Archiv für Social Media

Mein erfolgreichster Tweet.

Das war in dieser Woche also mein bis jetzt erfolgreichster Tweet, seitdem ich am 11. April 2007 das erste mal twitterte, “testing twitter. nicht wirklich überzeugt.” Aktuell 267 Retweets,159 Favsterne und ein Zitat in einem Artikel der Berliner Zeitung, der das Thema aufgreift, hat dieser Tweet erreicht. Dabei ist der Tweet frei erfunden, etwas gehässig und außerdem zu einem ziemlich blöden Anlass. Tja, so ist das Internet. Aber der Tweet spricht wohl vielen Leuten aus dem Herzen, die genervt sind von Onlinewerbung.

Worum geht es eigentlich? Es geht um das Eigentor, dass einige Online-Nachrichtenportale sich letzten Montag selbst geschossen hatten, als sie in Artikeln beklagten, dass ca. 25% der Zugriffe auf ihre Webseiten sogenannte Adblocker nutzten (Browserplugins, mit denen man Werbung auf Webseiten unterdrücken kann). Diese Aktion ging nach hinten los: Downloads von Adblocker plus stiegen um 129% und das Spendenaufkommen für Adblocker Plus sogar um 167%. Um ca. 25% der Nutzer zu überzeugen, dass sie doch bitte die Werbung auf ihren Seiten beachten sollen, nahmen die Initiatoren der Kampagne in Kauf, 75% der Nutzer ohne Adblocker darüber zu informieren, dass man übrigens Onlinewerbung auch ausblenden kann. Ein ziemlich kluger Schachzug, der zeigt, wie wenig da das Internet verstanden wurde. Der Streisand-Effekt war natürlich vorprogrammiert.

Die Sache hat mich gedanklich die ganze Woche begleitet. Vor allem, weil ich auch im weitesten Sinne in der Werbung arbeite und man dort leider immer noch viel zu oft mit einer Geisteshaltung in Sachen Werbung und PR im Internet konfrontiert wird, die eigentlich nur einmal mehr von dieser Kampagne der Verlage widergespiegelt wird. Man denkt oft einfach nur selbstzentriert. Werbung für statt gegen den Kunden? Was soll das denn bitte sein? Das primäre Ziel ist: Mein Produkt, meine Marke, meine Kampagne muss sich durchsetzen. Entsprechend marktschreierisch und eindimensional fallen meist die Ansätze aus. Das kann man oft dann auch nicht wegberaten, auch wenn man es besser weiß. Also springt man doch immer wieder durch den brennenden Reifen. Selbst wenn man eine genaue Zielgruppenbestimmung hat, geht es viel zu oft bloss darum, der Zielgruppe mit möglichst effektiven Maßnahmen kommunikativ ein Bein zu stellen, abzulenken und die Aufmerksamkeit auf Marke/Produkt zu lenken. Daher kommen seit jeher die nerviger werdenden Banner auf Webseiten, und auch die weltfremden Pressemitteilungen an Blogger. Es wird auf Teufel komm raus lieber gepusht, als Ideen für die Kommunikationspartner zu entwickeln, die den Menschen helfen, nützen oder einfach Dinge ermöglichen, die ohne nicht möglich wären. Das ist übrigens keine Frage von Generationen, vermute ich. Vermutlich werden weiterhin in den Marketing- und PR-Studiengängen die Faktoren Zuhören, Verstehen, Helfen in der professionellen Kommunikation nicht mal ansatzweise vermittelt. Dabei ist es so einfach: nicht nerven, sondern nützlich sein. Das dürfte eigentlich auch jeder Marketingmensch verstehen. Denn dann sind wir doch alle bereit, Geld für ein Produkt auszugeben oder einen Teil unserer immer knapper werdenden Aufmerksamkeit für eine Markenbotschaft zu opfern.

Aber was weiß ich schon.

17. Mai 2013 von Tillmann Allmer
Kategorien: Internet & Social Media | Schlagwörter: , , | 1 Kommentar

re:publica 2013 – subjektiver Kurz-Rückblick.

#alttext#

War natürlich wie immer total gut. Die Vorträge wie immer auch nur mal solala, aber thematische Inspiration erkennt man ja meist erst später, wenn daraus etwas fruchtet. Beispielsweise gärt bei mir der Gedanke, sich stärker mit Robotern aus kultureller Perspektive zu widmen. Vielleicht ein Roboter-Blog.

