Archiv für Internet & Social Media

re:publica 2013 – subjektiver Kurz-Rückblick.

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War natürlich wie immer total gut. Die Vorträge wie immer auch nur mal solala, aber thematische Inspiration erkennt man ja meist erst später, wenn daraus etwas fruchtet. Beispielsweise gärt bei mir der Gedanke, sich stärker mit Robotern aus kultureller Perspektive zu widmen. Vielleicht ein Roboter-Blog.

Für mich war dieses Jahr die re:publica des Im-Nachhinein-Vorträge-auf-Video-Ansehens. Wieder konnte ich mich jobbedingt nicht alle drei Tage voll auf die re:publica einlassen. Ein starker Eindruck, der mir auch nach einigen Tagen noch bleibt, und den ich auch von anderer Seite gehört habe, ist der Vergleich der re:publica mit dem Kirchentag. Da sitzt man also in großen Hallen, hört sich die Predigten von Internetauskennern an die Internetgemeinde an. In den großen Räumen verhallen die Reden, während man selber auf seinem Telefon wie in einem kleinen Gesang- oder Gebetbuch blättert und auf Twitter scannt, was die Gemeinde gleichzeitig auf den anderen Veranstaltungen erlebt. Sehr viel Frontalpredigt. Sehr viel Powerpoint. Dadurch nicht gerade sehr viel inhaltliches Engagement.

Ich hoffe ja seit Jahren darauf, dass die Vortragenden auf der re:publica einmal neue Präsentationsformen finden und ausprobieren werden, die über (mehr oder minder sehenswerten) Powerpointcharts und so minimalen Interaktionskonzepten wie Fragen aus dem Publikum am Ende des Vortrags hinaus gehen. Alles muss man selber machen. Machen.

Schön war die re:publica aber natürlich trotzdem. Michael Kreil hat hier eine Programmübersicht mit allen re:publica 2013 Videomitschnitten bereit gestellt. Da hat man bis Weihnachten zu tun.

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PS: Diese Session der Ironblogger Blogs und Bier? Das lob’ ich mir! (YouTube Link) war eine der Besten, die ich auf der re:publica gesehen habe. Auch wenn ich das Thema schon kannte: Straight durchmoderierte und solide vorbereitete Gruppenveranstaltung, ansehnliche visuelle Unterstützung durch wenige Charts, frei sprechende Teilnehmer. Lebendige Publikumsinteraktion. Bier. Was will man mehr? Die Ironblogger Deutschland suchen laufend neue Verbündete.

12. Mai 2013 von Tillmann Allmer
Kategorien: Gesellschaft, Internet & Social Media | Schlagwörter: , , , , , | 2 Kommentare

Meine Mutter …

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(in: Die ZEIT, 27.12.2012, letzte Seite)

Auf der Rückfahrt aus Weihnachten nach Berlin schrieb mir meine Mutter eine SMS, ob ich denn schon die aktuelle ZEIT gelesen hätte, die letzte Seite. Hatte ich natürlich nicht, denn ich lese Zeitungen wenn, dann nur noch fragmentiert online (ja, Zeitungssterben). Ich verneinte und fragte, worum es denn ginge. Ich solle selber lesen, antwortet sie. Link or it didn’t happen.

Als ich dann während eines Tankstellenstopps endlich diese Zeitung in der Hand hielt und die letzte Seite aufschlug, sah ich sofort, worum es ging. Sie hatte einen Leserbrief geschrieben. Es ist schon eine Sache mit der Erinnerung und der Flüchtigkeit von Dingen. Das Bild habe ich sofort erkannt. Ich wusste aber nicht, dass das da immer noch an einer Wand hängt. Ich kann mich tatsächlich auch gar nicht mehr an die äußeren Umstände erinnern, wie und wann dieses Stickbild. Welche Klasse? Welche Kinder waren noch in der Klasse? Wie hieß die Lehrerin? Nicht nur das Digitale ist flüchtig, Erinnerung ist flüchtig.

Und während gerade überall im Blogland gerufen wird, wir sollen alle wieder mehr bloggen und uns das Internet zurück erobern, denke ich, wir sollten alle wieder viel mehr Leserbriefe schreiben, um den Redaktionen der klassischen Medien zu helfen, relevant zu bleiben.

