliegen
Hier geht’s zur Post-Privacy-Amsel: http://linus-neumann.de/amselcam/
Ich glaube, das wird die Tage dort noch spannend. Wie Discovery Channel nur mit Big Brother.
Schatz, wir haben unser Kind verloren.
Kontrollverlust! Gestern war der Tag, an dem unsere Tochter nach einem Ausflug mit der Kita das erste Mal verschwunden war. Einfach weg, großer Schreck. Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert. Die Kita hatte mit Reisebussen einen Ausflug in die Natur gemacht. Es ging schon sehr früh am Morgen los und alle waren prima aufgeregt. Auf der Rückfahrt sind viele Kinder natürlich eingeschlafen und wurden dann zum Aussteigen geweckt. Unsere Tochter – so erzählte sie uns später – wollte aber noch nicht aussteigen, weil sie noch müde gewesen sei und ist einfach sitzen geblieben. Solange, bis der Bus losfuhr. Die Sache hat sich dann aufgeklärt, der Busfahrer auf dem Handy angerufen und er musste dann nochmal 20minuten zurück zur Kita fahren. Sie musste nicht weinen, machte nur große Augen und war stolz, dass sie vom Busfahrer eine Tüte Bretzeln geschenkt bekommen hat. Aufregung also größer als der Schaden.
Bei all dem Gerede um den theoretischen Kontrollverlust durch das Internet, war das echter Kontrollverlust. Das hat natürlich nichts mit dem Internet zu tun, aber ähnlich wie der Kontrollverlust des Internets mit langer Leine und Vertrauen. Natürlich hat man immer Angst, dass dem Kind irgendetwas passiert. Irgendwann lernt man dann, diese Angst zu verdrängen und langsam Vertrauen aufzubauen in Großeltern, Babysitter und Erziehungsinsitutionen. Aber als vage Befürchtung bleibt die Angst. Man war ja schließlich selber mal Kind und weiss, dass es überall Lücken im System gibt. Dass aber das eigene Kind auch mal abhandenkommen kann, darüber möchte man sich eigentlich keine Gedanken machen.
Was lernen wir daraus? Man kann Kinder nicht 100%ig unter Kontrolle haben, auch wenn man noch so perfekt den Tagesablauf durchplant und sich so eine lückenlose Überwachung suggeriert. Man kann Kindern nur beibringen, dass sie nach und nach selber klar kommen da draußen. Könnte man ja mit dem Internet vielleicht auch so probieren.
Vint Cerf gesehen, dies und das gedacht.
Irgendwie musste ich an Planet of the Apes denken, oder vielleicht auch an einen Star Trek Film, wenn dort die ältesten Weisen vom Krieg und von den Anfängen unserer technischen Zeitrechnung sprechen. Das Internet, unendliche Weiten …
Bin gespannt, was passiert, wenn man Wind Surf googlet. Alles PR. Egal.
Vint Cerf, der vor mehr als 20 Jahren gemeinsam mit Bob Kahn das TCP/IP Protokoll entwickelte, damit eine Vernetzung von Netzwerken ermöglichte und also einer der Papaschlümpfe des Internets ist, hat heute erzählt. Angekündigt war:
Die Heinrich-Böll-Stiftung lädt gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und Google Germany zu einem Vortrag von Dr. Vint Cerf, “Chief Internet Evangelist” von Google mit dem Titel „The Future of Security and Open Standards on the Internet“ ein.
Erster Gedanke: Ach, wird schon mal schön probeweise schwarz-grün auf Stiftungsebene koaliert?
Zweiter Gedanke: Lackschuh oder barfuss?
Dritter Gedanke: Google.
Im tatsächlich vorgefundenen Publikum herrschte dann der kohärenter Trend zum konservativen Hippietum oder vice versa zum hippiesken Konservatismus. Schlimme Zeit, so ohne wirkliche politische Opposition. Obwohl ist ja klar: Man hat ja auch Familie und liebt die Natur / Heimatfilme. Ich glaube, wenn das mal zu einer schwarz-grünen Bundesregierung kommt, wird noch einiges an Ideologiegemurkse auf uns zu kommen. Müssen dann unsere Kinder mit uns ausbaden. Auch gut.
Internet. Es ging um die Zukunft der Sicherheit und offener Standards im Internet. Also, an sich nichts Neues. Aber ihr kennt ja diese Plastikkästchen im Flur, die das Internet machen, diese Router. Seit Ewigkeiten frage ich mich ja, wie man das ausspricht. “Ruuter” oder “Rauter”? Der Papaschlumpf des Internets sagt Rauter. Hab mich leider nicht getraut zu fragen, ob das oder der Blog.