Für mich war dieses Jahr die re:publica des Im-Nachhinein-Vorträge-auf-Video-Ansehens. Wieder konnte ich mich jobbedingt nicht alle drei Tage voll auf die re:publica einlassen. Ein starker Eindruck, der mir auch nach einigen Tagen noch bleibt, und den ich auch von anderer Seite gehört habe, ist der Vergleich der re:publica mit dem Kirchentag. Da sitzt man also in großen Hallen, hört sich die Predigten von Internetauskennern an die Internetgemeinde an. In den großen Räumen verhallen die Reden, während man selber auf seinem Telefon wie in einem kleinen Gesang- oder Gebetbuch blättert und auf Twitter scannt, was die Gemeinde gleichzeitig auf den anderen Veranstaltungen erlebt. Sehr viel Frontalpredigt. Sehr viel Powerpoint. Dadurch nicht gerade sehr viel inhaltliches Engagement.

Ich hoffe ja seit Jahren darauf, dass die Vortragenden auf der re:publica einmal neue Präsentationsformen finden und ausprobieren werden, die über (mehr oder minder sehenswerten) Powerpointcharts und so minimalen Interaktionskonzepten wie Fragen aus dem Publikum am Ende des Vortrags hinaus gehen. Alles muss man selber machen. Machen.

Schön war die re:publica aber natürlich trotzdem. Michael Kreil hat hier eine Programmübersicht mit allen re:publica 2013 Videomitschnitten bereit gestellt. Da hat man bis Weihnachten zu tun.

#alttext#

PS: Diese Session der Ironblogger Blogs und Bier? Das lob’ ich mir! (YouTube Link) war eine der Besten, die ich auf der re:publica gesehen habe. Auch wenn ich das Thema schon kannte: Straight durchmoderierte und solide vorbereitete Gruppenveranstaltung, ansehnliche visuelle Unterstützung durch wenige Charts, frei sprechende Teilnehmer. Lebendige Publikumsinteraktion. Bier. Was will man mehr? Die Ironblogger Deutschland suchen laufend neue Verbündete.

12. Mai 2013 von Tillmann Allmer
Kategorien: Gesellschaft, Internet & Social Media | Schlagwörter: , , , , , | 2 Kommentare

Was ich die letzte Woche gelesen habe, aber bisher nicht zu kommentieren wagte* (Nr. 001)

*oder dazu einfach in dem Moment keine Zeit oder keine Muße hatte.

Ich möchte mir angewöhnen, regelmässig (ich nehme mir mal vor “wöchentlich”) hier ein paar Links zu verbloggen, die ich sonst nur beiläufig schnell mal auf Twitter, Facebook, LinkedIn, ADN, quote.fm, Google+ oder auf Diigo gepostet habe oder in meinem Pocket-Archiv schlummern. Da geht das Problem nämlich schon los. Ich erinnere mich oft nicht mehr, wo ich dann den jetzt gerade wichtigen Link eigentlich suchen muss, weil man immer aber nicht immer überall alles teilt. Social Bookmarking Tools haben sich mir nie gänzlich erschlossen. Googlen geht immer schneller. Trotzdem lege ich fleissig seit Jahren irgendwelche mir wichtig erscheinenden Links in Social Bookmarking Diensten ab, auf dass ich die Links bei Bedarf wieder finde. Mit dem Ergebnis, dass ich dort in meinem Archiv meist dann doch nicht mehr fündig werde. In den sich schnell drehenden Netzwerken (wie Twitter und Facebook) gehen Links sowieso zu schnell verloren. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ich im eigenen Blogarchiv noch mal eher fündig werde. Ich vermute, das Bloggen von Links mit etwas Text drumrum fördert das eigene Erinnerungsvermögen, da zeitaufwendiger als mal eben einen Link hier und da zu verstreuen. Daher und auch, weil ich hier und da bei anderen Bloggern kommentierte Link- und Leseempfehlungen durchaus schätze.

Slavoj Zizek: I am not the world’s hippest philosopher! Interview mit Zizek auf salon.com:

“That said, I quite admire the United States and Canada. In some ways, they are better than Europe now. France and Germany, for instance, are currently in a very low state intellectually — especially Germany. Nothing interesting is happening there. Yet it surprises me how intellectually alive The United States and Canada are. Let me give you an example: Hegelian studies. If Europeans want to understand Hegel, they go to Toronto or Chicago or Pittsburgh”

Bis wann wohl auch bei uns bei allen durchgedrungen ist, dass Deutschland schon lange nicht mehr das Land der Dichter und Denker ist, was ja immer mal wieder gerne als Identitätsstiftend hervorgezerrt wird? Und bis wann dann ein Wandel vollzogen worden ist, der intellektuellen Langeweile wieder etwas entgegen zu setzten?