Außerdem hat sich Huck wunderbar damit beschäftigt, mit was für Fragen ich in meinem Daily Job als Interneterklärbär konfrontiert bin, was ich da so mache und denke, aber nie laut zu erzählen wagte.

29. Dezember 2012 von Tillmann Allmer
Kategorien: Allgemein | Schlagwörter: , , | 5 Kommentare

<3

Neben all dem billigem Geraffel im Internet, der ganzen Dummheit allerorten, der Marktschreierei, dem Meinungsaufblasen und den peinlichstenen Selbstdarstellungen. Neben also all den dunklen Seiten der Menschheit, vergisst man ja gerne, dass das Internet auf der anderen Seite auch genauso herzlich, hilfsbereit und gefühlvoll sein kann:

I can hear music for the first time ever, what should I listen to? : AskReddit.

Danke für den Link, Sven. Hat mich endlich mal wieder in meinem Glauben an das Gute im/am Netz/Mensch bestärkt.

09. August 2012 von Tillmann Allmer
Kategorien: Allgemein, Internet & Social Media, Musik | Schlagwörter: , , | Schreibe einen Kommentar

Irgendwas mit Medien machen.

Vor ein paar Wochen war ich zu einem kleinen Filmclub eingeladen, bei dem es darum geht, all die Filmchen aus dem Internet, die man sich für “später ansehen” irgendwo hinbookmarkt, mit einer wohl ausgesuchten, kleinen Gruppe gemeinsam anzusehen und drüber zu sprechen. Ich nahm zu dieser Gelegenheit eine Freundin mit Filmhintergrund mit, wir tranken zuvor noch ein Bier und dabei kam die Frage auf, was ich wohl jetzt arbeiten würde, wenn es das Internet nicht gäbe. Meine spontane Antwort war, ganz klar, dann wäre ich sicher Fernsehredakteur oder Producer in einer Filmproduktion, ähnlich wie mein Vater. Denn ohne das Internet würde es beim Film und beim Fernsehen sicher viele Jobs geben.

An diesen natürlich nicht ganz so eindimensionalen Themenkomplex schloss dann gleich der erste Film des Abends an: Dominik Graf spricht in einem Interview mit cine-fils.com über das Fernsehen. Dominik Graf – wer in nicht kennt – ist 20 Jahre älter als ich und hat sowohl als Regisseur als auch als Filmkritiker eine leidenschaftliche wie reflexive Sicht auf Film und Fernsehen. Und er gehört sozusagen der Generation vor meiner Generation an, die “irgendwas mit Medien” machen.

Besonders interessant finde ich ab Minute 5:25 des Interviews die Gedanken von Dominik Graf zur verkalkten Medienapparatur Fernsehen, der bestehenden Kluft zur jüngeren Generation von Medienmachern und zur Verdummung der Zuschauer. Nachdenkliche, ehrliche Worte.

Ist mir in den letzten Tagen immer mal wieder durch den Kopf gegangen. Können sich eigentlich alle mal fragen: Was würdest Du heute arbeiten, wenn es das Internet nicht gäbe?

08. August 2012 von Tillmann Allmer
Kategorien: Film, Internet & Social Media | Schlagwörter: , , , , | 1 Kommentar

Es war ein stürmischer Tag in meinem kleinen Blog.

Blogstatistik

Es war ein stürmischer Tag in meinem kleinen Blog. Mein letzter Artikel hat heute, an nur einem Tag, so viele Unique Visits erhalten, wie ich nicht mal im gesamten Jahr 2010 hatte. Und das nur, weil der Artikel heute morgen in einer Linksammlung auf Bildblog aufgenommen wurde. Das zieht wie Hechtsuppe. Soviel Kommentar-Feedback hatte ich noch nie zu einem Text. Eine schöne Meinungsdiversität und einige gedankliche Anregungen. Dafür Danke. Beruhigend auch, dass der Server gehalten hat. Konnte ich das auch endlich mal austesten.

11. Januar 2012 von Tillmann Allmer
Kategorien: Allgemein, Internet & Social Media | Schlagwörter: , , , , | 2 Kommentare

Communitycamp Berlin 2011 – Teil 2

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Ich bin auf dem Communitycamp Berlin. Dies ist, was am Nachmittag passierte (zum Vormittag bitte hier lang).

