Archiv der Kategorie Musik
Vor Jahren …

Ich vor 15 Jahren. 1997 in Berlin Mitte.
Heute morgen, alle schliefen noch, bin ich durch einen Tweet auf das hübsch illustrativ geschriebene Musiktagebuch der De:Bug Rückblick: 15 Jahre Feiern in der Hauptstadt (Teil 1) gestoßen. Nicht dass ich jemals wirklich tief drin war in der Clubszene. Trotzdem beschreibt es eine wichtige Zeit für mich. Die Texte beschreiben in dieser Verdichtung sehr genau, was in den letzten 15 Jahre mit Berlin, den sich dauernd neuschreibenden Hypes um Stadtteile und der Clubszene passiert ist. Kein Grund zur Melancholie. Nur ein Rückblick. Siehe auch Teil 2 und Teil 3.
Und wo wir gerade bei Rückblicken sind (es war ja mein 40. Geburtstag im letzten Monat): Vor ein paar Tagen bin ich im Internet zufällig im Fotostream von @matesl auf ein ein paar Erinnerungsstücke von der Fusion 2006 gestoßen, die ich hier mal rein kopiere. Vor sechs Jahren, süße 34.
<3
Neben all dem billigem Geraffel im Internet, der ganzen Dummheit allerorten, der Marktschreierei, dem Meinungsaufblasen und den peinlichstenen Selbstdarstellungen. Neben also all den dunklen Seiten der Menschheit, vergisst man ja gerne, dass das Internet auf der anderen Seite auch genauso herzlich, hilfsbereit und gefühlvoll sein kann:
I can hear music for the first time ever, what should I listen to? : AskReddit.
Ich lese gute, inspirierente, tolle, bewegende Kommentare auf reddit. Weiß jetzt nicht mehr, was ich fühlen soll. bit.ly/P1Ronq
— Sven Dietrich (@svensonsan) August 9, 2012
Danke für den Link, Sven. Hat mich endlich mal wieder in meinem Glauben an das Gute im/am Netz/Mensch bestärkt.
Bands.
Enkidu live in der Junction Bar, Berlin am 17.8.2011 (Die Band von @3jh)
Ich war in meinem bisherigen Leben ein mal in einer Band. Wir nannten uns “Les Parapluies” und hatten einen Übungsraum über’m “Contra”. Das “Contra” war eine alternative Disco. Oder besser, das “Contra” war eine Alternative zur “Garage”. Ansonsten gab es noch den “Laubfrosch” und eine Zirkuszeltdisco im Industriegebiet Ost. Und Kneipen. Seinerzeit gab es eine oft zitierte Statistik, in der es hiess, dass Lüneburg die Stadt mit der zweitgrößten Kneipendichte pro Einwohner sei – direkt nach Berlin. Das “Contra” gibt es nicht mehr aber Statistiken bestimmen heute immer noch unser Leben.
Das “Contra” war in einem Laden, der vorher mal eine Erotikbar war. Und die Übungsräume über’m “Contra” waren vormals Teil des Freundenhauses. Aus irgendeinem Deal mit dem “Contra” heraus kam H. an einen der Räume als Übungsraum ran. Erstmal musste ja der Übungsraum schalldicht gemacht werden. Dafür besorgten wir nachts ein bis drei Rollen Glasfaserdämmwolle von der Baustelle neben an und tackerten den Mist an die Wände. Hat ganz schön gejuckt.
“Les Parapluies” hatten nie einen Auftritt. Wir haben hin und wieder irgendwie was geübt, aber eigentlich war das nur eine ziemlich coole Möglichkeit, ohne Eintritt ins Contra zu kommen. Vielleicht habe ich das damals auch alles nicht so ernst genommen. Oder das Konzept der Band war mir zu Einstürzende Neubauten. Das ganze hat dann auch nur ein paar Monate gedauert. Wenn man so will, war ich eigentlich noch nie in einer Band. Ich bin aufgetreten in Ensembles, Big Bands, Chören und diversen Theatergruppen. Oder auch solo, aber gerockt habe ich nie.
Ich bin also alles andere als ein Experte, was Band-Kritik angeht. Aber die Band, die ich eben gesehen habe, die rockt mit komplexen Arrangements, schrägem Gesang und melancholischem Pop. Ich hörte Referenzen raus zur Berliner Schule der 1980er, zu Grunge und aber auch mal Aerosmith mit einer Priese Hamburg.
