Archiv für Rituale
Kein Alkohol. Die letzten 14 Tage.
Die kurze, selbst auferlegte Fastenzeit ist vorbei. Ich habe vier Wochen keinen Alkohol getrunken. Nach 14 Tagen hatte ich darüber schon einen Blogartikel geschrieben, der – für mich doch auch sehr überraschend – ziemlich viel blödsinniges und größtenteils sehr krudes Feedback auslöste (wurde drüben bei Falk Schreiber gut zusammengefasst). Die Kommentare kamen hauptsächlich von Leuten, die teilweise sehr vehement geltungsbedürftig, keinen Alkohol trinken und meine persönlichen Notizen in die unterschiedlichsten Richtungen interpretierten. Schnell wurde die Diagnose gestellt, ich sei süchtig. Und dass 14 Tage ja nun nichts seien und was ich mir denn herausnehme, mich so wichtig zu machen. Und dass ja übrigens alle Leute, die Alkohol trinken, ziemlich arme Würstchen sind.
So was ist sehr spannend! Durch so etwas kann man an eigener Haut erleben, wie das Mainstream-Internet in Deutschland so tickt. Und ich weiß, die Kommentatoren waren im Vergleich zu anderen Diskursen ja noch recht handzahm. Nun, egal. Was ich gleich als erstes loswerden möchte: Ihr nichtalkoholischen Wutbürger da draußen, ihr könnt mich nicht in Euren Reihen wähnen! Das Leben ist zu kurz, um es nicht auch durch traditionelle Kulturtechniken umfassend zu genießen. Rausch ist eine der ältesten Kulturtechniken unserer Spezies und gehört zum Leben einfach dazu. Die berechtigte Frage ist natürlich, in welchem Ausmaß?
Sucht? Kommt auf die Definition an. Körperliche Suchterscheinungen haben sich mir nicht gezeigt. Ja, 14 Tage (und jetzt vier Wochen) sind keine Zeit. Ja, es gibt Leute, die machen das regelmäßig über einen Zeitraum von sechs Monaten. Ja, gibt Leute, die ihre ganze verdammte Ernährung auf kosmische Bio-Strahlung umgestellt haben, und sagen damit überhaupt gar keine Probleme zu haben. Und ja, auch das mit der Bio-Strahlung beweist: es gibt tatsächlich viele arme Würstchen – mit und ohne Alkohol.
Das Universum ist eine wundervoll schillernde Seifenblase in der wir alle unsere Berechtigung haben und jeder machen darf, was er will. In diesem Weblog hier, dreht sich halt aber das verflixte Universum um mich. Und ich habe mal einfach nur aus so einer netten Idee heraus vier Wochen keinen Alkohol getrunken. Nicht mehr, nicht weniger.
Was hat mir nun diese kurze Enthaltsamkeit gebracht? Interessant an einigen Kommentaren war, dass sie mich noch stärker über meine Alkoholgewohnheiten nachdenken lassen haben. Dafür noch mal Danke. Super waren auch die diversen Gespräche mit Freunden und Bekannten auf Partys, an Theken, im Club, beim Mittagessen und im Chat. Auf ein, “und? Was machst du so?”, einfach mal, “och, ich trinke gerade keinen Alkohol”, antworten stellte sich mehrfach als ein geeigneter Türöffner für persönliche Gespräche heraus. Einige erzählten, dass sie schon sehr ähnliche Gedanken hatten, dass aber noch nie gemacht haben und das mein Blogeintrag dahingehend einen Nerv treffe. Oder andere erzählten einfach von ihren Phasen der Abstinenz. Wieder andere wollten sich nicht mit einer Spaßbremse abgeben. Oft drehte es sich um all die Gewohnheiten und all die Gelegenheiten, die es halt so gibt. Ich bekam persönliche Mails, die mich in der Sache bestärkten und freundschaftliche Tips gaben. Aber auf der Fährte war ich ja auch schon selber, zu überlegen, wo sich bei mir Automatismen eingespielt haben, die ich verändern möchte.