Dritte Session: Facebook Fanpages für Unternehmen

Yasmin Mansukhani von der Telekom berichtet ein wenig aus dem Nähkästchen und regt zum Erfahrungsaustausch im Bereich Communitymanagement auf Facebook an. Gilly nimmt den Ball auf und erzählt von LG: Problem ist z.B. Fanpages für Produkte, die schnell veralten (also z.B. Handys, die 1 Jahr aktuell sind, danach liegt da eine tote Community). Gilly sieht da eher Potential, Produktkampagnen auch auf der Unternehmenspage zu machen, um so die Community immer mehr an das Unternehmen zu binden und nicht immer wieder neu eine Produktcommunity aufzubauen. Spannende Frage: Spezielle Produktseiten versus allgemeine Unternehmensseite und wo bietet ein Unternhemen den Customersupport an. Schwierigkeit der Verteilung von Zuständigkeiten im Unternehmen und natürlich auch, was man konzeptionell mit einer Facebookpage will – Marketing oder Support? Viele Argumente pro und contra. Ich finde ganz interessant, dass sich in der Runde das Thema Communitymanagement auf Facebook so vehement auf den Bereich Kundensupport kapriziert. Aber ist ja verständlich: Support ist das Hauptinteresse von Usern und der Kunde will, dass die Supportantwort schnell erfolgt. Das kann einem Communitymanager natürlich Kopfschmerzen machen. Da sind andere, eher marketinggesteuerten Communityaktivitäten (wie lustige Umfragen oder Erzählt-Eure-Story, Lade-dein-Fotohoch-Gedöns) eher zweitrangig.

Die Diskussion schwenkt in dem Moment, wo ich das schreibe, hin zur Frage, “was macht ihr sonst auf den Fanpages? Kommuniziert ihr, entwickelt ihr neue Produkte, was für Ideen gibt es über den Kundensupport hinaus?”.

Spoiler: eine Antwort auf diese Frage wird es nicht geben. Aber ein Beispiel: Fanpage einer Krankenkasse. Eine Kommunikationsagentur hat einer Krankenkasse eine Facebookpage verkauft und nun ist die Frage, was machen wir eigentlich mit den Fans? Ursprünglich sollte mit der Page wohl der Vertrieb angekurbelt werden. Das klappt aber nicht. Natürlich nicht, sagt, @peate, Facebook Pages für Vertrieb seien Quatsch. Der Vertrieb fände woanders statt. Eine Krankenkasse müsse Mehrwerte für User geben, die bereits Kunde sind. Und zwar, das, was Kunden interessiert und nicht irgendwelche Unternehmensmeldungen. Allgemeines Kopfnicken.

Es kommt also drauf an, was man auf Facebookpages für Unternehmen so macht. Und natürlich geht es um die KPIs des Unternehmens. Die Frage nach dem “was bringt’s?” muss spätestens beantwortet werden können, wenn die Chefs die Frage stellen. Doch wie soll man harte Kennzahlen anwenden auf inhaltliche Auseinandersetzen. Und schon entfaltet sich der alte Reflex des Social Media Menschen: Nein, nein, nein, dass kann man doch alles gar nicht messen. Leider ist die Session zu Ende, wo es gerade spannend wird…

Grundsätzlich gilt aber: Alles was cute ist, funktioniert immer. Auch auf Facebook.

Vierte Session: The big radioeins community fail

Es geht um einen kommunikativen Fail einer Neuerung bei Radio Eins. Sessionleiter Marcus Bartelt hat die Session folgendermaßen angekündigt:

Eines Morgen wachte ich auf – und mein Lieblingssender klang nicht mehr wie früher. Das war nicht schön, aber man gewöhnt sich ja an alles… aber was in den folgenden Tagen im Netz – und insbesondere in der großen Facebook-Community – geschah, war zwar noch kein shitstorm, aber doch schon eine heftige Reaktion auf die Neuerungen. Eine Reaktion, die (zu?) lange ohne Reaktion vonseiten des Senders blieb.
Was ist da eigentlich genau passiert? Welche kleinen Fehler in der Kommunikation haben zu der großen Unzufriedenheit beigetragen? Können 20 Unzufriedene eine ganze Community infizieren? Und wie kann ein Medium wie ein Radiosender diese Kraft der leidenschaftlichen Hörer für die Entwicklung neuer Formate nutzen?
Ich freue mich wirklich sehr, dass Volker Düspohl, radioeins Prozessmanager online, mit mir zusammen und aus der Sicht von radioeins die Ereignisse aufarbeiten wird und wir uns gemeinsam mit euch fragen werden, was daraus zu lernen ist – und wie man es zukünftig besser machen kann.