What Happens When You Walk Into a Bar Wearing Google Glasses. Ein gutes Beispiel, wie neue Technologien – so toll die Konzepte auch sein mögen – im sozialen Alltag dann doch etwas länger brauchen, um allgemeine Akzeptanz zu bekommen. Funktioniert es in einer vernünftigen Bar, ohne dass man merkwürdig angeschaut wird, ist die Chance groß, dass es sich durchsetzten wird:

“So, I propose a new trial for our augmented technologies: The Shotwell’s Test. If it can’t pass muster with Madonna and the crowd at the platonic ideal of the bar, it may not be ready for use outside of CES and the office park.”

Was so aber auch wieder sehr konservativ gedacht ist. Ich wurde vor einigen Jahren in meiner damaligen Stammbar vom Barkeeper auch merkwürdig angeschaut, weil ich mit meinem ersten mobilen Datentarif mit auf meinem Handy mit Leuten twitterte oder Fotos ins Internet lud. Inzwischen hat die Bar selber ein Twitteraccount. Naja.

Maps for strategic choices – How they can help and mislead us. Kirill Falkow über Gesellschaftstypologien und das Problem, dass solche allgemeinen Mappings zwar helfen, sich einer Zielgruppe zu nähern, dann aber auch wieder nicht ausreichen, um frische Ideen für z.B. Werbung zu finden:

»So far, I think my whole argument could be summarized as: Thinking in such strategic maps is a good starting point for a conversation that can often be supported by affordable data and even prolonged into media strategy.  But they are not good in helping to come up with actionable, fresh solutions to specific problems – neither to those of our clients nor to those of consumers.«

A Social-Media Decoder. Ein schon etwas älterer (aus dem Oktober 2011), trotzdem lesenswerter Artikel aus dem MIT Technology Review über Social Media Monitoring, Sentimentanalyse und Social TV.

»Recognizing these kinds of connections, sentiment-analysis firms including Trendrr.tv (part of Trendrr) and Socialguide specifically track social response to television content. But Bluefin is unique in also tracking most of what is on TV—including the ads—to draw specific relationships between televised stimulus and social-media response. “What Bluefin is doing is technically impressive,” says Duane Varan, chief research officer at the Disney Media and Advertising Lab in Austin, Texas. Already, it’s becoming possible to measure TV viewership directly through cable boxes rather than […]«

Joey Heindle. Ein #aufschrei.

»Der König des Dschungels ist ein Opfer. Er wird eine kurze Zeit in großen Autos gefahren werden, von Termin zu Termin, von Lanz zu „Explosiv“ zur Möbelmarkteröffnung zur Kirmes im Hunsrück. Wenn er nicht straffällig wird, ist seine Prominenz irgendwann eine nicht mehr gepflegte Internetseite, deren letzter Termin unter „Aktuelles“ fünf Jahre zurückliegt. So wie all die anderen, die in der Karrieredämmerung von irgendeinem Privatfernsehen-Zulieferer im VW-Bus zu korrupten Busenmachern gefahren werden, die für ihre Klinik etwas Promo brauchen.«

Die Hypegesellschaft: Twitter + Shitstorms. Ein kurzer, prägnater Blogtext, den ich als Nachtrag zur #aufschrei-Welle (und allen anderen Hypes, Shitstorms und anderweitig aufgeladenen Medienaktivitäten) noch bemerkenswert finde:

»Zum Thema Funktionsweise von Hypes bin ich zuletzt auf ein interessante Studie gestossen. Man nehme einen Affen und setze ihn vor einen Bildschirm. Der Bildschirm zeigt verschiedenfarbige Kreise an. Immer wenn der Affe bspw. den gelben Kreis antatscht, bekommt er eine Belohnung …«

Slow Commenting – Regine Heidorn. Ein schöner Ansatz: Slow Blogging und Slow Commenting, anstelle sich den täglichen Hypes zu unterwerfen.

Mit Twitters neuem Kurzvideo-Service Vine habe ich hier und hier etwas rum experimentiert. Zeckt mich nicht an, wie auch andere Kurzvideodienste zuvor es nicht machten. Was aber irgendwie was hat ist der Stream aus öffentlichen Vine Videos in Echtzeit aufbereitet auf BeanStalk.TV. So einen Flow könnte man auch als “Social-TV” bezeichnen, wenn der Begriff nicht schon belegt wäre.