Ich halte für diesen Moment fest: Vor allem wichtig ist mir selber ein gedankenvollerer Umgang mit Alkohol. Nur weil Äpfel angeblich gesund sind, esse ich ja auch nicht immerzu Äpfel. Und nur weil Alkohol angeblich die Geselligkeit fördert und entspannt, muss ich ja nicht immer Alkohol trinken.
Mein neuestes Projekt: Nie wieder Rolltreppe und Fahrstuhl nutzen. Ich bin jetzt militanter Treppensteiger. Wer rastet, der rostet! Nein zur Rolltreppe! Hernieder mit dem Fahrstuhl!!!
Kein Alkohol. Die ersten 14 Tage.
Dienstag, 27.12.2011
In der Nacht nach den Weihnachtsfeiertagen entschließe ich mich, keinen Alkohol mehr zu trinken. Zumindest für eine gewisse Zeit. Drei-Vier Wochen fasten vielleicht. Oder nennen wir es besser bewusste Abstinenz. Der erste Tag läuft super. Ich erzähle niemandem von meiner Entscheidung. Als ich zum Abendessen gefragt werde, ob Bier oder Wein, sage ich einfach, dass ich heute kein Alkohol trinken möchte und mache mir eine Saftschorle.
Mittwoch, 28.12.2011
Lange Zugreise mit den Kindern von Westdeutschland zurück nach Berlin. Nach all dem Koffergeschleppe und den Reisestrapazen an sich wäre eigentlich eine Flasche Bier am Abend auf dem Sofa nicht unangebracht. Mir fällt auf, wie viele vermeintlich gute Gelegenheiten es gibt.
Donnerstag, 29.12.2011
Habe meine Entscheidung, eine zeitlang auf Alkohol zu verzichten, immer noch nicht bekannt gegeben. Aber heute habe ich mein Coming Out. Während eines Smalltalks mit der Nachbarin auf dem Treppenabsatz, während sie uns ein Pony schenkt, kommen wir auf Silvester zu sprechen und was wir so planen und machen werden. Da erzähle ich auch, das ich Silvester und überhaupt ein paar Wochen nichts trinken werde und sie sagt, dass das ja durchaus auch mal Sinn macht, man dann auch viel ausgeruhter ist, es ja auch andauernd Gelegenheiten gibt und man ja so auch mal ganz bewusst mit der Gewohnheit bricht und dass das toll sei und ich alles richtig mache. Der letze Hinweis irritiert mich. Ich sage, “ach naja, man weiss ja nie, was richtig ist”. Dann widme ich mich den Rest des Nachmittags dem Pony. Abends dann nach einer Woche Weihnachten bei der Familie endlich wieder unter normale Menschen: erst zur 0. Spackeriade, dann eventuell noch beim Chaos Communication Congress vorbei. Ich halte mich an Kaffee, Mate und alkoholfreiem Bier fest. Dem einen oder anderem erzähle ich auf Nachfrage, dass ich jetzt mal keinen Alkohol trinke. Das gibt aber deswegen kaum Diskussion. Hat da ja jeder so seinen kritisch-individuellen Hacker-Lebenstil. Kann ja jeder machen wie er will. Doch eine Sache irritiert. Jemand, den ich vom Biertrinken mit Michi kenne, prophezeit eine lange Nacht, als er mich sieht. Vermutlich ist das nett oder gar anerkennend gemeint. Hadere mit Selbstbild und Fremdbild. Es wird eine Nacht, in der ich nüchtern nach Hause fahre und mich über die quatschigen Dialoge der betrunkenen Zehelndorfkinder im Nachtbus amüsiere.
Freitag, 30.12.2011
Irgendwas mit Saftschorle. Das kann so nicht weitergehen. Ich muss mich bei Gelegenheit mal um irgendwie interessantere nichtalkoholische Getränke kümmern.
Samstag, 31.12.2011
Silvester ohne Alkohol? Klar geht das! Na gut, ein Glas Sekt um Mitternacht zum Anstoßen, man ist ja kein Unmensch. Gespräch über Alkoholabstinenz am Tisch bekommt interessanten Spin. Alle erzählen, in welchen Situationen sie trinken, dass es viel zu viele Gelegenheiten und gesellschaftliche Rituale rund um Alkohol gibt und ja auch gerade, wenn man am Theater arbeitet.
