11.4.

11.4.

Im 6. Stock wohnt ein Regenbogen.

In unserer Hinterhoflinde wohnt nun leider kein brütendes Taubenpaar mehr. Tragisch alles. Vor allem wenn der Überlebenskampf direkt vorm Küchenfenster passiert und man zusehen kann, wie erst Heike, so nannten wir die Taubenmama, nach einem Kampf mit einem Bussard fiepend verendet, die Taubeneier genüsslich von einer Elster verspeist werden, und dann der Taubenpapa kommt, lange irritiert das leere Nest beäugt und schulterzuckend davon fliegt und nie mehr gesehen wurd.

Die Klavierlehrerin sieht das Positive daran: Taubenbabys seien ja auch wirklich sehr, sehr hässlich.

31.3.

31.3.

Zeitumstellung. Es ist kurios. Ich bin mir sicher, dass ich an diesem Ort schon einmal war. Und gleichzeitig bin ich mir vollkommen unsicher, ob das wirklich so stimmt. Ich bin mit dem Taxi dahin gefahren. Es war dunkel, ein Winterabend, es lag etwas Schnee. Der Taxifahrer fuhr mit seinem Navi eine Abkürzung durch eine Schrebergartensiedlung, die sich dann doch nicht als Abkürzung herausstellte. Durchfahrt gesperrt und ich war in Eile. Um 20 Uhr war die Verabredung mit Bekannten, die freischaffend Radio produzieren und mich für eine Sendung oder einen Podcast eingeladen hatten. Vielleicht war es auch nur die Nullnummer für ein Sendungskonzept. Ich kann mich an ein in die Jahre gekommenes Tonstudio erinnern mit alten Sofas im Warteraum. Zigarettenrauch, Holzvertäfelung und Linoleum. Worum es thematisch ging weiß ich nicht mehr. Oder ich hab das alles nur geträumt. Es gibt gar keine Sendung. In meinem Mailarchiv finde ich keine einzige Anfrage mit dem Wort “Funkhaus”. Vielleicht hat mir das auch nur ein Podcaster auf einer Party erzählt und ich hab das dann im Schlaf weitergesponnen. Vielleicht war ich auch in einem früheren Leben Radioredakteur bei den Nazis. Oder Demenz, Frühstadium. Tja.

(Funkhaus Berlin)

Das Individuum ist heute mit der gesellschaftlichen Leitidee konfrontiert, alles sei möglich und jedes Ziel erreichbar. Das führt zu einer weit verbreiteten Angst, die eigenen Potenziale nicht voll auszuschöpfen und ein unbedeutendes, erfolgloses Leben zu führen. Die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls wird so erschwert. Die Vorherrschaft einer kommerzialisierten Selbsthilfekultur der Selbstoptimierung verhindert eine intensive Beschäftigung mit grundlegenden existenziellen Fragen. 

Klappentext von Carlo Strengers Buch: „Die Angst vor der Bedeutungslosigkeit“

Podcast – In Trockenen Büchern: Bedeutungslosigkeit

24.3.

24.3.

Ein Sonnenuntergang ist schön, aber er dauert nur soundso lange. Wenn er vorbei ist, ist er vorbei. Letztendlich müssen wir lernen, loszulassen. Dabei ist Akzeptanz ein wichtiger Faktor. So sehr ich das wollen würde, ich werde nie einen Sonnenuntergang bewahren können. Ein Foto des Sonnenuntergangs ist nur ein Rückspiegel, der Rückschau auf einen Moment zulässt. Aber das Leben erfüllt sich nur, wenn wir uns erlauben, loszulassen und im Moment zu sein.

(Mecklenburg-Vorpommern, Germany)

23.3.

23.3.

Was sind die Kristallisationspunkte meiner Identität? Wie stark wirkt ein Geburtsort auf die Persönlichkeitsprägung eines Menschen ein? Heute ist mir meine Geburtsstadt mit einem energetischen Wohlgefallen begegnet. Oder besser gesagt: ich habe ein Wohlgefallen, eine Nähe und vor allem ein Einlassen auf die plötzlich gespürte emotionale Verwurzelung zugelassen. Jeder Ort prägt und schafft individuelle Erinnerung. Das Licht, der Kirchturm, jeder Pflasterstein – tausendmal gesehen und nie bedacht.

Gerade in einer Zeit des ständigen Unterwegsseins – ob in Gedanken oder durch die Städte – erlebe ich permanente Gegenwart und auch Zukunftwollen. Aber die organische, spirituelle Verbundenheit mit individuellen Erinnerungsorten und damit der eigenen Vergangenheit vermisse ich oft. Berlin ist sehr mit sich selbst beschäftigt. Erinnerungen in Berlin verorten sich mir oft erst in dem Moment des Wandels oder des Verlusts. Mein Geburtsort wandelt sich auch, aber langsamer. Und Berlin ist meine Gegenwart, mein Erinnerungsalltag, den ich ständig justiere, während Erinnerungen in meiner Geburtsstadt eher das Thema neue Versöhnlichkeit und Gewährenlassen der heimatlichen Herkunft haben. Aber was weiß ich schon.

(Lüneburg)

Wer am Sonntag nicht ins Auslaufgebiet für Erholungssuchende geht, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

(Schlachtensee, Berlin, Germany)

“Diese Perspektive des Erwartungsmanagements ist für mich perfekt im fröhlichen Schulterzucken des Shruggie gefasst. Seine kontinuierliche Frage: Was wäre, wenn das Gegenteil richtig wäre? inspiriert dazu, eine andere, distanzierte Perspektive einzunehmen. Der Shruggie ist so auf eine hoffnungsvolle Weise der beste Erwartungsmanager, den man sich wünschen kann.”

— Dirk von Gehlen

Erwartungsmanagement – bessere Ergebnisse mit mehr ¯\_(ツ)_/¯