Vier Thesen zur deutschen Film-Blogosphäre. Eine recht treffende Analyse der deutschen Film Blogosphäre, wie ich finde. Und passend dazu ein weiterer lesenswerter Artikel im Filmmagazin artechock.de zum Teufelskreis aus Film-PR, Filmkritik, Filmpublikum. Crisis? What Crisis? Anmerkungen zum neuerdings beliebten Topos der Krise der Filmkritik. Interessant fand ich, wie stark hier die PR zum beinahe alleinigen Schuldigen hochstilisiert wird.

05. Februar 2013 von Tillmann Allmer
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Möglich-Machen ist das neue Verkaufen.

trendwatching.coms Oktober 2012 Trend Briefing über den Konsumtrend “SERVILE BRANDS”.

Ich erinnere mich an meine ersten Tage in der Agentur, wo ich genau diesen konsumerzentrierten Ansatz des Enabelings immer wieder versuchte anzubringen (und oft in fragende Gesichter blickte). Es ist und bleibt ein dickes Brett.

02. Oktober 2012 von Tillmann Allmer
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Man kann es nicht oft genug sagen.

Eben grade weil die Plattformen, die im Netz heute zur Verfügung stehen, nicht mehr Content-Abspielstationen sind, sondern Interaktions-Schnittstellen, muss man sein Marketing neu denken. Denn nun wird möglich, was früher undenkbar erschien: dass man sozusagen in öffentlichen "Workshop-Settings" mit seinen Kunden gemeinsam die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft, die Chancen, die Möglichkeiten, die Ideen für seine Marke und seine Produkte bespricht. Das (Consumer-)Marketing bewegt sich dabei weg von "ich mache was mit Medien", hin zu "ich mache was mit Menschen."

via ConnectedMarketing.de: Kleine Faustregel für die Marketing-Arbeit mit dem Social Web.

27. September 2012 von Tillmann Allmer
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Weniger als 1% Online-Käufe kommen durch Social Media zustande

Forty-eight percent of consumers reported that social media posts are a great way to discover new products, brands, trends, or retailers, but less than 1% of transactions could be traced back to trackable social links.

Da wurden mal wieder Äpfel mit Birnen verglichen.

via Forrester Research : Marketing : Less Than 1% Of Online Purchases Come From Social Channels.

27. September 2012 von Tillmann Allmer
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Tweeted links are here today, gone tomorrow.

“The ability to distribute real-time information through social networks like Twitter is a powerful thing, but a new study points out that one of the downsides of this phenomenon is the fact that much of the content that gets linked to eventually disappears.”

via The disappearing web: Information decay is eating away our history — Tech News and Analysis.

27. September 2012 von Tillmann Allmer
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» re:publica Rückblick – Neutralität der Plattformen

Drüben auf dem beruflichen Blog habe ich eben meinen re:publica Rückblick veröffentlicht. Neben dem, was schon alle über die #rp12 schreiben, habe ich mich gedanklich etwas ins Thema Plattformneutralität hineingedacht. Lest weiter hier: » re:publica Rückblick – Neutralität der Plattformen.

Ich freue mich jetzt schon auf die #rp13!

10. Mai 2012 von Tillmann Allmer
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Bullshitbingo

Social Media Bullshitbingo (vom Twittwoch e.V.)

“Bei Vorträgen, Workshops und Referaten von echten oder selbst ernannten Social Media-Gurus zuhören, ausgesprochene Begriffe und Phrasen anklicken und nach Vervollständigung einer Reihe (horizontal, vertikal oder diagonal) laut „Bingo!“ rufen. “

 

28. März 2012 von Tillmann Allmer
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Communitycamp Berlin 2011 – Teil 2

#alttext#

Ich bin auf dem Communitycamp Berlin. Dies ist, was am Nachmittag passierte (zum Vormittag bitte hier lang).