Sonntag, 1.1.2012
Neujahr. Interessant zu merken, was von einem üblichen Kater übrig bleibt, wenn man zwar nüchtern, aber übermüdet ist. Einige angenehme Nachwirkungen einer langen Nacht, die ich dem Alkohol zugeschrieben hatte, liegen eigentlich an euphorisierter Müdigkeit. Das muss ich mir merken.
Montag, 2.1.2012
Erster Arbeitstag im neuen Jahr. Das Feierabendbier fehlt mir. Eine blöde Angewohnheit, die eher ein Automatismus ist. Um stattdessen in einen Feierabendmodus zu kommen, stehe ich 5 Minuten auf dem Balkon und atme mal durch.
Dienstag, 3.1.2012
Auf dem Rückweg von der Arbeit freue ich mich, dass ich nun 14 Tage keinen Alkohol getrunken habe. Auf dem Rad bereite ich in Gedanken schon einen lustigen Blogpost dazu vor. Als ich zu Hause den Computer anschalte und in den Kalender schaue, merke ich, dass ja erst eine Woche rum ist. Bin verwundert, warum mir das so lange vorkam.
Mittwoch, 4.1.2012
Kann kein alkoholfreies Bier mehr sehen.
Donnerstag, 5.1.2012
Überlege, ob ich eigentlich besser schlafe, seitdem ich keinen Alkohol mehr trinke. Schwer zu sagen. Vielleicht bin ich ein klitzekleines bisschen weniger miesepetrig am Morgen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich einfach früher ins Bett gehe.
Freitag, 6.1.2012
Treffe einen Freund. Wir richten seinen neuen Rechner ein und trinken Tee. Es ist ein Leben auf der Überholspur.
Samstag, 7.1.2012
Es gibt zum Abendessen sehr leckeres Lammfleisch, zu dem eigentlich ein guter Rotwein perfekt wäre. Bin kurz davor, mir auch ein Glas einzuschenken, bin dann aber doch willensstark. Es ist merkwürdig: Sobald ich mich bewusst gegen den Alkohol entschieden habe, fokussieren sich mein Gedanken auf etwas anderes und das Verlangen ist weg. Reine Willens- und Kopfsache oder doch auch sanfte Sucht?
Sonntag, 8.1.2012
Michi schickt am Abend eine DM, ob Bier? Ach, ich hätte schon Lust, mit Michi ein Bier zu trinken. Das bleibt ja aber nie bei einem Bier, also gehe ich früh mit Comicbuch und Orangensaft ins Bett. Wecker klingelt versehentlich schon um 5 Uhr morgens. Lese Comic zu Ende, fühle mich sehr ausgeschlafen.
Montag, 9.1.2012
Werde am Abend – statt zum Webmontag – spontan zu einer “Weinprobe” im Martin Gropius Bau mitgenommen. Befürchte, dass eine Weinprobe ja nun der wirklich falscheste Ort ist, um Alkoholabstinenz zu üben. Denke aber auch, bei einer richtigen Weinprobe gibt es Näpfe, um den Wein auszuspucken. Wer sagt, dass ich bei meiner selbstgebauten Fastenzeit nicht kosten darf. Schmecken ja, aber nicht schlucken! Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Event um eine Finissage handelt, zu der unter anderem zwei Weine vom Großhandels-Sponsor der gefeierten Ausstellung gereicht werden. Keine Weinprobe, wie man sich das so vorstellt. Trinke ungefähr 2 Liter Apfelsaft. Beobachte Politiker und Kulturattachés beim Sponsorenweintrinken. Denke mir meinen Teil. Gehe zeitig nach Hause.
Dienstag, 10.1.2012
Nun sind also die ersten 14 Tage vergangen. Ich notiere mir hier ein paar persönliche Eindrücke, die vermutlich vollkommen banal oder normal sind. So normal, wie der (sanfte) Alkoholismus unsere gesamte Gesellschaft durchzieht. Ich glaube, es liegt weniger an den Freunden, mit denen man sich umgibt. Es ist vielschichtiger und es liegt an all den gesellschaftlichen Ritualen und letztendlich an unserer Kultur. Ich muss auch an einen Kumpel denken, der nach einem halben Jahr Indien zurückkam und auch keinen Alkohol mehr trank. Mir kam das damals fast undenkbar vor. Heute ist es für mich tatsächlich gar nicht so ein großer Verzicht. Es ist ein bewusster Perspektivwechsel und ich bin gespannt, ob da in den kommenden 14 Tagen noch weitere Erkenntnisse hinzu kommen.