Wie war er denn nun? Es war ein guter Vortrag, routiniert, professionell, höflich. Herr Cerf ist natürlich einer von den Guten. Im Kontext “Internet” ist er der Rockstar. Dafür angenehm zurückhaltend. Keine Rampensau. Nicht das, was man unter der Berufsbezeichung “Evangelist” normalerweise an Dampfplauderern vermutet. Eigentlich nur ein älterer Herr aus Kansas, der seinen Beruf als Ingenieur gut gemacht hat und seine repräsentative Rolle ernst nimmt. Ich kann ihn mir gut vorstellen auf irgendeiner Farm, in Jeans, mit seinen Enkeln. So gar nicht #godlike.
Wie wäre es wohl, wenn man die Chance hätte, Edison sprechen zu hören, oder Carl Benz, oder die Brüder Lumière, Gutenberg? Wir würden dankbar und ehrfurchtsvoll klatschen. Das haben wir gemacht.
Wie bei der SPD auch hier nur Brezeln (plus Fruchtspieße und Krabbenshots) zu essen. Kann man also nicht meckern.
Zeig mir Deine Aufenthaltsorte und ich sag’ Dir, wer Du bist.
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Große Aufregung heute unter iPhone-Besitzern. Das iPhone speichert Aufenthaltsorte und sendet diese an Apple, damit man standortbezogene Dienste so gut nutzen kann, wie sie eben auf dem iPhone funktionieren. Damit können Bewegungsprofile von einem hergestellt werden. Was übrigens schon länger bekannt ist. Ein kleines Programm, der iPhoneTracker, macht nun die Daten im Telefon plakativ sichtbar.
Ein schöner Blogstock zum Weiterreichen. Zeigt her Eure Bewegungsprofile! So schaut das beispielsweise bei mir aus. Und ich finde das ja eher faszinierend, als erschreckend. Nur ich kann mich gar nicht erinnern, jemals in Köln gewesen zu sein?
(via: @bosch)
re:publica nachlese.
Ehrlich gesagt, möchte ich das alles gar nicht nachlesen :-P
Ich denke lieber darüber nach, ob wir nicht schon längst in dieser digitalen Gesellschaft angekommen sind. Und vielleicht nur der Zug schon längst ohne uns Digitalavantgarde abgefahren ist in eine Richtung, die uns allen gar nicht so lieb ist. Und an Stelle, dass wir darüber mal selbstehrlich reflektieren: Kindergarten und Förmchenklau bis einer weint. Wir nämlich.
Meine bessere Hälfte zum Beispiel ist jene digitale Gesellschaft. Aber eine, die nicht twittert, bloggt oder sonstwie ihre Meinung aus Motiven der Identifikation mit sich Selbst oder des Verändern-Wollens ins Internet schreiben muss. Meine bessere Hälfte geht nie auf irgendwelche Social Media Veranstaltungen. Was soll sie da auch? Genau.
Was hat meiner besseren Hälfte das Internet je gebracht? Meine bessere Hälfte sucht Wohnungen über das Internet und macht dann dort Telearbeit dank des Internets (heute heißt das Freelancen). Meine bessere Hälfte kauft den silbernen Familienkombi beim 600 Kilometer entfernten Gebrauchtwagenhändler (interessantes, aber unzusammenhängendes YouTube-Video dazu) und schickt mir Elternabendtermine per Google Kalender und Einkaufslisten per Rememberthemilk auf’s Handy (sonst raffe ich Digital-Lurch diese praktischen Dinge nämlich nicht). Das macht meine bessere Hälfte nicht, weil Social Media Spacken oder die Netzpolitik sich darum kümmern, sondern weil die Welt um sie rum so funktioniert. Die digitale Gesellschaft meiner besseren Hälfte findet nicht in selbstverliebten Diskursen auf Blogs, nicht auf Facebook und Twitter statt. Die digitale Gesellschaft meiner besseren Hälfte findet dort statt, wo es praktisch und einleuchtend ist.
Diese Welt, die da so rumfunktioniert ist genauso unsere Welt, wie die der Anderen. Wir müssen aufpassen, dass wir bei allem, was wir tun, praktisch und einleuchtend bleiben. Denn sonst Passwort: Ghettoisierung. Wenn man sich die Zeit genommen hätte, auf der re:publica nicht selbstvergnügt die immergleichen Gesichter Icons zu grüßen, dann hätte man vielleicht gesehen, wie viele Besucher auf der re:publica waren, die sich mit der Materie auseinandersetzten wollen, aber irgendwie verlassen in der Ecke standen. Verlassen, weil der immer größer werdende enge Kreis so sehr mit sich selbst beschäftigt war. Das fand ich übrigens sehr symptomatisch schon auf re:publicas vergangener Jahre. Daran ist aber übrigens nicht die re:publica schuld.