Um es zusammenzufassen: Die Situation wurde unterschätzt (die Radio Eins Community ist ansonsten recht pflegeleicht). Man hatte nicht geplant, die Änderungen zu kommunizieren und auch hier die Situation unterschätzt: man hatte vorher noch nie derart viel am Programm und Sendedesign geändert. Aus Versehen war irgendwo eine Prüfliste von Radio Eins online, die von Höhrern als Streichliste interpretiert wurde. Aufgrund personellem Engpass wurde nicht schnell und flexibel genug geantwortet. Und worauf sonst auch gern gesetzt wird – Selbstreinigungsprozesse der Community – haben nicht gegriffen.

Frage aus der Runde: Was konkret würde man zukünftig beim Sender anders machen? Antwort: Schneller und flexibler reagieren, immer wieder Wasserstandmeldungen geben und darauf verzichten, die Standardupdates zu posten. Nachfrage: Die Facebookseite bleibt also prinzipiell Top-Down? Antwort: Man überlegt weiterhin und legt wert darauf, Hörer-Feedback einzubinden, aber nicht nur über Facebook, sondern über unterschiedliche Möglichkeiten.

Insgesamt eine irgendwie ausweichende Session mit verschränkten Armen, fand ich.

Fünfte Session: Schmutzige Tricks des Community Managements auf Facebook Seiten (von @snoopsmaus

Romy startet gleich mit dem größten Trick: Man kann Userpostings verbergen, jedoch kann der User (und evtl. Freunde) das Posting trotzdem noch sehen. Weiterhin kann man als Admin auf dem verborgenen Posting weiterhin kommentieren und z.B. deeskalieren. Wichtig bei dem Verbergen ist, dass noch kein anderer User das Posting gesehen hat. Dann berichtet Romy von einem kleinen Selbstversuch auf einer Facebookseite eines Magazins, der hier verbloggt wurde. Romys Fazit: Verbergen von Postings und Blocken von Usern sollte man immer moderieren.

Trick 2: Netiquette auf der Facebookseite einrichten (was übrigens gern in Deutschand gemacht wird aber z.B. in USA gar nicht üblich sei). Man kann dann Störer freundlich auf die Netiquette verweisen, um den Troll dann ggf. im nächsten Schritt zu verbergen oder gar zu verbannen. Man erkennt als User, dass man von einer Facebookseite geflogen ist, wenn man die Seite zwar noch liken kann, aber nicht mehr kommentieren.

Trick 3: Man bekommt aus der neuen Facebook Statistik ein paar ganz interessante Insights über User, Reichweite und den Erfolg der eigenen Postings, die nicht unbedingt konform sind mit dem deutschen Datenschutzrecht (ach!). Entsprechend kann man Themenplanung auf der Facebookseite entsprechend anpassen, um seine Community zu “manipulieren”.

Trick 4: Niemals Third-Party-App (z.B. Tweetdeck) verwenden, um Kundenseiten zu pflegen. Man läuft Gefahr, dass man sonst nicht gesehen wird, weil diese Third-Party-Apps ausfilterbar sind. Also: immer direkt auf Facebook posten. Ansonsten auch gern mal mehr Fotos – die werden nämlich eher angesehen und geliked.

Frage nach SEO auf Facebook. Antwort, Facebookseiten werden von Google nicht erfasst. Aber mehr Postings, die mehr diskutiert werden sind sichtbarer in den Timelines der Facebooknutzer. Zu dem Thema hab ich mal schnell hier ein paar Tipps ergoogelt.