Wie wird Glücksklee gemacht?
Nachdem wir unsere Schweine, Hufeisen, Kronen, Glocken, Pilze und Herzen zu Klump gegossen hatten, drehte sich die Frage um den vierblättrigen Tischschmuck: Wo kommt eigentlich der Glücksklee her, bzw. wie wird er gemacht?
Ist dies eine hochgezüchtete Pflanzenart des bei uns einheimischen, dreiblättrigen Klees? Oder stammt der Glücksklee irgendwo vom Equator, wird dort von Einheimischen aus dem Urwald gepflückt und billig verkauft (weil dort unbedeutendes Unkraut) und tonnenweise in Industrieländer geflogen? Steckt dahinter gar ein ähnlicher Globalisierungsthriller wie hinter der Nordmann-Tanne? Die Nordmann-Tanne wird hundertmillionenfach in Dänemark in Plantagen als Weihnachtsbaum angebaut, ist aber eigentlich ein seltener Baum und im westlichen Kaukasus und im Ostpontischen Gebirge in Georgien, Russland und der nordöstlichen Türkei heimisch. Da die Nordmann-Tanne ausgewachsen ein sehr hoher Baum ist, werden in den dänischen Plantagen überwiegend Jungbäume als Weihnachtsbäume gefällt. Diese jungen Bäume jedoch haben noch keine Zapfen und Samen ausgebildet, sodass man, um neue Nordmann-Tannen zu züchten, immer wieder Zapfen aus dem Kaukasus etc. importieren muss. Die Zapfen der Nordmann-Tanne – einem sehr hohen, eher seltenen Baum – befinden sich an der Baumspitze und müssen von Menschen dort oben gepflückt werden. Zapfensammler ist dort ein traditioneller Beruf, doch weil die Nachfrage so groß ist, werden immer mehr Zapfen gepflückt und immer seltener. Um weiterhin vom Zapfensammeln zu leben, müssen die Zapfensammler immer höher hinaus klettern und haben gelegentlich tödliche Arbeitsunfälle. Das sind ja nun eigentlich Zustände, die man nicht gerne mit seinem Weihnachtsbaum in Verbindung bringen möchte. Zustände, wie man sie aus chinesischen Fabriken hört, wo unsere Technik-Gadgets hergestellt werden. Verbirgt sich nun hinter dem vierblättrigem Klee – unserem Symbolträger des Glücks – ein ähnlicher Krimi. Oder ist unser vorliegende Glücksklee gar ein strahlendes Abfallprodukt der Genforschung?
Wir haben lange hin und her überlegt. Es gab auch eine herrlich verworrene Verschwörungstheorie mit Außerirdischen. Die Wahrheit ist aber, dass der bei uns zu Silvester verkaufte Glücksklee ursprünglich aus Mexiko kommt und 1837 in England als Zierpflanze eingeführt wurde (sagt die Wikipedia). Wieder was gelernt.
State of Mimesis
Anfang letzter Woche in Frankfurt ging es bei Bier und Apfelwein ja auch um Rituale. Nichts Weltbewegendes, sondern die kleinen Alltagsrituale, die man sich angewöhnt und über die man eigentlich nicht nachdenkt. Mein Gegenüber schilderte, wie sich nach recht kurzer Zeit in der neuen Stadt bestimmte serielle Handlungen eingeschlichen haben. Wenn er jetzt die Stadt wechseln würde, würde er auch diese Rituale mitnehmen. Morgenrituale nur mal jetzt als Beispiel. Frühstücksfernsehen, Aufbackbrötchen, Badezimmer und das alles. Er sagte, er hätte da einen gewissen Ablauf reingebracht, der beruhigend sei. Und man mache das vermutlich, weil man nach den ersten Malen denkt, “och, das war okay so, das mache ich jetzt immer so. Und da man damit ganz gut fährt, keine Enttäuschungen zu erleben, schleifen sich auf derart die Dinge ein. Total einleuchtend, nichts verwunderliches.