Dritte Session: Facebook Fanpages für Unternehmen

Yasmin Mansukhani von der Telekom berichtet ein wenig aus dem Nähkästchen und regt zum Erfahrungsaustausch im Bereich Communitymanagement auf Facebook an. Gilly nimmt den Ball auf und erzählt von LG: Problem ist z.B. Fanpages für Produkte, die schnell veralten (also z.B. Handys, die 1 Jahr aktuell sind, danach liegt da eine tote Community). Gilly sieht da eher Potential, Produktkampagnen auch auf der Unternehmenspage zu machen, um so die Community immer mehr an das Unternehmen zu binden und nicht immer wieder neu eine Produktcommunity aufzubauen. Spannende Frage: Spezielle Produktseiten versus allgemeine Unternehmensseite und wo bietet ein Unternhemen den Customersupport an. Schwierigkeit der Verteilung von Zuständigkeiten im Unternehmen und natürlich auch, was man konzeptionell mit einer Facebookpage will – Marketing oder Support? Viele Argumente pro und contra. Ich finde ganz interessant, dass sich in der Runde das Thema Communitymanagement auf Facebook so vehement auf den Bereich Kundensupport kapriziert. Aber ist ja verständlich: Support ist das Hauptinteresse von Usern und der Kunde will, dass die Supportantwort schnell erfolgt. Das kann einem Communitymanager natürlich Kopfschmerzen machen. Da sind andere, eher marketinggesteuerten Communityaktivitäten (wie lustige Umfragen oder Erzählt-Eure-Story, Lade-dein-Fotohoch-Gedöns) eher zweitrangig.

Die Diskussion schwenkt in dem Moment, wo ich das schreibe, hin zur Frage, “was macht ihr sonst auf den Fanpages? Kommuniziert ihr, entwickelt ihr neue Produkte, was für Ideen gibt es über den Kundensupport hinaus?”.

Spoiler: eine Antwort auf diese Frage wird es nicht geben. Aber ein Beispiel: Fanpage einer Krankenkasse. Eine Kommunikationsagentur hat einer Krankenkasse eine Facebookpage verkauft und nun ist die Frage, was machen wir eigentlich mit den Fans? Ursprünglich sollte mit der Page wohl der Vertrieb angekurbelt werden. Das klappt aber nicht. Natürlich nicht, sagt, @peate, Facebook Pages für Vertrieb seien Quatsch. Der Vertrieb fände woanders statt. Eine Krankenkasse müsse Mehrwerte für User geben, die bereits Kunde sind. Und zwar, das, was Kunden interessiert und nicht irgendwelche Unternehmensmeldungen. Allgemeines Kopfnicken.

Es kommt also drauf an, was man auf Facebookpages für Unternehmen so macht. Und natürlich geht es um die KPIs des Unternehmens. Die Frage nach dem “was bringt’s?” muss spätestens beantwortet werden können, wenn die Chefs die Frage stellen. Doch wie soll man harte Kennzahlen anwenden auf inhaltliche Auseinandersetzen. Und schon entfaltet sich der alte Reflex des Social Media Menschen: Nein, nein, nein, dass kann man doch alles gar nicht messen. Leider ist die Session zu Ende, wo es gerade spannend wird…

Grundsätzlich gilt aber: Alles was cute ist, funktioniert immer. Auch auf Facebook.

Vierte Session: The big radioeins community fail

Es geht um einen kommunikativen Fail einer Neuerung bei Radio Eins. Sessionleiter Marcus Bartelt hat die Session folgendermaßen angekündigt:

Eines Morgen wachte ich auf – und mein Lieblingssender klang nicht mehr wie früher. Das war nicht schön, aber man gewöhnt sich ja an alles… aber was in den folgenden Tagen im Netz – und insbesondere in der großen Facebook-Community – geschah, war zwar noch kein shitstorm, aber doch schon eine heftige Reaktion auf die Neuerungen. Eine Reaktion, die (zu?) lange ohne Reaktion vonseiten des Senders blieb.
Was ist da eigentlich genau passiert? Welche kleinen Fehler in der Kommunikation haben zu der großen Unzufriedenheit beigetragen? Können 20 Unzufriedene eine ganze Community infizieren? Und wie kann ein Medium wie ein Radiosender diese Kraft der leidenschaftlichen Hörer für die Entwicklung neuer Formate nutzen?
Ich freue mich wirklich sehr, dass Volker Düspohl, radioeins Prozessmanager online, mit mir zusammen und aus der Sicht von radioeins die Ereignisse aufarbeiten wird und wir uns gemeinsam mit euch fragen werden, was daraus zu lernen ist – und wie man es zukünftig besser machen kann.