Sechste Session: Open Innovation bei Stayscout (von Tobias Jordans)

stayscout.de ist eine Alumni-Plattform für Pfadfinder, die auf der Plattform integriert einen zentralen Ort für Open Innovation aus der Community bereit stellt (umgesetzt mit Uservoice), also für Verbesserungsvorschläge und so. Tobias stellt zunächst die Plattform vor, die an sich wie ein Forum funktioniert. Zum Teil sind da Supportanfragen zum anderen Teil eben auch konkrete Featureanfragen oder Beschreibungen von Wünschen und vagen Bedürfnissen. Spannend an Open Innovation sei, wenn man neue Ideen und Features mit den Usern bespricht und sie auf die Reise der Verbesserung mitnimmt und einbezieht. Tolle Sache, ich bin jedoch schon etwas zu müde, um der Sache im Detail zu folgen.

Vielen Dank den Organisatoren für den gelungen Barcamp-Tag. Internet ging und Essen war lecker.

29. Oktober 2011 von Tillmann Allmer
Kategorien: Internet & Social Media | Schlagwörter: , , , , | 7 Kommentare

Communitycamp Berlin 2011 – Teil 1

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Ich bin auf dem Communitycamp Berlin. Dies ist, was am Vormittag passierte. (Teil 2 zum Nachmittag hier lang.)

Erste Session: Gesundheit von Communities (von: @BertSchulzki)

Motor Talk hat zusammen mit einem Studenten ihre Auto-Communities untersucht nach Indikatoren für die “Gesundheit” ihrer Micro-Communities. Dabei haben sich einige Kriterien herauskristallisiert:
- Anzahl der abonnierten vs. der aktiven Themen
- Anteil der neuen Themen ohne Antwort
- Anzahl der Dankeschöns pro Beitrag
- Anteil neuer Themen an den Beiträgen

These: Überalterung der Community-Mitgleider ist ein Kernmerkmal für ungesunde Communities. Communities haben nur einen bestimmten Lebenszylus. Kein Nutzer ist für immer aktiv in einer Community, das sich Lebensumstände und Interessen ändern. Das leuchtet ein.

Interessant aber auch die Frage, wie sich stark vernetzte Stammuser mit hohem Deutungsanspruch negativ auf die Gesundheit von Communities auswirken können. Daher die Überlegung bei Community-Betreiben, wie man mit Community-Veteranen umgehen kann (oder gar bannen).

Bert wird am Montag alles aus der Session auf seinem Blog veröffentlichen.

Zweite Session: Social Media und Nachhaltigkeit

Spontane Session zum Thema, die erstmal mit einer netten Vorstellungsrunde begann. Es stellen sich zu den recht großen Begriffen “Social Media” und “Nachhaltigkeit” zwei Interessenbereiche in der Runde heraus:

Erster Themenbereich: Nachhaltigkeit bei Communities – wie kann man eine Community halten, wie kommen neue Leute dazu, wie kann man Interesse aktivieren. Etwa in einer Community, die 3-5 Jahre alt ist. Da gibt es verschiedene Erfahrungen. Ein Kernbereich: Man trifft sich. Face to Face Austausch. Onlinebekanntschaft in den Meatspace holen. An sich aber scheint mir Nachhaltigkeit in Communities ein weites Feld mit vielen Variablen.

Zweiter Themenbereich: Produkte und Nachhaltigkeit. Wen interessiert’s? Eher pessimistische Hauptthese der anwesenden Nachhaltigkeitsanbietern: Wenn das Produkt nichts taugt, dann interessiert die Kunden Nachhaltigkeit und Ökologie des Produktes nicht. Es gibt eine gewisse Einigkeit von anwesenden Online-Anbietern von nachhaltigen Produkten (Wein, Reisen, etc.): Auf Twitter erreicht man keine Kunden zu dem Thema Nachhaltigkeit. Auf Facebook schon eher. Nachhaltigkeit ist z.B. bei Reisen ein nettes Goodie, was aber am Ende zählt ist Preis-Leistungsverhältnis. Unter Umständen ist der Kunde bereit, einen gewissen Mehrpreis zu zahlen. Meine Frage dazu in die Runde: was bieten Nachhaltigkeits-Anbieter ihren Kunden über das gute Gewissen hinaus? Also, wie kann ich unter meinen Freunden – offline und online – damit angeben, dass ich mich für ein nachhaltiges Produkt entschieden habe. Was bieten Nachhaltigkeits-Anbieter, damit Kunden – über ihr gutes Gewissen hinaus – das Produkt weiterzuempfehlen oder indirekt sich damit zu präsentieren (Stichwort: Statussymbol, Markenausstrahlung und Repräsenation von Nachhaltigkeit). Antworten sind unterschiedlich: Man erzählt Stories zu den Produkten, oder man bietet Patenschaften für ökologische Nischen in Weinbergen. Auch ein vielfältiges Feld, die Repräsentation von NachhaltigkeitÖkologie.