Vom kleinen Alltagsritual zum Kult ist es ein weiter Weg. Der Gedanke, man mache etwas und wiederhole diese Serie an Handlungen, weil man sich davon eine Gewissheit im Leben verspricht, poppte in dieser Woche an allen Ecken und Enden wieder auf. So unverwunderlich war die Beobachtung meines Gegenübers also nicht. Auf einmal sah ich all die immer wiederkehrenden Momente meines Alltags in einem anderen Licht. Die immer wiederkehrenden Telefonkonferenzen und Meetings, die Serialität der Podcasts und des TV-Programms und natürlich die Konstanten des Lebens mit Kindern. Gerade mit Kindern schleichen sich schnell bestimmte “individuelle Gebrauchsanleitungen” ein, weil man am Anfang dies und das versucht, mit dies besser fährt als mit das, also macht man fortan nur noch dies. So setzt sich das dann fort, bis das Kind aus dem Haus ist und man feiert trotzdem jedes Jahr wieder Weihnachten, weil man hofft, dass dieses wahrhaftige Kinderlachen und die strahlenden Augen doch bitte auch bei einem 22-jährigen reproduzierbar sein mögen.
Interessant wird das nun alles natürlich dann, wenn man die Bedingungen und Kontexte des eigenen Handelns nicht überblicken kann. Vorgestern wurde ich in einer Kneipenrunde mit dem Cargo-Cult bekannt gemacht. Alter Hut und kennt sicher jeder Sozialwissenschaftler und es klingt so vertraut, wie ein urbaner Mythos:
“Richard Feynman verwendete den Begriff erstmals 1974 in einer Rede vor dem Abschlussjahrgang 1974 am Caltech. Er bezeichnete damit eine Vorgehensweise im Wissenschaftsbetrieb, die zwar formale Kriterien erfüllt, der es jedoch an wissenschaftlicher Integrität mangelt:
“Auf den Samoainseln haben die Einheimischen nicht begriffen, was es mit den Flugzeugen auf sich hat, die während des Krieges landeten und ihnen alle möglichen herrlichen Dinge brachten. Und jetzt huldigen sie einem Flugzeugkult. Sie legen künstliche Landebahnen an, neben denen sie Feuer entzünden, um die Signallichter nachzuahmen. Und in einer Holzhütte hockt so ein armer Eingeborener mit hölzernen Kopfhörern, aus denen Bambusstäbe ragen, die Antennen darstellen sollen, und dreht den Kopf hin und her. Auch Radartürme aus Holz haben sie und alles mögliche andere und hoffen, so die Flugzeuge anzulocken, die ihnen die schönen Dinge bringen. Sie machen alles richtig. Der Form nach einwandfrei. Alles sieht genau so aus wie damals. Aber es haut nicht hin. Nicht ein Flugzeug landet.“”
(Richard Feynman: Cargo Cult Science. Eröffnungsrede des California Institute of Technology zum Semesterbeginn 1974)
Siehe zum Cargo-Kult auch den Text “Die Flugzeuge landen nicht” , im Blog “Überschaubare Relevanz”. Oder natürlich auch die Google Bildersuche dazu schafft einen schnellen Eindruck, was da Sache ist.
Die Wissenskluft zwischen einem Naturvolk und unserer Kultur und Technologie ist ja nur der Anfang, wenn man darüber nachdenkt, welche Streiche unsere eigene Kognition uns spielt: List of cognitive biases. Die Liste ist lang. Bei all diesen Tricks, die uns unsere Psyche spielt, wundert man sich doch nicht mehr, warum so viel so merkwürdig läuft.
Zum Abschluss eine geeignete kleine Blogstöckchen-Aufgabe: Erstelle eine persönliche Top-10-Liste deiner liebsten kognitiven Verzerrungen und erzähle warum Du sie so gern hast.
Dieses ganze Gegrübel hat natürlich eigentlich nur mit der Frage nach dem Status der eigenen Mimese zu tun.