Oder sagen wir so: Ich mochte das Konzert von Enkidu, da es mich auf den Boden gebracht und über Teamarbeit nachdenken lassen hat. Und dass auch Teams Übungsräume brauchen. Und wenn Teams keine Zeit zum üben haben, oder Teams immer wieder neu zusammengewürfelt werden, dann jammen die Leute nur, aber sie werden nie eine Band, die wirklich rockt.
Ach, und jetzt ist auch das Handyvideo des letzten Songs der Zugabe endlich hochgeladen:
Strand-Punk Band
Wissen, Halbwissen und Vorurteile über Punker.
Kennt man den Drummer, kennt man die Band.
Super Mario Musik

Mein Nachbar ist Musiker. Freitag ist es soweit: Seine Band präsentiert erstmals ihr Super Mario Album. 22 aufregende Tracks aus den legendären Nintendo Spielen “Super Mario Bros. 1-3″. Neu arrangiert und mit der fantastischen siebenköpfigen Super Mario Band aufgenommen.
Weltpremiere. Anwesenheit der Musiker. Super Mario Diashow. Record Release Party. Getränke. Erdnüsse. Was will man mehr?
Morgen, Freitag, den 22.10.2010, ab 21:00h in der Jansen Bar gleich bei mir um die Ecke in Schöneberg (Gotenstrasse 71).
Falls ich irgendwelche Super Mario Fans oder sonst nette Leute kenne, könne ich diese frohe Nachricht natürlich weiterleiten.
Kenne ich natürlich. Dich, liebe(r) LeserIn. Komm vorbei. Können wir Bier trinken und quatschen.
(Mein Nachbar findet auch das alles mit dem Internet nicht gut. Das ist ihm nicht geheuer. Das weiss ich. Aber ich dachte, ich mach mal eine Ausnahme.)
RADIO
Ich empfehle den kleinen YouTube-Internetpiratenradiosender radio.elektrospanier.de, weil da Musik drauf ist, die ich mag und kenne. Und weil da Musik drauf ist, die ich nicht kenne und trotzdem mag. Eben das, was Viva und MTV nicht mehr raffen.
Masha Qrella im Festsaal Kreuzberg
Heute der Job inbetween: für Geld rumsitzen und sich in einem Transporter elf Stunden durch Berlin schütteln lassen. Zwischendrin mal was anpacken. Es hat viel geregnet, der erste Schnee, es fuhren eine Menge Autos rum. Auch ein kleiner Blechschaden. Es tut einem zwischendrin mal ganz gut, für rein gar nichts zuständig zu sein. Warum aber müssen Regieassistentinnen immer so sein? Oder sind die einfach so nur so?
Um so mehr ein Grund, diesen Tag mit einem besseren Abend abzurunden auf einem kleinen, familiären Konzert von Masha Qrella vorhin im Festsaal Kreuzberg. Ich bin sehr müde und kein Musikkritiker, daher nur kurz: Analoge Musik, Timing auf den Punkt, melancholisch und mit Wumms, unterstützt von elektronischen Orientierungslinien. Und unterstützt von It’s a Musical! Vorband war kurz Sound of Lucrecia und davor ein Mädchen, dessen Namen ich leider nicht verstanden habe. Sie war gefesselt an ein schwarzes iBook und eine Gitarre, auf der etwas draufgeklebt war, das aussah wie ein iPhone, auf dem eine Mini-Mischpult-App lief und mit ihren Füßen bediente sie eine Loop-Maschine.
Danke für dieses schöne Geburtstagsgeschenk, F.! Habe es sehr genossen. Auch wenn im Hinterkopf schon die Gedanken um meine Podiumsdiskussion morgen kreisen. Wird man je genug vorbereitet sein auf alles?
Und überhaupt: http://www.morrmusic.com/
Michael Jackson ist tot.