Viele offene Fragen. Jetzt gibt es Mittagessen.

29. Oktober 2011 von Tillmann Allmer
Kategorien: Internet & Social Media | Schlagwörter: , , , , | 6 Kommentare

Telefonisch erreichbar gewesen. Wie immer.

Tage, wie dieser, die man sich vorgestellt hat, wenn man vormals Gleichaltrige mit grauen Haaren gesehen hatte, und sich dachte, das käme sicher vom Stress in der Agentur.

Die Erkenntnis, dass der Durchbruch mit dem mobilen Internet und den Touchpads und iPhones und all dem Zeug gerade erst anfängt. Nämlich jetzt gerade an dem Punkt, an dem sich unsere Elterngeneration langsam einredet, dass sie diese schicken Geräte auch brauchen und nach wenigen Tagen Nutzung schon Thesen zu psychologischen Wahrnehmungsverschiebungen und sich verändernden Gesellschaftsdiskursen formulieren.

“I love it – it is very exciting. It’s a wonderful way of finding out about things. But I must say it’s a dreadful waste of time. I’m sure there are lots of other things I should be doing rather than playing on a computer.” (Meet the iGran: 103-year-old Lillian becomes world’s oldest Facebooker (and updates from her iPad))

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“Familie.” (Von links nach rechts: kleiner Bruder, Vater, große Schwester, Mutter, Katze)

26. Oktober 2011 von Tillmann Allmer
Kategorien: Gesellschaft, Handy, Internet & Social Media, Kinder | Schlagwörter: , , , , , , | 3 Kommentare

Individualisierung und Distinktion.

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Autobahngedanken. Am Wochenende auf der Autobahn haben wir uns über die Anderen unterhalten. Diese Anderen, die Aufkleber vom Fusion Festival auf ihren rostigen Panda kleben. Die, die eine Sylt-Silhouette auf ihr Cabrio kleben. Oder die, mit dem “Free Tibet” Sticker, damit der getunte Golf geerdet ist. Baby on Board auf den Kombis und Pinups auf dem Kleintransporter, die Individualisierungsindustrie fängt bei Kleinigkeiten wie Autoaufklebern oder lustigen MacBook-Skins an und ihr kennt das ja aus eigener Erfahrung, wo das dann endet. Um bei dem Autobeispiel zu bleiben. Egal, wie individuell wir unser Auto variieren, wir fahren im übertragenden Sinne alle Auto und stellen das übergeordnete Konzept, überhaupt ein Auto zu besitzen, auf das man einen Aufkleber kleben könnte, dabei überhaupt nicht in Frage.

Neulich im Kurzurlaub. Im Zivilluftschutzbunker auf Helgoland bekam man einen guten Eindruck davon, wie es wohl war, zusammengedrängt mit lauter Fremden auf so engem Raum. Und dass man sich lieber nicht vorstellen will, wie die Bunkersituation mit Mitgliedern unserer heutigen Gesellschaft ablaufen wird. Individualisten und Egoisten, Diven und vom Kapitalismus geprägte Kämpfernaturen zusammengedrängt auf engstem Raum. Das wird bestimmt lustig, so oder so. Katastrophen und so was ähnliches sollen die die Menschen ja zusammen bringen und vereinen, sagt die Kerndramaturgie eines jeden Katastrophenfilms. Aber kann man sich da so sicher sein, dass das nicht in die entgegengesetzte Richtung Zombiefilm-Dramaturgie kippt? Gerechtigkeit als Überlebensstrategie.