Partizipation, Baby! Sonst fährt der Zug ab. Es könnte nämlich sein, dass wir in unseren Blogs und auf unseren Social Media Veranstaltungen einen gleichsam abgehobenen wie veralteten Netzdiskurs von 2001 pflegen, der da draußen schon lange keine Resonanz mehr findet. So schaut’s nämlich manchmal aus für meine bessere Hälfte. Liebe Internetcommunitygemeinde, wegklicken und ignorieren, was Dir nicht gefällt oder anstrengend ist, war gestern.
Das sind beileibe keine neuen Gedanken. Das hat sich nur auf der re:publica 2011 über alles hinweg gezogen, was ich wahrgenommen habe. Aber das sind die mir wichtigsten Gedanken, die ich aus den vergangenen Tagen mitnehme.
r.i.p.@gmx.de

Heute ist sie von uns gegangen, meine bislang am längsten aktive E-Mail-Adresse. Wir haben zusammen in Kinderschuhen das Internet erkundet. Doch am Ende warst du nur noch Fressen für Spambots, ein Zombie unter Zombies. Noch viel Spass im Web! Ich trauere um tallmer@gmx.de.
Art Project
Endlich! Google hat die alte Internet-Utopie aus den 1990ern vom virtuellen Museum erfüllt und ermöglicht Museumsbesuche vom Sofa aus. Könnte ich den ganzen Tag mit verbringen: googleartproject.com.
Explore museums from around the world, discover and view hundreds of artworks at incredible zoom levels, and even create and share your own collection of masterpieces.
Automotive Photographie

Ich habe mich nochmal etwas mit dem Google Street View Kunstprojekt von Jon Rafman beschäftigt. Auf dem Fotoblog The Nine Eyes of Google Street View sammelt der Künstler Jon Rafman sehr bemerkenswerte Fotographien aus Google Street View. Sein Ansatz ist dabei, in den automatisch produzierten, scheinbar neutralen Aufnahmen Referenzen zu Fotogenres und Stilrichtungen zu suchen. Daraus ist auch eine Ausstellung entstanden, die Google Street Views.
Jon Rafman schreibt selber über sein Projekt in einem Gastartikel auf artfagcity.com:
The world captured by Google appears to be more truthful and more transparent because of the weight accorded to external reality, the perception of a neutral, unbiased recording, and even the vastness of the project. At the same time, I acknowledge that this way of photographing creates a cultural text like any other, a structured and structuring space whose codes and meaning the artist and the curator of the images can assist in constructing or deciphering.
(…)
With its supposedly neutral gaze, the Street View photography had a spontaneous quality unspoiled by the sensitivities or agendas of a human photographer. It was tempting to see the images as a neutral and privileged representation of reality—as though the Street Views, wrenched from any social context other than geospatial contiguity, were able to perform true docu-photography, capturing fragments of reality stripped of all cultural intentions.
Das alles erinnert mich an den Wim Wenders Film “Lisbon Story” von 1994. Darin will ein Regisseur einen Film über Lissabon drehen und legt darauf wert, so zu tun, als ob die ganze bisherige Filmgeschichte nicht stattgefunden hätte. Er zieht alleine mit einer Handkamera durch Lissabon und versucht sich frei von Referenzen seines eigenen Bildwissens zu machen. Das gelingt natürlich nicht. In seiner künstlerischen Not schreibt der Regisseur einen Hilferuf an einen befreundeten Toningenieur. Als der Toningenieur in Lissabon ankommt, kann er seinen Freund nicht finden. Nur den angefangenen Film findet er vor. Er entscheidet sich, zu warten und beginnt seinerseits die Töne der Stadt aufzunehmen. Irgendwann laufen die beiden sich schließlich über den Weg. Der Regisseur ist inzwischen dazu übergegangen, mit einer Videokamera auf seinem Rücken ganz wahllos zu filmen, während er durch die Stadt spaziert, genießt und sich vollkommen frei gemacht hat vom Anspruch des selektiven Blicks eines Kameramanns.
Wim Wenders hat zwar in seinem Film nicht die Google Street View Autos vorweggenommen. Aber Google hat quasi den Anspruch des Filmemachers aus “Lisbon Story” systematisch umgesetzt. Und Jon Rafman re-kontextualisiert das scheinbar neutrale Streetview Bildmaterial und stellt damit implizit die Frage nach dem Zusammenhang von Kunst, dem Zufall und der Selektion des Betrachters im Prozess der automatischen Bildproduktion. Harun Farocki, bitte übernehmen sie!