Michael Jackson sei tot, hörte ich gerade in der Bar. Das sei sogar schon auf Spiegel Online zu lesen. Daraufhin gab es noch einen weiteren kostenlosen Wodka für alle. Gute Bar. Als wir die Bar verließen, stolperte uns ein junger Mensch entgegen, ob wir schon gehört hätten, Michael Jackson sei gestorben. Ist ein wenig, wie mit dem Tod von Diana. Wenn Pop-Ikonen sterben. Diese Huh-Huh-Hüllen, dieses Agidprop der Popkultur, wenn die Blasen platzen und man viel spürt, aber auch nicht mehr bleibt als heisse Luft.
Daher erstmal dieses Video (Michael Jackson – Dirty Diana):
Damals hörte ich Musik noch im (oder auf dem) Walkman, auf dem Weg zur Schule. Das Album “Bad” habe ich das erste mal bewusst an einem Regentag morgens im Bus auf dem Weg zur Schule gehört. Von Schallplatte kopiert auf Kassette von einem Kumpel, ohne dass das damals schon in irgendeiner Weise urheberrechtlich problematisch war. Damals hatte ich so meine Zweifel mit Michael Jackson. War ja Pop. Ich stand irgendwie eher auf elektrische Gitarren. Doch in jenem Bus an jenem Regentag machte “Dirty Diana” sehr viel Sinn für mich. Erwachende Jungs-Sexualität auch, die da rein spielt. Und das bisschen Englisch, was ich verstand, erzählte von einer verletzten Seele, die sich zwischen Groupies und naja, sowas wie Heimat im Selbstzweifel mit der eigene Rolle als Superstar und eben jener verletzen Seele findet. Das konnte ich verstehen. Besonders die letzen Sekunden des Videos zeigen diese Leere zwischen Bühnenperformance und dem Wunsch nach Zurückgezogenheit. – - – Eben in der Retrospektiver des Videos fällt mir nur auf, dass die Nase damals schon … und der Gitarrist sieht aus wie der eine vom Tokio Hotel. Trotzdem, diese schattigen Frauenbeine – in den 1980er war das für eine junge Jungenseele schon viel mehr, als man zu träumen vermochte.
Ganz anders gelagert war das dann schon vorher mit “Thriller” und mir und meinen Eltern. Als “Thiller” in der öffentlichrechtlichen Musiksendung “Formel Eins” Premiere im deutschen Fernsehen hatte, erlebte ich das erste mal TV-Zensur. Vormals war es mir immer irgendwie erlaubt, Fernsehen zu sehen. Musikvideos auf “Formel Eins”, oder Serien am Abend, oder am Wochenende alles, was da so kam. Ich konnte in diesem Rahmen damals so gar nicht verstehen, warum ich diese Deutschlandpremiere von der Langfassung des Thriller-Videos im TV nicht beiwohnen durfte. Wahrscheinlich hatte mal wieder ein medienkompetenter Altschnösel bei “Die Zeit” dazwischengeschossen. Jedenfalls, ich durfte das Video nicht im Fernsehen sehen, sondern musste mir das dann über wenige Umwege auf VHS-Tape auf dem Schulhof besorgen. Aber schaut nochmal selber: Micheal Jackson – Thriller (Full version, 13 min). So fett krass war das nicht, um das so vehement zu verbieten. Für seine Zeit krass, aber verkraftbar, weil filmhistorisch nur noch Zitat einer Filmgattung, die in den 1980ern langsam in den subkulturellen Mainstream gedrungen war. Es war damals wie heute mit dem Internet und den Politikern. Wir, als 12-Jährige hatten Zombies schon längst als Geisterbahn-Kunstfiguren und populärkulturelle Kommunikationsmetapher verstanden. Für unsere Eltern waren Scheintote aber noch gar nicht abbildbar. Ich nehme das meinen Eltern nicht übel. Was ich ihnen aber übel nehme ist, dass sie mir in ähnlicher Zeit verboten haben, “Traumschiff” zu sehen (“Das sind da alles Zombies, schlimm, schlimm”).
Das war’s dann auch schon von mir und Michael Jackson. Zu dem ganzen Kinderfickerkram kann ich nichts sagen. Drogen und Macht und Naivität und Jugendstarrsinn sind ein schwieriges Gefüge. Gerade erst heute musste ich wieder drei Müttern auf dem Spielplatz bei ihrem lautstarken Gespräch zuhören: Sie sprachen über das Fernseh-Casting ihrer Kleinkinder, was sie gerade hinter sich hatten. Medienhuren.