Individualisierung und Distinktion treibt uns in die Arme von Internet und Social Media. Dort können wir “ich” sein, uns unverbindlich miteinander verbinden und uns von den anderen abheben. Damit, dass wir das Internet als unser Biotop deklarieren unterstützen wir die Individual-Gesellschaft und – oha – letztendlich den Kapitalismus. Nichts gegen Geld und Konsum, aber …

Zombie Walk 2010
(Photo “Zombie Walk 2010″ by rodolphoreis)

20. Juli 2011 von Tillmann Allmer
Kategorien: Allgemein, Gesellschaft, Internet & Social Media | Schlagwörter: , , , , , , , | 7 Kommentare

Die Leu+e wollen, dass was passier+

Wir langweilen uns zu Tode. Wir nutzen seit Jahren Twitter, Facebook und Dingsr und Bumxing. Wir wissen, wie man die gängigen Tools rockt. Ein neues Meme oder unsere Selbstspiegelung jagen wir beiläufig beim Zähneputzen durch unseren Onlinebekanntenkeis. Dabei weinen wir den lebenden Toten, den Netzwerken von vormals wie Friendster, Myspace, Second Life, keine Träne hinterher. Wir sind Heuschrecken. Seit vier Jahren hat sich in der Social Media Landschaft nicht wirklich viel geändert – was die Plattformen angeht. Die Änderungen sind subtil, ständig werden Funktionen erweitert, das Design angepasst, die Plattformen ausgebaut, die Verknüpfung von Daten erweitert. Hier und da ein neues Nischennetzwerk. Aber im Kern bleibt es bei der ursprüngliche Idee des Internets: Dezentral vernetzen, Informationen teilen, freundlich sein.

Die Netzwerke, die sich in den letzten vier Jahren etabliert haben, haben sich im Kern nicht verändert. Wir sind aber Heuschrecken. Wir langweilen uns schnell und wollen weiterziehen. Die Leude wollen, dass was passiert.

Heute hat Google begonnen, sein nagelneues Social Network Google+ auch in Deutschland zu streuen. So sieht das aus:

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Im Kern ist es eigentlich ein Facebook-Clone. Was aber Google+ von Facebook unterscheidet ist, dass es kein eingezäunter Garten ist, sondern dass es das Potential hat sich als relevante Schicht über das ganze Internet zu legen. Ein Social Network, das immer da ist. Was Google+ strategisch schon jetzt besser macht als Facebook ist das Hinausragen in das gesamte Internet. Google ist bereits heute das Internet. Facebook ist ein geschlossenes System, das mit seinem externen Like-Button oder Facebook Connect Anker nach Außen wirft. Google+ ist “nur” ein weiteres Interface von Google unter all den Google-Services, das dem eigentlichen Kerngeschäft dient: des Verstehens und Verknüpfens von Daten- und Informationsströmen im Internet. Könnt ihr Euch noch dran erinnern, dass Google Jahre nachdem es gut funktionierende Freemail-Anbieter gab, auf einmal GMail launchte? Das machen die ja übrigens nicht aus Spass. Das machen die, um relevante Services als Interface zu unserem Verhalten zu bauen. Jetzt hat Google begonnen ein Social Network in ihre Strategie integriert. Dein Social Graph aus dem Google-Imperium wird deine Google-Suchergebnisse mit beeinflussen. Facebook und Internetsuche? Allein schon die Suche innerhalb von Facebook funktioniert ja nur solala.

Unter uns: im Grundprinzip des Internets – Geben-und-Nehmen – ist Google besser als Facebook. Wir geben Daten, Google gibt ziemlich gute und nützlichen Services. Facebook nimmt Daten, wir bekommen kurzweiliges Entertainment, das uns schnell langweilt.

Und ausserdem, was der Popkulturjunkie sagt: WARUM GOOGLE+ ETWAS RICHTIG GROSSES WERDEN KANN:

Das alles ist noch gar nicht so spannend. Doch das, was daraus entstehen kann – das ist es, warum ich an eine große Zukunft von Google+ glaube. Ich war nie ein großer Freund von Facebook. Das abgeschottete System des Netzes im Netz hat mich immer gestört. Warum sollte ich Leuten in Facebook Messages schreiben, dort Spiele spielen, wenn ich das doch auch alles im richtigen Internet kann. Genau da sehe ich die großen Möglichkeiten, die Google+ bieten kann, wenn die Entwickler es wollen. Denn: Google hat zu fast allen wichtigen Aspekten des Netzlebens Tools und Angebote, die im Internet existieren – und nicht in einem abgeschotteten Facebook-Netz.

01. Juli 2011 von Tillmann Allmer
Kategorien: Allgemein, Internet & Social Media | Schlagwörter: , , , | 14 Kommentare

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