Um es zusammenzufassen: Die Situation wurde unterschätzt (die Radio Eins Community ist ansonsten recht pflegeleicht). Man hatte nicht geplant, die Änderungen zu kommunizieren und auch hier die Situation unterschätzt: man hatte vorher noch nie derart viel am Programm und Sendedesign geändert. Aus Versehen war irgendwo eine Prüfliste von Radio Eins online, die von Höhrern als Streichliste interpretiert wurde. Aufgrund personellem Engpass wurde nicht schnell und flexibel genug geantwortet. Und worauf sonst auch gern gesetzt wird – Selbstreinigungsprozesse der Community – haben nicht gegriffen.

Frage aus der Runde: Was konkret würde man zukünftig beim Sender anders machen? Antwort: Schneller und flexibler reagieren, immer wieder Wasserstandmeldungen geben und darauf verzichten, die Standardupdates zu posten. Nachfrage: Die Facebookseite bleibt also prinzipiell Top-Down? Antwort: Man überlegt weiterhin und legt wert darauf, Hörer-Feedback einzubinden, aber nicht nur über Facebook, sondern über unterschiedliche Möglichkeiten.

Insgesamt eine irgendwie ausweichende Session mit verschränkten Armen, fand ich.

Fünfte Session: Schmutzige Tricks des Community Managements auf Facebook Seiten (von @snoopsmaus

Romy startet gleich mit dem größten Trick: Man kann Userpostings verbergen, jedoch kann der User (und evtl. Freunde) das Posting trotzdem noch sehen. Weiterhin kann man als Admin auf dem verborgenen Posting weiterhin kommentieren und z.B. deeskalieren. Wichtig bei dem Verbergen ist, dass noch kein anderer User das Posting gesehen hat. Dann berichtet Romy von einem kleinen Selbstversuch auf einer Facebookseite eines Magazins, der hier verbloggt wurde. Romys Fazit: Verbergen von Postings und Blocken von Usern sollte man immer moderieren.

Trick 2: Netiquette auf der Facebookseite einrichten (was übrigens gern in Deutschand gemacht wird aber z.B. in USA gar nicht üblich sei). Man kann dann Störer freundlich auf die Netiquette verweisen, um den Troll dann ggf. im nächsten Schritt zu verbergen oder gar zu verbannen. Man erkennt als User, dass man von einer Facebookseite geflogen ist, wenn man die Seite zwar noch liken kann, aber nicht mehr kommentieren.

Trick 3: Man bekommt aus der neuen Facebook Statistik ein paar ganz interessante Insights über User, Reichweite und den Erfolg der eigenen Postings, die nicht unbedingt konform sind mit dem deutschen Datenschutzrecht (ach!). Entsprechend kann man Themenplanung auf der Facebookseite entsprechend anpassen, um seine Community zu “manipulieren”.

Trick 4: Niemals Third-Party-App (z.B. Tweetdeck) verwenden, um Kundenseiten zu pflegen. Man läuft Gefahr, dass man sonst nicht gesehen wird, weil diese Third-Party-Apps ausfilterbar sind. Also: immer direkt auf Facebook posten. Ansonsten auch gern mal mehr Fotos – die werden nämlich eher angesehen und geliked.

Frage nach SEO auf Facebook. Antwort, Facebookseiten werden von Google nicht erfasst. Aber mehr Postings, die mehr diskutiert werden sind sichtbarer in den Timelines der Facebooknutzer. Zu dem Thema hab ich mal schnell hier ein paar Tipps ergoogelt.

Sechste Session: Open Innovation bei Stayscout (von Tobias Jordans)

stayscout.de ist eine Alumni-Plattform für Pfadfinder, die auf der Plattform integriert einen zentralen Ort für Open Innovation aus der Community bereit stellt (umgesetzt mit Uservoice), also für Verbesserungsvorschläge und so. Tobias stellt zunächst die Plattform vor, die an sich wie ein Forum funktioniert. Zum Teil sind da Supportanfragen zum anderen Teil eben auch konkrete Featureanfragen oder Beschreibungen von Wünschen und vagen Bedürfnissen. Spannend an Open Innovation sei, wenn man neue Ideen und Features mit den Usern bespricht und sie auf die Reise der Verbesserung mitnimmt und einbezieht. Tolle Sache, ich bin jedoch schon etwas zu müde, um der Sache im Detail zu folgen.

Vielen Dank den Organisatoren für den gelungen Barcamp-Tag. Internet ging und Essen war lecker.

29. Oktober 2011 von Tillmann Allmer
Kategorien: Internet & Social Media | Schlagwörter: , , , , | 7 Kommentare

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